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Reiseführer in die deutschen Schatten
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 29.03.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Tobias Hamelmann und andere, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 226, Erschienen: 2012, Preis: 39,95 EUR


"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen", so sagte es Matthias Claudius Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Seitdem hat sich die Industrie, die mit Reisen zu tun hat, sehr weit entwickelt und wird sich auch in den nächsten Jahren weiter wandeln. Eines wird aber immer gleich bleiben: Die zukünftigen Reisenden werden sich über ihr Reiseziel informieren, um bestens auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Dementsprechend gut verkaufen sich Reiseführer über die unterschiedlichsten Regionen, Länder und Metropolen unserer Welt.

Auch in der sechsten Welt des Jahres 2074 wird gereist und eine Gruppe muss ihre Reisen ganz besonders gut vorbereiten und planen: die Shadowrunner. Sie sind meist ohne echte SIN unterwegs, mit Ausrüstungsgegenständen bestückt, die das normale Reisen unmöglich machen, und zeigen Interessen an Örtlichkeiten, die man kaum in einem normalen Reiseführer finden wird. Deshalb benötigen diese Personen auch spezielle Informationsquellen. Pegasus Spiele hat den Ruf vernommen und mit "Reiseführer in die Deutschen Schatten" für alle Spieler und Spielleiter des Rollenspiels Shadowrun und insbesondere für alle Runner, ein Buch veröffentlicht, das alle offen Fragen beantworten wird und für jeden etwas Spannendes beinhaltet. Warum insbesondere für Runner? Weil es ein fast reines Ingame-Buch ohne jeglichen Regelanteil ist.

Entsprechend scheinen auch das Format und der inhaltliche Aufbau gewählt worden zu sein. Das Buch hat nur Din-A5-Größe und es geht nach dem Inhaltsverzeichnis, dem Impressum und einem kleinen Hinweis zur Verwendung direkt los. Den Anfang macht eine kleine Legendenbox, die die wichtigsten Icons der abgedruckten Karten erklärt. Danach folgt das bekannte Einlogfenster mit offenen Nachrichten und anderen Neuigkeiten. Wir sind aber nicht im JackPoint sondern im deutschen Schattenäquivalent Panoptikum.
Begrüßt werden wir von Zwieblblootz, der uns im Intro etwas zum Buch sagt und uns auch ein paar Tipps zum Überleben gibt. Wichtig ist hier, dass die großen Städte sich nicht wiederfinden, da sie bereits an anderer Stelle behandelt wurden. Das bedeutet aber nicht, dass es langweilig werden wird.

Wobei das erste Kapitel zu Beginn gleich den Gegenbeweis liefert, denn eine Zeitleiste und ein paar Infos über das Rein, Raus und Rundherum sind alles andere als spannend. Zum Glück finden sich zusätzlich einige Kommentare von Runnerkollegen und nach den ersten zehn Seiten dann auch wirklich tolle Infos, nämlich zu Recht und Gesetz und zum Leben in den Deutschen Schatten. Dazwischen zeigen sich einige Statistiken, Karten und ein paar erhellende farbige Seiten, die sich mit der aktuellen Mode in den unterschiedlichen Kreisen befassen.
Richtig lesenswert wird es dann ab dem zweiten Kapitel. Die Überschrift "Allianzrundfahrt" sagt eigentlich schon alles. Die Trollrepublik Schwarzwald, Westphalen, die Sox und Stuttgart, nur um einige zu nennen, können einen trotz fehlender Beschreibungen zu den Großstädten bei Laune halten. Auch die HotSpots haben es in sich und manche gefährliche Orte sollte man lieber meiden; egal was einem der Auftraggeber zahlt. Ein farbiges Highlight setzt eine Sammlung von Daten und Karten zu Proteus und Helgoland, die man sicher irgendwann einmal gebrauchen kann.

