Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Belletristik » Comics » Wilsberg - In alter Freundschaft

Wilsberg - In alter Freundschaft
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 18.06.2013, Serie: Belletristik, Autor(en): Jürgen Kehrer, Jörg Hartmann, Verlag: CARLSEN Verlag GmbH, Seiten: 87, Erschienen: 2013, Preis: 14,90 EUR


Eine bekannte Fernsehserie als Comic zu adaptieren ist nicht ohne. Immerhin muss man sich als Autor neben einer guten Geschichte und deren Ausführung auch noch um die Erwartungen der Fans kümmern. Jürgen Kehrer und Jörg Hartmann ist mit Wilsberg - in alter Freundschaft die erfolgreiche Gratwanderung gelungen.

Eigenständigkeit hat sich das Autorenteam vor allem im Zeichenstil bewahrt. Er ist eigen und der gehobenen Comicalbenklasse mehr als würdig. Der Preis: Wilsberg sieht anders aus. Wiedererkennbar ist die Figur als gealterter Kauz aber trotzdem. Auch beim Rahmen des Krimis gibt es Abweichungen. Die Comicversion ist am Anfang der 90er Jahre angesiedelt, also rund 20 Jahre früher als die Fernsehserie. Wilsberg selbst leitet mit seinem "Geschäftsführer" auch kein Antiquariat, sondern ein "2nd Hand Kaufhaus", das allerdings in einem äußerlich dem Antiquariat ähnlichen Gebäude untergebracht ist. Sein Zwangskontakt bei der Polizei heißt Stürzenbecher, ist aber ein Mann und ähnlich aufbrausend wie Wilsbergs Anna im Film.
Allgemein bringen die Änderung dem Comic vor allem mehr Ernsthaftigkeit als Talkötters Slapstickeinlagen, Alex Eskapaden oder Overbecks peinliche Auftritte es im Vorbild tun. So gelingt es den Autoren, den Fokus auf Georg Wilsberg zu legen, der mit seinem typischen trockenen Humor und seiner knorrigen Art sofort Profil gewinnt.
Dabei fallen dem aufmerksamen Betrachter sofort die zahlreichen Cameoauftritte bekannter Figuren auf. Auf einem Werbeplakat tauchen z.B. Ecki, Wilsberg und Manni auf. Overbeck gibt sich als ruppiger Konzertbesucher die Ehre und sogar die Münster-Tatort-Ermittler Thiel und Börne treten kurz in Erscheinung.

Die eigentliche Geschichte beginnt und endet mit einem Rahmen, der sonst keinen Bezug zum Krimi-Kern hat. Wilsberg soll die jugendliche Tanja im Auftrag ihrer Eltern finden und nach Hause bringen, was ihm am Ende auch eher zufällig gelingt.
Dazwischen findet die eigentliche zweisträngige Handlung statt. Da ist zum einem der Eventmanager Ponti, dem Anlagenteile und Instrumente für Konzerte gestohlen worden sind, und zum anderen Wilsbergs Bekannter aus alten Tagen - Armin - der ihn bittet, einen Streit zwischen ihm und seiner Frau Ines zu schlichten. Fahrt nimmt die Geschichte auf, als Wilsberg Ines tot in ihrer Wohnung auffindet.
Beide Handlungslinien nähern sich im weiteren Verlauf der Handlung an, bis sie schließlich als eine große Geschichte erkennbar werden, die der Detektiv auch lösen kann. Bis dahin gibt es viele gekonnt verknüpfte Szenen, die einfach typisch Wilsberg sind: Sei es eine kleine Foltersession, merkwürdige Ermittlungsmethoden, in deren Verlauf Wilsberg selbst zum Verdächtigen wird, oder skurrile Zufälle.
Abgerundet wird das Harcover-Album noch durch einen Blick hinter die Kulissen auf die Autoren und die Entstehungsgeschichte dieses Comics.

Fazit: Wilsberg - in alter Freundschaft kann auf ganzer Linie überzeugen. Ob es der Zeichenstil, die Ausstattung des Comics oder vor allem die spannende vielschichtige Krimigeschichte ist, nirgends gibt es Schwächen. Davon wünscht man sich mehr.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.