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Rialto (deutsch/englische Ausgabe)
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 29.10.2013, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Stefan Feld, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 32,95 EUR


Venedig - die Stadt der Gondeln und Brücken, welche prächtige Paläste, weite Plätze und verwinkelte Stadtviertel verbinden. Was heute als Hauptstadt der Liebenden (und der Tauben) gilt, war im Mittelalter und der Renaissance eine florierende Handelsstadt mit einflussreichen Adligen. Und genau darum geht es auch in Rialto von Stefan Feld.

Zwei bis fünf Spieler schlüpfen in die Rollen venezianischer Adliger und versuchen, ihren Einfluss in der Stadt zu mehren und am Ende der heimliche Herrscher von Venedig zu sein. Hierfür errichten sie Gebäude, entsenden Ratsherren in die verschiedenen Stadtteile und sichern sich Einkommen, um zusätzliche Aktionen nutzen zu können. Wer schließlich bei der Endabrechnung über den größten Einfluss verfügt, der gewinnt das Spiel.

Rialto präsentiert sich in gewohnter Pegasus-Qualität mit stabilen Papp- und Holzmarkern, einem robusten Spielplan und einer stimmigen Optik. Das Cover vermittelt dabei einen guten Eindruck von der Illustration - nichts ausgefallenes, aber insgesamt ansprechend und funktional. Die einzige Ausnahme hiervon ist leider die Punkteleiste auf dem Spielplan. So nett die Idee dunkler Felder, die von spärlich glimmenden Straßenlaternen getrennt werden, auch sein mag, sie funktioniert leider nicht wirklich. Feldgrenzen sind kaum zu erkennen und es gibt keinerlei Zahlen, die es ermöglichen würden, Punkte zügiger zu ziehen. Lobenswert ist hingegen die klar strukturierte Anleitung, die sowohl zum Erklären als auch zum Nachlesen vorbildlich geschrieben und bebildert ist.
Eine Partie Rialto geht über sechs Runden, in denen jeweils ein Stadtteil Venedigs "bespielt" wird. Da sich zwischen den Stadtteilen Kanäle befinden, müssen sie im Laufe des Spiels mit Brücken oder Gondeln verbunden werden, wodurch gleichzeitig ihr Wert für die Schlussabrechnung beeinflusst wird.

Eine Runde beginnt stets mit der Auswahl von Aktionskarten, die in gemischten Reihen zu je 6 Karten offen ausliegen (immer eine Reihe mehr als Mitspieler). So erhält jeder Spieler eine Kombination aus Dogen, Gold, Gebäuden, Brücken, Gondeln, Ratsherren und Jokern, die er auf die Hand nimmt. Jede Karte ist dabei einer speziellen Aktion zugeordnet. Dazu werden noch zwei verdeckte Karten gezogen und eine beliebige Karte verdeckt abgeworfen. Mittels Sonderaktionen aus errichteten Gebäuden lassen sich die Anzahl gezogener und behaltener Karten im Laufe des Spiels steigern.

Der Doge bildet die erste Aktion der Runde. Für jede gespielte Karte rückt man ein Feld auf der Dogenleiste vor, welche die Reihenfolge bei der Kartenauswahl bestimmt und zudem Gleichstände entscheidet. Anschließend erhält man für jedes gespielte Gold eine Münze, die man zum Aktivieren von Gebäuden benötigt. Danach werden die Gebäudekarten gespielt, um Bauwerke auf dem eigenen Plan zu errichten - je mehr, desto wertvoller und nützlicher das Gebäude.

Als vierte Aktion folgen die Brücken, für die man jeweils einen Punkt erhält. Wer hier die meisten Karten spielt, darf zudem zwei Stadtteile mit einem Brückenplättchen verbinden und so für die Endwertung aufwerten. Es folgen die Gondeln, für die man Ratsherren in den eigenen Vorrat erhält. Zudem darf der Spieler mit den meisten gespielten Karten zwei Stadtteile mit einer Gondel verbinden und in einen dieser Stadtteile einen Ratsherren platzieren. Zu guter Letzt werden noch Ratsherrenkarten gespielt, um eigene Ratsherren im aktuell aktiven Stadtteil zu platzieren.

Grundsätzlich wird jede Aktionsphase von dem Spieler begonnen, der in der vorherigen Phase die meisten Karten gespielt hat. Anschließend wird reihum gelegt, wobei man hier schon ein wenig Taktieren und die Möglichkeiten und Ziele der Mitspieler richtig einschätzen muss. Zudem können errichtete Gebäude auch in dieser Phase die Aktionsmöglichkeiten erweitern, zum Beispiel durch die Umwandlung von Karten in einen anderen Aktionstyp.

Gerade im Finden der richtigen Balance zwischen Gebäuden, welche Spielvorteile bieten, und Aktionen, die Punkte bringen, liegt der Reiz von Rialto. Hierbei können unterschiedliche Strategien erfolgreich sein – und natürlich muss man auch antizipieren, was die anderen Spieler wohl im jeweiligen Durchgang vorhaben.

Auf die beschriebene Weise werden insgesamt sechs Durchgänge gespielt, bis an jedem Stadtteil vier Brücken oder Gondeln liegen. Anschließend folgt die Schlusswertung der Stadtteile, bei der Punkte in Abhängigkeit von der Anzahl Ratsherren vergeben werden. Wer die meisten Ratsherren in einem Viertel hat, bekommt den vollen Wert in Punkten, für jeden nachfolgenden Platz werden die Punkte jeweils halbiert. Gebiete mit vielen Brücken sind hierbei besonders wertvoll, während Gondeln keinen nennenswerten Beitrag zum Wert eines Stadtteils leisten. Durch diesen Mechanismus wird das Platzieren von Brücken und Gondeln zu einem wichtigen taktischen Element, was auch ein bisschen Vorausplanung erfordert.

Insgesamt besticht Rialto durch schnelle, flüssige Spielabläufe mit einer taktischen Tiefe, die sich erst nach einigen Partien vollständig erschließt. Da alle Spieler an den einzelnen Aktionsphasen beteiligt sind, gibt es kaum Wartezeiten und jede Aktion der Mitspieler hat potenziell Einfluss auf die eigenen Entscheidungen. Mit einer Spieldauer von gerade mal einer guten Stunde und einer niedrigen Einstiegshürde ist Rialto zudem auch für Gelegenheitsspieler bestens geeignet.

Fazit:
Rialto ist auf den ersten Blick ein eher leichtgängiges Spiel mit mittlerem Anspruch. Je häufiger man es jedoch spielt, desto mehr erschließen sich einem die vielfältigen taktischen Möglichkeiten, so dass auch Vielspieler voll auf ihre Kosten kommen. Ein einfacher Einstieg, auch für Gelegenheitsspieler und ein hoher Wiederspielreiz - absolute Kaufempfehlung!




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