Das dritte Kapitel richtet sich an allle, die schon immer wissen wollten, welche Personen, zum Beispiel Medusa, und welche Gruppen, zum Beispiel die Preußenstiftung, in der ADL wichtig sind und wer die Leute sind, die immer wieder einen guten oder sogar lebensrettenden Kommentar abgeben.
Das vierte Kapitel ist der beste Abschnitt, denn hier bieten sich für Runner professionelle Tipps von Profis für Profis. Wo findet man was, wer vergibt Aufträge, welchem Kontakt kann man trauen, welche Aufträge gibt es und vor allen Dingen, was für eine merkwürdige Ratte läuft denn da in den Juwelierladen? All diese Fragen werden beantwortet und hilfreich aber auch mysteriös kommentiert. Man sollte sich eben nie zu sicher sein. Passend zur ersten Frage gibt es oft naheliegendere Möglichkeiten als ein Schieber, nämlich beim orangen Matrixshops des Homehelpers. Mich haben insbesondere die Funkbriketts überzeugt.

Das letzte Kapitel widmet sich den lohnenden Zielen. Manchmal brauchen Runner nämlich einfach nur etwas Geld und kein Auftrag ist in Sicht. Neben Zielen, Transportschiffe, Museen und Infos über Prototypen sind die wichtigsten Daten in einem Terminkalender aufgelistet und natürlich Informationen zum Abnehmer der heißen Ware. Den Abschluss des Buches und des Kapitels bildet ein schwarzes Brett mit Aufträgen und Hinweisen, die Leben retten können.

Inhaltlich ist das kleine Ingame-Buch der bisher beste rein deutsche Shadowrun-Band. Nach einem etwas langsamen Anfang geht es sehr schnell sehr gut weiter und das bleibt auch so bis zum Ende. Dafür sorgen zum Einen die sehr gut geschrieben Texte und Kommentare und die absolut gelungenen Bilder, zum Anderen aber auch das Heimatgefühl, das sich beim Leser einstellt, trotz der fiktiven und futuristischen Version Deutschlands. Man kennt die Orte und das gilt auch für die Autoren, die vieles, was heute schon existiert, irgendwie untergebracht haben. Dadurch entsteht sofort ein klares Bild vor dem geistigen Auge. Für den Spielleiter ist dieses Buch eine Goldgrube. Genug Informationen und Karten, um Plots für Monate zu schmieden, zu wenig, um Spielern den Spaß zu nehmen. Besser hätte Pegasus Spiele es inhaltlich nicht machen können.

Auch layouttechnisch hat Pegasus Spiele fast alles richtig gemacht. Die farbigen Seiten sind sehr ansprechend und der Aufbau des Buches sehr gelungen. Es fällt allerdings auf, dass man normalerweise mit einem anderen Format arbeitet. Einige der Kommentare zu Beginn sind, da bis zur Knickkante gedruckt, schlichtweg nicht lesbar, ohne das Buch kaputtzumachen, und wer will schon ein Buch mit roter Lederoptik und goldenem Adler und goldenem Schriftzug inklusive Lesebändchen zerstören? Da das Buch aber ansonsten wirklich rundum lobenswert ist, kann man über die fehlenden Sätze ohne Probleme hinwegsehen und es bleibt abermals nur eines zu sagen: Pegasus Spiele kann Shadowrun.

Fazit: Der "Reiseführer in die deutschen Schatten" ist das beste bisher erschienene rein deutsche Produkt für Shadowrun. Dafür gibt es viele Gründe, zum einen der absolut gelungene Inhalt mit Informationen zu fast allen bisher ausgelassenen Orten, die für die ADL eine große Bedeutung haben, zum anderen aber auch die vielen Informationen für die Runner, die man als SL ohne Probleme für verschiedene Aufträge nutzen kann. Kurzum: ein sehr gutes Buch, das bei keinem Spieler und bei keinem Runner fehlen darf, der die ADL als Heimat ansieht oder dort Aufträge annehmen will.




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