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Belfort
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 26.07.2013, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Jay Cormier, Sen-Foong Lim, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 39.95 EUR


Es herrscht emsiges Treiben in Belfort. Der König hat beschlossen, dass die Stadt an der Grenze zu den Trollhorden befestigt und ausgebaut werden soll. Dafür hat er den besten Baumeister des Reichs beauftragen lassen. Den besten? Nun, leider gab es eine kleinere Verwaltungspanne und so wurden gleich mehrere Baumeister mit dieser ehren- und vor allem verdienstvollen Aufgabe betraut. Und da man einen vergebenen Auftrag nicht einfach zurücknehmen kann, wurde spontan ein Wettbewerb ausgerufen. Ein Jahr lang sollten die Baumeister gleichzeitig an der Stadt Belfort bauen und wer bis zum Winter den größten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt genommen hat, würde der neue königliche Baumeister von Belfort werden.

Belfort ist ein taktisches Worker-Placement- und Mehrheiten-Spiel für zwei bis fünf Spieler, das vom Verlag mit viel Holz und großen, stabilen Spielplanelementen hervorragend ausgestattet wurde. Die Illustrationen sind farbenfroh mittelalterlich-phantastisch gehalten, wobei Figuren wie die Elben, Zwerge und Gnome augenzwinkernd überzeichnet wurden. Insgesamt ergibt sich eine stimmige, das Spiel gut unterstützende Optik. Etwas aus dem Rahmen fällt lediglich das Cover der Box, bei dem die Figuren noch stärker überzeichnet wurden, wodurch es etwas schriller wirkt als das eigentliche Spielmaterial. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch: Vor der ersten Partie wollen 142 Aufkleber ziemlich exakt auf verschiedene Plättchen und Marker geklebt werden. Da ist Fingerfertigkeit und vor allem Geduld gefragt.

Die Stadt Belfort ist unterteilt in fünf identisch aufgebaute Stadtteile mit je zehn verschiedenen Gebäuden. Jedes der Bauwerke ist also in jedem Stadtteil genau einmal verfügbar. Zusätzlich gibt es in jedem Stadtteil noch eine Gilde mit einer Sonderfunktion, wie z.B. erhöhtem Rohstoffeinkommen, zusätzlichen Arbeitern oder der Möglichkeit, anderen Mitspielern Geld oder Handkarten zu stibitzen. Insgesamt gibt es zwölf Gilden, von denen immer fünf im Spiel sind. Durch eine Unterteilung der Gilden in die Rubriken "Basis", "Ressourcen" und "Interaktiv" ist es möglich, über die Auswahl der Gilden den Grad an Interaktion und Komplexität den Vorlieben der Spieler etwas anzupassen.

Eine Partie Belfort läuft über sieben Runden, die die Jahreszeiten Frühling (drei Runden), Sommer und Herbst (je zwei Runden) umfassen. Jede Runde beginnt damit, den Kalender zu aktualisieren. Anschließend folgen die Phasen "Einsetzen", "Einnahmen" und "Aktionen". Am Ende jeder Jahreszeit gibt es zudem noch eine Wertungsphase. Nach der dritten Wertung endet das Spiel und der Baumeister mit den meisten Punkten gewinnt.

Zum Auftakt der Partie verfügt jeder Spieler über drei Elben und drei Zwerge, eine Handvoll Gold und Rohstoffe, zwölf Gebäudefiguren sowie drei Bauwerkskarten. Letztere bestimmen, welche Gebäude man in Belfort errichten kann und ermöglichen nach ihrem Bau Sonderaktionen, die nur dem Spieler selbst zur Verfügung stehen. So kann man beispielsweise in der Schmiede Metall erhalten oder mittels der Bibliothek Handkarten austauschen.

In der Einsetzen-Phase werden reihum die Elben und Zwerge auf eigenen Gebäuden eingesetzt und man kann in der Zugreihenfolge vorrücken. Gegen Zahlung einer Gebühr kann man zudem auch die Gilden nutzen oder neue Arbeiter anwerben. Möchte man keine dieser Aktionen mehr spielen, wird gepasst und die restlichen Arbeiter werden zur Gewinnung von Rohstoffen genutzt.

