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Neonomicon
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 19.03.2012, Serie: Comics, Autor(en): Alan Moore und Jacen Burrows, Verlag: Panini Verlags GmbH, Seiten: 144, Erschienen: 2011, Preis: 16,95 Eur


Howard Phillips Lovecraft, kaum ein anderer Autor hat so viele Nachahmer und so viele Autoren beeinflusst wie er. Zum Einen geschah und geschieht dies aufgrund seiner gelungenen Horrorgeschichten, die den Mythos um die Großen Alten und Cthulhu, dem Gott der im Pazifik schläft und eines Tages erwachen wird, um die Seelen aller Menschen zu verschlingen zum Inhalt haben, zum Anderen aber auch, weil er andere Autoren aufforderte seine Werk zu verwenden und die Geschichte weiter zuschreiben, was viele Autoren und Künstler anspornte.

Neben seinen eigenen Büchern, erschienen in den Jahren nach seinem Tod 1937 weitere Bücher über den Mythos, aber auch Filme, Computerspiele, Rollenspiele und Brettspiele, die sich dem Thema und auch Lovecraft selbst widmeten. Alan Moore, selbst ein großer Fan Lovecrafts und Begründer und Hauptvertreter der anspruchsvollen Graphic Novel, als Autor, und Jacen Burrows, der schon zuvor mit Moore zusammengearbeitet hat, als Zeichner, haben sich zusammengetan und eine Graphic Novel zu Ehren Lovecrafts erschaffen, in der sie, laut eigener Aussagen, aus dessen blasphemischen Riten das machen, was damit immer gemeint war, nämlich Sex mit großen schleimigen Monstern. Entstanden ist die broschierte Graphic Novel Neonomicon, die man auch als "Das Monster im Pool" bezeichnen könnte, und die in Deutschland bei Panini Comics in der Übersetzung erschienen ist.

Neonomicon erzählt in vier Teilen die Geschichte zweier FBI Agenten im Sog des Mythos. Den Anfang macht der rassistische Agent Sax, der einer Reihe von Ritualmorden auf der Spur ist, die ihn nicht nur in Kontakt zu Drogen sondern auch in Kontakt mit dem König in Gelb (bekannt aus Robert W. Chambers gleichnamigen Kurzgeschichten) bringen und ihn deswegen für immer verändern sollen. Auf dem Weg zur Veränderung trifft Sax immer wieder auf Dinge, die Lovecraft in seinen Geschichten untergebracht hat, und die im Comic selbst geschickt verpackt wurden und zu dem einen oder anderen Aha-Erlebnis führen.
Im zweiten Teil wird die Agentin Merril Brears, eine Lovecraft-Expertin, vorgestellt. Sie muss die verlorene Spur aufnehmen und sich nicht nur mit Sax beschäftigen, sondern auch noch in einem Kult selbst ermitteln. Einem Kult, der sich den Deep Ones verschrieben hat und deren Mitglieder regelmäßig mit einem Vertreter dieser Art Verkehr haben. Da kommt Brears abklingende Sexsucht alles andere als passend und das ganze hat kein gutes Ende, nicht für Brears und nicht für die Menschheit. Schatten über Innsmouth in einer neuen Verpackung.

Das Versprechen Lovecrafts Riten durch Sex mit großen, schleimigen Monstern zu ersetzen, wird erfüllt und verändert die Geschichten um den Mythos und seine Vertreter doch sehr. Beide Protagonisten erleben Dinge, die man niemandem wünscht und doch scheinen sie seltsam zufrieden zu sein, was natürlich dem Wahnsinn zu verdanken ist, den der Kontakt zum Mythos mit sich bringt. Dementsprechend nachvollziehbar ist die Entwicklung der Protagonisten.
Die Story selbst ist düster und die Dialoge alleine nicht unbedingt jugendfrei. Die Bilder dazu, sorgen dafür, dass die Graphic Novel erst für Leser ab 18 Jahren empfohlen wurde. Sex steht im zweiten Teil des Comics im Vordergrund und wird oft mehr als deutlich in den Zeichnungen dargestellt, ohne jedoch zu viel zu zeigen. Vom Pornocomic sind wir zum Glück also deutlich entfernt und doch ist immer klar und deutlich, vielleicht auch etwas zu deutlich, was gerade passiert. Neben den Zeichnungen, die sich explizit mit Sex beschäftigen gibt es natürlich auch noch Zeichnungen, die die Story als solche illustrieren. Düster, wie die Story, und doch auch vereinzelt farbenfroh, sind die Bilder nicht nur ansprechend sondern auch stimmig. Sie erzählen die Geschichte auch ohne Texte und Sprechblasen nahezu perfekt und sind oftmals sogar aussagekräftiger als der dazugehörige Text, insbesondere, wenn es um den entstehenden Wahnsinn und die Entwicklung der Protagonisten geht. Neonomicon schafft es, die Geschichten Lovecrafts in einer Geschichte zu vermischen und trotzdem etwas Neues daraus zu machen. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten.

Fazit: Neonomicon ist eine gelungene Umsetzung der Mythosgeschichten Lovecrafts und Robert W. Chambers im Graphic Novel-Format. Anstelle von düsteren Riten spielt allerdings Sex eine Hauptrolle und das muss nicht unbedingt jedem gefallen. Zwei FBI-Agenten werden in diese Riten hineingezogen und verfallen dem Wahnsinn aus unterschiedlichen Gründen. Neben den Texten und Sprechblasen, sorgt dabei vor allen Dingen der grafische Anteil von Jacen Burrows für ein Gelingen der Geschichte aus der Feder von Alan Moore.




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