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Rhein-Ruhr Megaplex
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 29.04.2012, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Tobias Hamelmann u.a., Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 200, Erschienen: 2011, Preis: 29,95 €


Cyberpunk, jenes dystopische Genre aus den 1980ern, in dem eine düstere Welt voller Gewalt, einer großen Kluft zwischen Arm und Reich, sowie dem alles sehenden Auge der Konzerne, den neuen Regierungen, vorherrscht. Diese Art der Welt wurde in vielen Filmen, vielen Büchern und Spielen verwendet und fortentwickelt. Ein wichtiger Handlungsort sind dabei immer die Städte der jeweiligen fiktiven Welt, denn Landbevölkerung und Dörfer sucht man dort nahezu vergeblich. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, dass sich gerade die Städtebeschreibungen der verschiedenen Rollenspiele so gut verkaufen und dass es davon so viele gibt.

Für das Cyberpunk-Fantasy Rollenspiel Shadowrun sind bereits einige Quellenbücher erschienen, allen voran die Seattle-Quellenbücher, gilt Seattle doch als die Shadowrun-Stadt schlechthin. Durch den deutschen Lizenznehmer Pegasus Spiele rücken für die deutschen Spieler aber immer mehr deutsche Städte in den Fokus und nachdem unsere Hauptstadt zuletzt ein Quellenbuch erhalten hat, darf der größte Sprawl der deutschen Shadowrun-Welt, der Rhein-Ruhr Megaplex, natürlich nicht unerwähnt bleiben. Genau unter diesem Titel ist nun auch das Quellenbuch für Shadowrun 4 unter der Federführung Tobias Hamelmanns erschienen.

Der Rhein-Ruhr Megaplex umfasst ein riesiges Gebiet, das sich von Ost nach West von Unna nach Mönchengladbach und von Nord nach Süd von Wesel bis Bonn erstreckt und das in seiner Mitte die Privatstadt des größten Konzerns der Welt, Saeder-Krupp, mit dem Drachen Lowfyr an dessen Spitze, beherbergt. Von Konzernstädten mit Elfenbeintürmen bis zu den dreckigsten Slums der ADL, das alles ist dort zu finden und entspricht quasi genau dem Bild, das von einer Cyberpunkstadt zu erwarten ist.

Das 200 Seiten starke Buch begrüßt den Leser mit einer lächelnden Saeder-Krupp Elfe und einem finster blickenden Ork. Wie man es von Pegasus Spiele gewohnt ist, hält man ein stabiles Hardcoverbuch mit Lesebändchen in den Händen, das so schnell nicht auseinander fallen wird. Nach dem Einloggen stimmt eine Kurzgeschichte auf das Leben im Sprawl ein. Davon gibt es mehrere und alle sind passend zum Kapitel, dem sie voran stehen, gewählt und stimmig verfasst.
Im ersten Kapitel dreht sich alles um die Geschichte, den Aufbau und das Bewegen im Megaplex. Neben einer Übersichtskarte finden sich hier auch Werbung und Kurznachrichten mit Tipps für Runner. Weitere solcher Kommentare finden sich natürlich vor, zwischen und nach Einträgen, aber die Kurznachrichten sind doch etwas hervorgehoben und eignen sich als Abenteueraufhänger.
Im zweiten Kapitel, "Rundflug", findet genau das statt: ein Rundflug über die einzelnen Regionen und Städte des Plexes. Vorgestellt werden hier alle Regionen und Städte, in die ein Runner stolpern könnte, gut gewürzt mit vielen zusätzlichen Informationen zu Lokalitäten, bekannten Namen und jeder Menge Tipps zum Überleben.
Im dritten Kapitel wird ein Blick auf die Kultur des Plexes geworfen. Hier wird sowohl auf den Konflikt zwischen Rheinis und Ruhris, also zwischen Rheinländern und Ruhrpöttlern, eingegangen als auch auf das Leben auf Halden, in Prominentenvierteln, in Luxusapartments und, nicht zu vergessen, natürlich auf der Plex-Bewohner liebste Hobbys: Fußball, Schrebergärten und Autos.
"Essen und Saeder-Krupp" ist das Thema, auf das alle gewartet haben und genau darum geht es im vierten Kapitel. Beschrieben wird der Alltag der Essener, der Konzernaufbau, mit einigen Insiderinformationen, die Macht des Konzerns und die Enklave Essen. Detailliert und informativ für alle Runner und politisch interessierten, die sich schon immer mit einem Drachen messen wollten. Mitten drin in diesem Kapitel hat sich Saeder-Krupp etwas Tolles für Runner einfallen lassen. Eine eigens für diese Besuchergruppe erstellte Werbebroschüre. Neben der Verdeutlichung, dass ein Angriff zwecklos ist, werden den Runnern auch gleich noch Jobs angeboten. Dieser Teil springt aber nicht nur aufgrund des Inhalts sondern auch aufgrund der Farbe ins Auge, denn hierbei handelt es sich um den einzigen farbig gestalteten Teil des Buches.
Im folgenden Kapitel widmen sich die Runnerkollegen den anderen Mächten im Pott. Neben weiteren Konzernen, insbesondere den japanischen, die sich in und um Düsseldorf herum ausgebreitet haben, geht es in diesem Kapitel auch um die Parteien, die Arbeiterklasse, die Polizei und das organisierte Verbrechen im großen, also Syndikate, und im kleinen Stil, den Gangs.
Das letzte Kapitel widmet sich den Brennpunkten des Plexes. Nicht alles ist so schön wie Essen oder nur düster wie Gelsenkirchen, es geht auch ganz anders. Für Runner finden sich hier jede Menge Lokalitäten zum Ausruhen und Unterkriechen, aber auch zum Rauslassen von Frust und auch jene, die man besser meidet. Darüber hinaus gibt es hier auch einige urbane Mythen und Beschreibungen vom Leben in Brennpunkten.
Es folgt die obligatorischen Spielinformationen, welche die vorgestellten Dinge mit Werten versehen und für Spieler und Spielleiter aufarbeiten. Neben Lokalitäten mit Plänen und Beispielcharakteren mit Werten wird dem Spielleiter hier auch Material für eine Kampagne im Rhein-Ruhr Megaplex bereitgestellt. Kurz und knackig aber dennoch durchdacht und absolut spielbar.

Rhein-Ruhr Megaplex ist der Plex den man im Kopf hat, wenn man an Cyberpunkstädte denkt. Elfenbeintürme mit hochrangigen Konzernangestellten, Arbeitersiedlungen und düstere Schatten mit Gefahren für Leib und Seele treffen aufeinander und bieten ein dystopisches Szenario, das im Deutschland des Jahres 2072 seinesgleichen sucht. Der Band ist unterhaltsam geschrieben mit vielen Zusatzinformationen und einer tollen Ausstattung mit vielen Bildern und Plänen, sowie einer kleinen Kampagne. Dazu ist es noch ein handwerklich gelungenes Buch mit dem gewohnt gelungenen Lektorat. Pegasus Spiele as its best.

Fazit: Rhein-Ruhr Megaplex ist die neue Spielwiese für Runner. Alle Facetten des Cyberpunkgenres finden sich in diesem Plex wieder, ohne dabei den Charme Shadowruns zu vergessen. Von Drache bis Bergmann, von Edelviertel bis Slum, von weißer Weste bis bestechlicher Politiker, all das und mehr kann man im Rhein-Ruhr Megaplex finden und beim Lesen des Quellenbuches noch dazu viel Spaß haben.




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