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Forsooth! Being a Roleplaying Game of Shakespearean Proportions
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 17.01.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Sam Liberty und Kevin Spak, Verlag: Spoiled Flush Games, Seiten: 92, Erschienen: 2012, Preis: 14,95€


Fragt man die unterschiedlichsten Personen nach dem wohl bekanntesten Autoren von Theaterstücken der Geschichte, dann taucht ein Name immer als einer der Ersten auf: William Shakespeare. Das dieser Name immer genannt wird ist nicht verwunderlich, sind seine 500 Jahre alten Stücke doch auch heute noch Thema in Schulen und liefern sogar die Grundideen für aktuelle Hollywoodfilme mit berühmten Schauspielern.

Diese Aktualität hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass sogar Spiele zu Shakespeares Ehren entwickelt und veröffentlicht wurden. Eines dieser Spiele ist das Improvisations-Rollenspiel "Forsooth!", das 2011 den ersten Platz beim GameChef RPG-Designwettbewerb erreichte. Geschrieben wurde das Spiel von Sam Liberty und Kevin Spak und schließlich 2012 vom eigenen Verlag der beiden, [i]Spoiled Flush Games[i], veröffentlicht.

Shakespeare ist ein großer Name und dem muss man natürlich irgendwie gerecht werden und ein erster Platz bei einem Wettbewerb spricht eigentlich eine eindeutige Sprache. Voller Neugier wirft man also einen Blick ins knapp 90-Seiten dünne aber stabile Softcoverbuch.
Schon auf den ersten Seiten fällt auf, dass man sich beim Aufbau an den Aufbau von Shakespeares Theaterstücken gehalten hat. Den Anfang macht die Vorstellung der Dramatis Personae, den Autoren, Illustratoren, Lektoren und Spieletestern. Es folgt ein detailliertes dreiseitiges Inhaltsverzeichnis, welches fünf Akte, zwei zusätzliche Kapitel und einige Anhänge im Epilog verspricht.
Das Vorwort zum Rollenspiel wurde vom künstlerischen Leiter des Zentralen New Yorker Shakespeare Festivals verfasst und er spricht positiv über das Spiel aber natürlich auch positiv über die Aktualität Shakespeares.

Der Prolog führt schließlich direkt ins Spiel ein und stellt den Aufbau des Buches in Kurzform vor.
In Akt 1 geht es dann bereits ans Eingemachte. Charaktererschaffung und Spielvorbereitung stehen hier im Fokus. Zum Spielen benötigt man nur die Protagonistenblätter, einen Stift und etwas um Applauspunkte anzuzeigen. Doch bevor man einen Charakter erstellt, werden Thema und Setting kreiert. Auf Basis von zwei Tabellen mit Shakespearethemen und -settings werden diese beiden wichtigen Faktoren ermittelt. Ist dies geschehen, geht es an das Erstellen der Charaktere, von denen jeder Spieler je nach Gesamtspieleranzahl zwischen einem und drei bekommt von denen einer der Hauptcharakter des Stückes, also der Charakter, der am Ende des Stückes entweder Tod oder Verheiratet ist, für den Spieler ist. Die Charaktere werden mit vier Informationen ausgestattet, mehr ist zum Spielen nicht nötig. Die Informationen sind, Name, Rolle, Wesen, Motivation und Eid. Kurzum, was den Charakter antreibt und zurückhält.

Mit den Charakteren, dem Thema und dem Setting geht es weiter zum 2. Akt des Buches: In diesem Akt dreht sich alles um das Durchführen des Stückes. Hier werden die Grundzüge erklärt und Beispiele gegeben. Darüber hinaus finden sich hier ebenso Erklärungen zu theaterspezifischen speziellen Aktionen, die ein Spieler durchführen, kann als auch Regeln für den Umgang mit dem frühzeitigen Tod einer Figur. Das Spiel selbst ist recht simpel. Der Hintergrund ist vorgegeben, die Spieler selbst können nun frei die Geschichte erzählen und spielen. Gegenseitiges Ergänzen ist gewünscht, mutwilliges Zerstören der Szene verboten. Improvisation ist alles und jeder ist der Spielleiter, der hier als Barde bezeichnet wird.
Akt 3 ist der kürzeste Akt und wie bei Shakespeare eigentlich der entscheidende, der Höhepunkt des Stückes. Hier wird die Vergabe der Applauspunkte für gutes Spielen erklärt. Diese Punkte werden nach bestimmten Szenen vergeben und werden schlussendlich den Sieger des Spiels bestimmen. Einfache Regeln kurz und knapp erklärt.
Der 4. Akt ist meiner Meinung nach der beste Akt, denn hier finden die Spieler jede Menge Tipps. Neben Ideen für Anfänger und Spiele die auf dem Schlauch stehen, gibt es hier auch ein Glossar mit elisabethanischen Begriffen, elisabethanische Grammatik und zu guter Letzt wieder einige Theaterbegriffe. Dieses Kapitel sollte jeder Schüler einmal gelesen haben, der Umgang mit Shakespeare wird wirklich erleichtert.
Der letzte Akt widmet sich den Regeln für Kampagnen oder Fortsetzungsgeschichten und wie diese Umzusetzen sind. Wer einen Charakter mag, der will diesen natürlich auch weiterspielen. Bei Toten ist das schwer, bei Verheirateten gibt es Möglichkeiten. Das Ziel ist aber dasselbe.

