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Das aureanische Zeitalter 1 - Flavius Princeps
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 01.03.2013, Serie: Belletristik, Autor(en): Alexander Merow, Verlag: Engelsdorfer Verlag, Seiten: 302, Erschienen: 2012, Preis: 12,95 Euro


Science Fiction ist seit Jahren ein beliebtes Genre, das in allen Medien regelmäßig erfolgreiche Auftritte hat, egal ob es das Medium Film oder das Medium Buch ist. Das Schwierigste an diesem Genre ist aber immer wieder der technische Hintergrund. Ist er nicht wissenschaftlich genug, meckern die, denen der Wissenschaftsaspekt wichtiger ist, ist er nicht fiktiv genug, meckern die, denen der fiktive Aspekt wichtiger ist. Und der Grat, beide Seiten glücklich zu machen, ist sehr schmal.

Alexander Merow hat sich trotz dieser Fakten nicht beunruhigen lassen und seinen ersten Science Fiction Roman, den ersten einer geplanten längeren Reihe, geschrieben. Die beim Engelsdorfer Verlag erschienene Reihe trägt den Titel Das aureanische Zeitalter und der Titel des ersten Bandes der Reihe heißt "Flavius Princeps". Der Titel ist dabei gleichzeitig der Name des Protagonisten der Reihe.

Flavius Princeps ist ein typischer Vertreter der aureanischen Gesellschaft, eine Gesellschaft, die aus zwei Klassen besteht, von der die eine reich ist und ohne große Pflichten leben kann, während die andere für niedere Arbeiten ausgebeutet wird. Die Gesellschaft hat nicht nur dem Namen nach sehr deutliche Übereinstimmungen mit dem alten Rom. Dabei muss jedoch beachtet werden, das dieses Imperium nicht nur auf einem Planeten, sondern auf vielen Planeten seine Macht ausübt. Flavius, als Mitglied der oberen Klasse, lebt in den Tag hinein. Er ist von einer Forschungsmission zurückgekommen, bei der ein entfernter Planet des Imperiums aufgesucht wurde und die ihn dazu gezwungen hat, einige Jahre im Kälteschlaf zu verbringen. Während Flavius sein Leben genießt, geschehen an noch höherer Ebene einige Dinge, die nicht nur die Gesellschaft verändern könnten, sondern auch dazu führen könnten, dass das aureanische Zeitalter, also das goldene Zeitalter, tatsächlich wieder Glanz bekommt. Der Grund dafür ist der Tod des alten Imperators und die Einsetzung seines Nachfolgers, Credos Platon. Credos ist konservativ und möchte den alten Glanz des Imperiums dadurch wiederherstellen, dass die Aureaner endlich wieder einer geregelten Arbeit nachgehen können, und dadurch, dass sie überbevölkerten Städte durch Umsiedlung einiger Bewohner endlich wieder lebenswert werden. Mit diesem Plan macht er sich bei den reichen Landbesitzern und insbesondere bei Juan Sobos, dem mächtigsten Senator unter den Landbesitzern, sehr unbeliebt. Credos neue Gesetze setzen dann auch Dinge in Gang, die die Gesellschaft und das Leben der Protagonisten und Antagonisten für immer verändern werden. Während Flavius seinen Lebenswandel ändern muss, als er zum Militärdienst eingezogen wird, weil es auf einem entfernten Planeten zu einem Aufstand kam, muss Credos sich den Intrigen und den offenen Anfeindungen der Optimaten unter der Führung von Juan Sobos stellen. Zu einem guten Ende kommt es dabei für keinen, wobei einer immerhin überlebt.

Das Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite und bietet einen gelungenen Cliffhanger für den nächsten Roman; dazu noch tolle Protagonisten und Antagonisten, die sich durchaus gelungen entwickeln und auch eine tolle Hintergrundgeschichte offenbaren, die tiefer ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Welt ist interessant, sie orientiert sich, wie bereits erwähnt, am alten römischen Imperium, zeigt geschickt verpackt die Probleme des Imperiums auf und verwendet diese, um dem Roman einige interessante Facetten zu liefern. Neben diesen gut eingebundenen historischen Elementen sind es aber vor allen Dingen die wissenschaftlichen Aspekte, die überzeugen können. Alexander Merow hat sich nicht nur an mögliche zukünftige Entwicklungen im häuslichen Bereich gehalten, sondern auch den immer wieder strittigen Aspekt der Raumfahrt mit Überlichtgeschwindigkeit angenommen. Bei Ersterem handelt es sich vornehmlich um einfache Erfindungen, die das Leben der Menschen erleichtern oder zur Unterhaltung dienen und die in naher Zukunft durchaus möglich sind. Bei Letzterem hat er sich dafür entschieden, keine Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit stattfinden zu lassen, sondern seine Raumfahrer die langen Reisen in Stasis verbringen zu lassen. Dies führt dazu, dass auf der Erde vieles passiert, während die Reisenden nichts weiter tun als schlafen. Dieses Problem hat der Autor geschickt gelöst, indem er zum einen den Fokus auf zwei Figuren auf der Erde legt und zum anderen langwierige Prozesse auf der Erde stattfinden lässt. Alles in allem ist der erste Roman der Reihe wirklich gelungen. Der einzige winzige Wermutstropfen sind die Namen der Figuren. Hier hätte sich der Autor durchaus weniger deutlich sprechende Namen, also Namen, die die Personen zu deutlich in eine Richtung lenken und deren Handlungen quasi vorherbestimmen, aussuchen können. Aber als stilistisches Mittel ist dies natürlich zulässig und spricht, wenn gewollt, auch für das literarische Wissen des Autoren.

Fazit: "Flavius Princeps" ist der spannende Auftakt der vielversprechenden Science Fiction-Reihe Das aureanische Zeitalter von Alexander Merow. Tolle Protagonisten und Antagonisten und eine Gesellschaft, die zwar viele Anleihen beim alten Rom nimmt, die aber dennoch ganz anders ist, als man es auf den ersten Blick erwartet. Ich freue mich bereits auf die Folgebände.




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