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Machtspiele - Handbuch für Spione
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 08.09.2012, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jason M. Hardy und Tobias Hamelmann, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 222, Erschienen: 2012, Preis: 29,95 Euro


Seit vielen Jahren sind Agentenfilme und Fernsehserien wieder in Mode und sehr beliebt. Neue Schauspieler schlüpfen in altbekannte Rollen, aktuelle Ereignisse werden in verschiedensten Formaten verarbeitet und dem Publikum dargeboten. Es ist deshalb kein Wunder, dass sich auch die Spielebranche diesem Thema annimmt und gerade die Rollenspielmacher immer neues Material zu diesem Thema veröffentlichen. Neben ganzen Systemen, die sich nur diesem Thema widmen, sind es aber auch Quellen- und Zusatzbücher zu größeren Systemen, die dabei entstehen.

Für Shadowrun erschien jetzt beim deutschen Lizenzinhaber Pegasus Press, das Buch Machtspiele – Handbuch für Spione. Das klingt erst einmal nicht so passend für Shadowrun, aber bei genauerem Hinsehen sind sich Spione und Shadowrunner doch sehr ähnlich und was dem einen hilft, kann für den anderen ebenso hilfreich sein. Dementsprechend neugierig wirft man natürlich einen Blick ins wie immer handwerklich gut gebundene Buch mit Lesebändchen.

Bevor man sich einloggt begrüßt ein detailliertes Inhaltsverzeichnis mit vielen Unterpunkten und natürlich das Impressum.
In der Einleitung werden die Runner und die Spione von FastJack willkommen geheißen und über den Inhalt, den Aufbau und den an der Datei beteiligten aufgeklärt.
Direkt im Anschluss entführen uns einige Experten nach Denver, der wahrscheinlich politischsten Stadt der sechsten Welt, in der Politiker, ein Drache, verschiedene Verbrechersyndikate und vor allen Dingen einige Regierungen um die Vorherrschaft kämpfen. Die ersten 100 Seiten befassen sich mit der Stadt selbst, berichten über Denvers Geschichte und der aktuellen Olympia Erfahrung und bieten dem Leser darüber hinaus viele Informationen zu den Hauptakteuren in der Stadt beziehungsweise in den einzelnen Sektoren. Wer bisher keine Ahnung von Denver hatte, der ist nach der Lektüre auf dem neuesten Stand, hat aber eigentlich bisher noch nicht viel über das Handwerk des Spions gelernt.
Nach Denver werden sechs weitere hochpolitische Städte in Kurzform beschrieben, inklusive der einen oder anderen Abenteueridee. Neben Brüssel sind das unter anderem auch London, Nairobi und Tel Aviv. Es ist also nicht nur für Amerika gesorgt, sondern auch für andere Kontinente.
Auf den nächsten knapp 30 Seiten folgen endlich Informationen zur Spionage. Hier finden sich Insidertipps zur Rekrutierung, den wichtigsten Geheimdiensten und natürlich einige Kniffe der Spionage und Spionageabwehr für zukünftige Spione. Den Abschluss bildet hier die extraplanare Spionage, die ihr kleines aber feines Extrakapitel wirklich verdient hat. Insgesamt ist dieser Teil des Buches, immerhin der namensgebende Teil, etwas zu kurz geraten und irgendwie wäre der Titel "Denver - Stadt der Spione" passender gewesen. Dennoch ist der Handbuch-Bereich gelungen und macht Lust auf Spionage-Abenteuer.

Wie man es von Pegasus Press kennt, finden sich in den Übersetzungen meistens auch noch Inhalte zu den deutschen Schatten. In diesem Fall sind es Licht und Schatten der Stadt Hannover. Auch hier wird das Augenmerk auf die Politik und die Spionage gelegt und weniger auf die Schattengemeinde. Hannover als Hauptstadt der ADL hat einiges zu bieten und wem der kurze Abschnitt noch nicht ausreicht, der darf sich gerne das kostenlose Ergänzungs-PDF von Pegasus Press herunterladen.

Bisher bestand das Buch nur aus tatsächlichen Informationen, die ihren Ursprung in der sechsten Welt selbst haben. Das folgende Kapitel wird etwas zeitnaher und vermischt Agentenausrüstung mit Beschreibungen aus erster Hand inklusive den Werten für Spieler und Spielleiter. Hier überzeugen vor allen die Ausrüstungsgegenstände zur Informationsbeschaffung und die magischen Kräfte, Zauber und Ki-Kräfte.
Für den Spielleiter finden sich im nächsten Kapitel allerlei Abenteuerideen. Die meisten führen die Runner und Spione nach Denver, aber auch die anderen vorgestellten Schauplätze erhalten einen kleinen Szenariovorschlag.

Im Anhang finden sich ein Glossar mit Begriffen der Spionagesprache und eine Zusammenstellung aller staatlicher Geheimdienste sowie aller Konzerngeheimdienste - kurz und knapp. Zum Abschluss gibt es alles auf einem Blick für den Spielleiter - ein gelungenes Ende.

So viel man sich über den Inhalt des Buches und die Fixierung auf Denver vielleicht ärgern kann, wirklich Negatives gibt es eigentlich nicht zu sagen. Handwerklich überzeugt das Buch komplett: keine Rechtschreib- oder Layoutfehler, gute Bindung und vor allen Dingen toll geschrieben. Man wird beim Lesen unterhalten und das ist viel Wert bei einem Buch, das hauptsächlich als Reiseführer angesehen werden kann. Die Schauplätze und die Bewohner erwachen tatsächlich zum Leben und man will lieber früher als später in die Schatten Denvers abtauchen und die neugelernten Tipps aus dem Handbuch für Spione ausprobieren. Mehr vom Letzteren wäre besser gewesen und hätte den Titel des Buches auch gerechtfertigt. So ist es ein gutes Denver in den Schatten-Buch.

Fazit: Machtspiele – Das Handbuch für Spione ist viel eher ein Denver-Buch mit zusätzlichen Informationen zur Spionagearbeit als ein reines Spionagehandbuch. Ob das gut ist, müssen Spieler und Spielleiter selbst entscheiden. Der Inhalt und das Buch sind wie immer von hoher Qualität. Denver und Hannover werden als Schauplatz sehr gut beschrieben und die Tipps zur Spionage werden gelungen transportiert. Alles in allem ein gutes Buch, das einfach nur den falschen Titel trägt.




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