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Wunderland
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 21.03.2013, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Dirk Hillebrecht, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 29.95 EUR


Brett- und Rollenspieler werden aufgrund ihrer Hobbys ja regelmäßig als "Nerds" und "Geeks" bezeichnet, aber auch ein anderes Hobby wird von einigen Menschen belächelt: Das Sammeln von Modelleisenbahnen und das Bauen von Strecken für eben diese Bahnen. Betrachtet man aber den Erfolg der weltgrößten Modelleisenbahn in Hamburg, mit mehr als eine Million Besuchern pro Jahr, die sich das Miniatur Wunderland auf 1.300 qm anschauen, dann scheint das Hobby gleich deutlich weniger auf einem Abstellgleis zu stehen.

Passend zur riesigen Modelleisenbahn in Hamburg haben sich Dirk Hillebrecht, das Miniatur Wunderland und Pegasus Spiele jetzt zusammengetan und für zwei bis vier Brettspielfans ab acht Jahren ein Brettspiel zur Miniaturenlandschaft mit dem Titel "Wunderland" veröffentlicht. Die Besucher des Miniatur Wunderlands werden im Spiel deswegen auch bereits gesehene Regionen und Sehenswürdigkeiten wiedererkennen, während andere Spieler die Regionen und Sehenswürdigkeiten natürlich auch kennen, mit Ausnahme Knuffingens, der erfundenen Region, von der aus die Reisen im Miniatur Wunderland beginnen.

Das Spiel hat, wie man es mittlerweile gewohnt ist, ein gutes Gewicht und der erste Blick in die Box lässt einen Schlucken, denn eine dicke Anleitung liegt direkt obenauf. Ein genauerer Blick offenbart aber, dass diese Anleitung sieben Sprachen beinhaltet und somit wirklich von fast jedem in kurzer Zeit gelesen werden kann, denn die Anleitung passt auf sechs Seiten und enthält neben Beispielen und der detaillierten Anleitung auch eine Spalte mit einer Kurzfassung für die Spiele nach dem ersten Spiel.
Direkt unter der Anleitung findet man einen großen Spielplan, für den ein großer Esstisch oder der Boden zum Spielen benötigt wird. Auf dem Spielplan findet man insgesamt acht Regionen, die es zu bereisen gilt, darunter Mitteldeutschland, Skandinavien und Amerika, eine Punkteliste bis 99, unterschiedliche Symbolfelder passend zur Region und Kartenfelder, die aussehen wie Postkarten.
Unter dem Spielplan wartet das weitere Spielmaterial und ein bisschen Werbung für das Miniatur Wunderland. Zuerst einmal sieht man viele bunte Scheiben, dann Lokomotiven in denselben Farben und ein paar Aufkleber mit Personen darauf. Diese Aufkleber werden farblich passend auf die Scheiben gelegt und werden damit zu den Spielfiguren. Die Lokomotiven werden als Siegpunktmarker verwendet und eine übriggebliebene Lokomotive zeigt an, wer gerade am Zug ist. Daneben liegen toll gezeichnete Karten, Zielkarten, die Punkte bringen, wenn man die Ziele, die auf ihr gefordert werden erreicht, Ansichtskarten, die man in der jeweiligen Region erwerben kann, und die auch Siegpunkte bringen, und Punktekarten, falls die Leiste bis 99 Punkten nicht mehr ausreicht.
Der wenige Inhalt verdeutlicht, wieso nur sechs Seiten Regeln nötig sind und wieso man sofort mit dem Aufbau und dem Spielen anfangen kann. Die Postkarten werden in die jeweilige Region auf das passende Feld gelegt. Jeder Spieler erhält zwei Zielkarten, die restlichen werden neben das Spiel gelegt. Dann positionieren alle Spieler ihre Spielfiguren auf das Startfeld Knuffingen und der Startspieler darf anschließend zuerst entscheiden wohin und wie weit die Reise gehen soll. Er entscheidet dann auch wie viele seiner Spielfiguren sich auf die Reise machen. Die anderen Spieler entscheiden dann, ob sich auch einige ihrer Spielfiguren der Reisegruppe anschließen. Am Zielort können die Spieler dann Postkarten an sich nehmen und dafür später Siegpunkte kassieren. Wichtig ist es die Reisen der Mitspieler und die eigenen Reiserouten so zu nutzen, dass man die Orte auf der Zielkarte erreicht und eine Spielfigur dort positioniert. Hat man eine Zielkarte erfüllt, sprich, eine Spielfigur auf allen Zielen, dann dreht man die Zielkarte um und erhält eine passende Anzahl an Siegpunkten. Das Spiel endet entweder nachdem ein Spieler seine fünfte Zielkarte erfüllt oder ein Spieler Ansichtskarten aus sieben der acht Regionen gesammelt. Dann werden die Ansichtskarten noch mittels eines einfachen Punktesystems bewertet und der Sieger des Spiels ist dann der mit den meisten Siegpunkten durch Zielkarten und Postkarten.

Ein einfaches und kurzweiliges Spiel, das durch seine tollen Regeln und die toll gezeichneten Karten überzeugen kann. Auf den ersten Blick wirkt es zwar wie eine Variante anderer Reisespiele, aber bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Spiel als äußerst taktisch. Das Mitreisen ist nämlich ein nicht zu unterschätzender Spielinhalt, wenn nicht sogar der Spielinhalt, weil die Bewegungen eines einzelnen Spielers nie ausreichen werden, jeden Winkel der Welt zu erreichen. Die Zielkarten, mit unterschiedlichen Punkteangaben und dementsprechend auch mit unterschiedlich schwer zu erreichenden Zielen, sind es schlussendlich nicht, die zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. Eine einfache Zielkarte, die durch Zufall zugeteilt wird, ist also nicht spielentscheidend und der Zufall deswegen fast ausgeschlossen. Es sind viel eher die Postkarten, die Zielkarten und das clevere Mitreisen zusammen, die das Spiel entscheiden. Gerade deswegen glaube ich allerdings, dass Kinder ab acht Jahren in den ersten Spielen durchaus ihre Probleme haben könnten. Mit zunehmender Erfahrung durch das Spielen des Spieles, wird sich das aber geben und dann werden neben den älteren Kindern, den Jugendlichen und den Erwachsenen auch die jüngeren Kinder Spaß an diesem tollen taktischen Spiel haben.

Fazit: Dirk Hillebrechts "Wunderland" ist nicht nur ein durchdachtes und taktisches Spiel sondern auch mit tollen, ansprechenden Zeichnungen ausgestattet, die das Spielen des Spiels insgesamt zu einem Vergnügen werden lassen. Es ist darüber hinaus auch ein tolles Andenken für die Besucher des Miniatur Wunderlands in Hamburg, die ihren Besuch dann zuhause nachspielen und in Erinnerungen schwelgen können.




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