Es folgen die drei zusätzlichen Kapitel mit speziellen Regeln und Ideen fürs Spielen.
Das erste Kapitel widmet sich einer Regeländerung zur Beschleunigung des Spiels. Die Gruppen werden kleiner und die Spieler erhalten weniger Charaktere. Zusätzlich dazu erhält jeder Spieler einen Akt, den er als Barden einführen und beenden darf. Szenen in diesem Akt werden aber immer noch gemeinsam zum Besten gegeben.
Das nächste Kapitel widmet sich Beispielstücken und zeigt auch, wie diese schon einmal gespielt wurden. Gut geeignet um einen Überblick zu erhalten, zum Nachspielen eher nicht so sehr geeignet, weil dadurch das Improvisieren in Teilen eingeschränkt wird, was meiner Meinung nach den Spaß eindämmt. Gut sind dabei aber Thema, Setting und die Beispielcharaktere, die man natürlich ohne lange zu überlegen verwenden kann.
Im Epilog finden sich schließlich noch einige nützliche Dinge. Hier finden sich die Tabellen aus dem ersten Teil des Buches gut sortiert ein weiteres Mal. Daneben finden sich aber auch Botschaften, die zufällig im Spielgeschehen verwendet werden können, um die Spieler aufs Neue zum Improvisieren bringen und zwingen, und Charakterblätter in unterschiedlichen Größen.
Den Abschluss des Epilogs bildet ein Glossar mit spielrelevanten Begriffen. Bevor für die Spieler noch einmal alle wichtigen Regeln auf einem Cheat Sheet zusammengefasst angeboten werden, stellen sich abschließend die Autoren kurz vor und bedanken sich gleichzeitig bei Helfern, Freunden und der Familie.

Shakespeare ist mit Sicherheit kein Thema, das man in einem Rollenspiel erwartet und bei genauerem Hinsehen ist das Rollenspiel hier auch nur ein Mittel, um Shakespeares Stücke und das improvisierte Spielen von Stücken im Allgemeinen auf ein neues Level zu heben. Das Spielen selbst macht viel Spaß und wenn es ans Verteilen der Applauspunkte geht, dann erkennt man schnell, dass dieser Wettkampfcharakter durchaus auch einen Anreiz bieten kann, sich beim nächsten Mal noch mehr anzustrengen. Dementsprechend werden Folgerunden auch besser und nicht schlechter und dank der zufälligen Auswahl von Thema und Setting, wird es auch jedes Mal etwas Neues und nicht immer Romeo und Julia, die 25.
Neben einer tollen Idee ist es aber vor allen Dingen der Schreibstil und die zusätzlichen Informationen, die überzeugen können. Die Autoren haben sich wirklich Mühe gegeben und ein durchdachtes, spielbares und vor allen Dingen auch im Lernen unterstützendes Spiel geschrieben, dass man durchaus auch in der Schule zur Anwendung bringen kann. Da fallen ein paar Rechtschreibfehler, unter anderen in einer Aktüberschrift nicht ins Gewicht und das Gesamturteil ist sehr positiv.

Fazit: Es ist kein Wunder, dass "Forsooth!" einen Preis gewonnen hat: Es ist ein durchdachtes und spielbares Improvisationsrollenspiel auf Shakespeares Brettern, die die Welt bedeuten. Ein wettbewerbsorientiertes Theaterrollenspiel, das seinesgleichen lange suchen muss, mit vielen zusätzlichen Informationen, durch die man viel über Shakespeares Worte und die Welt des Theaters lernen kann. Nicht nur was für Spieler, sondern auch für Lehrer und vor allen Dingen für Shakespearefans.




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