Bei den Rohstoffen wird es dann auch relevant, welche Rasse meine Arbeiter haben. So gehen nur Elben in den Wald, um Holz zu sammeln, und im Steinbruch arbeiten nur Zwerge. Benötige ich gar Metall aus dem Bergwerk, so muss ich Elben und Zwerge jeweils paarweise gemeinsam dorthinein schicken. In der Goldmine hingegen können sowohl Elben als auch Zwerge frisch geprägte Goldmünzen holen.

Wenn alle Spieler fertig eingesetzt haben, werden die Ressourcen eingesammelt, neue Arbeiter genommen und die Spielerreihenfolge angepasst. Bei den Rohstoffen erhält zudem derjenige, der die meisten Arbeiter im jeweiligen Feld eingesetzt hat, noch einen zusätzlichen Rohstoff als Bonus. Abgeschlossen wird die Phase mit dem Einkommen, das durch Münzen auf gebauten Gebäuden bestimmt wird, und durch das Zahlen der Steuern. Die Höhe der Steuerlast ergibt sich durch die Anzahl an Wertungspunkten, die ein Spieler bereits gesammelt hat. So werden Spieler, die schnell einen Vorsprung auf der Punkteleiste erspielt haben, ein wenig gebremst – ohne jedoch übermäßig für ihren Fortschritt "bestraft" zu werden.

In der Aktionsphase handeln die Spieler nun nacheinander ihre eingesetzten Elben und Zwerge ab. Die Reihenfolge der Aktionen innerhalb des eigenen Zugs ist beliebig. So kann man jetzt Gebäudekarten spielen und durch Bezahlen der Baukosten ein entsprechendes Gebäude in einem der fünf Stadtteile für sich in Besitz nehmen. Ziel ist es, in möglichst vielen Stadtteilen die Mehrheit oder zumindest den zweiten Rang zur erlangen, denn dafür gibt es in den Wertungsphasen Punkte. Bei vier oder mehr Spielern erhält auch der Dritte noch einen Punkt. Zudem erweitern neue Gebäude die eigenen Aktionsmöglichkeiten.

Benötigt man kurzfristig noch einen bestimmten Rohstoff oder fehlt es gerade an Gold, kann man "Crazy Horst’s Handelsposten" nutzen – wobei man pro Runde nur einen Kauf und einen Verkauf tätigen kann. Außerdem kann man noch Gnome anwerben, die für einen laut Spielplantext "Dinge erledigen", "Zwerge beruhigen", "Elben aufmischen" und vieles mehr. Effektiv ist ihre einzige Funktion im Spiel jedoch, die Sonderaktionen bestimmter Gebäude freizuschalten – was aber oftmals sehr lohnend ist! Zum Abschluss des eigenen Zugs hat man dann noch die Möglichkeit, eine neue Gebäudekarte zu erwerben.

Am Ende der dritten, fünften und siebten Runde findet eine Wertung statt. Hierbei werden zunächst Punkte für die Mehrheiten in den fünf Stadtteilen vergeben, anschließend noch für die Anzahl an Elben, Zwergen und Gnomen, die der Spieler angestellt hat. Die entsprechenden Punkte rückt man sofort auf der Wertungsleiste vor, was einen meistens in eine höhere Steuerklasse befördert. Wer am Ende der Herbstwertung in Runde Sieben vorne liegt, gewinnt das Spiel und erhält als Belohnung den goldenen Schlüssel der Stadt.

Fazit:
Belfort ist ein rundum gelungenes Mehrheiten-Spiel, das sowohl optisch als auch spielerisch voll und ganz überzeugt. Die Einstiegshürde ist angenehm niedrig, so dass man es problemlos auch mit Gelegenheitsspielern auf den Tisch bringen kann. Und trotzdem bietet das Spiel genug Tiefe und Abwechslung, dass auch Vielspieler ihre Freude daran haben werden. Etwas störend ist nur, dass das Fantasy-Thema ein wenig aufgesetzt wirkt und der Versuch, Humor ins Spiel zu bringen ("Crazy Horst"), stellenweise doch etwas arg bemüht wirkt. Wenn man darüber jedoch hinweg sieht, bekommt man mit Belfort ein Spiel, das für nahezu jede Spielesammlung eine Bereicherung ist!




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