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Punktown 3
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 08.03.2012, Serie: Auditorium, Autor(en): Jeffrey Thomas, Verlag: Audible GmbH, Seiten: , Erschienen: 2009, Preis: 14,95 € (9,95 € im Abo)


Paxton, oder Punktown wie die meisten Einwohner nennen, ist ein Moloch. Die von Jeffrey Thomas erschaffene Stadt korrumpiert ihre Einwohner, bis sie sich ihrem Schicksal ergeben. In ihr geschehen die abscheulichsten Taten menschlicher oder fast menschlicher Zivilisation, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, oder was wahrscheinlicher ist, einfach von dieser ignoriert.

Die Kurzgeschichtensammlung Punktown wurde für die Hörspielfassung in drei Teile aufgesplittet. Dabei ist es völlig egal in welcher Reihenfolge man diese hört, denn die Geschichten sind völlig unabhängig voneinander.

Der dritte Teil beinhaltet folgende Geschichten:

In "Tanz des Ugghiutu" trifft eine Bühnenbildnerin des alternativen Künstlermilieus auf eine Tänzerin, deren Kultur am ehesten mit der indischen vergleichbar ist. Beide Frauen wollen in einem verfallenen Gebäude eine außergewöhnliche Performance aufführen, den Tanz des Ugghiutu. Während der Vorstellung richtet ein Attentäter ein Blutbad an und der Hörer erfährt im Anschluss, wie dazu kommen konnte.
Die Geschichte treibt recht ruhig dahin. Gerade diese Ruhe bringt aber das Grauen, denn der Hörer kennt bereits den Ausgang, nämlich den Tot der Tänzerin, und geht gemeinsam mit der Erzählerin Schritt für Schritt dem Unausweichlichen entgegen. Fans von Lovecraft, werden hieran besonders Gefallen finden.

"Wakizashi" handelt von einem nichtmenschlichen Botschafter, der eigentlich nur eine schleimige Masse in einem Metallzylinder ist. Dieser ist allerdings für eine Reihe perfiderer Morde verantwortlich, die er mit Ausübung seiner religiösen Freiheit rechtfertig und dabei auch noch Recht bekommt.
Um im Sinne der Religion des Botschafters nicht unrein zu werden, muss dieser in regelmäßigen Abständen morden. Um die politischen Beziehungen nicht zu gefährden, werden zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen gesucht, die sich für eine finanzielle Abfindung freiwillig opfern.
Die Geschichte ist die beste der drei, gerade weil sie sehr bitter, bizarr und überraschend ist. Jeffrey Thomas spielt all seine Trümpfe aus: Das faszinierend Unbekannte, die absolute Grauen und die unerwarteten Wendungen – herrlich schrecklich inszeniert!

In "Zeit der Häutung" lässt sich eine Frau die Erinnerungen an ihren Mann entfernen. Doch nach einiger Zeit zweifelt sie an ihrer Entscheidung. Sie kann sich einfach nicht mehr vorstellen, warum sie so etwas hat machen lassen und drängt darauf hin, mehr über die Umstände herauszufinden. Doch ihre Schwester versucht sie daran zu hindern, ohne preiszugeben, warum. Was hat der seltsam charmante Mann damit zu tun, der sie in letzter Zeit öfters auf der Arbeit besucht?
Auch diese Geschichte hat durchaus ihre Reize. Zwar erfährt der Hörer eigentlich fast keinen Horror, kann sich aber gut in die Protagonistin hineinversetzen.

Prinzipiell ist die gesamte Hörspielreihe ebenso faszinierend, wie das Buch. Die Audioversion wurde mit viel Feingefühl umgesetzt und bringt den Hörer diese verderbte Stadt noch intensiver nahe. Einziger Makel ist die Schwankung in der Lautstärke, was besonders beim Autofahren ein wenig stört.

Fazit: Punktown spielt in einer Zukunft der Menschheit, die gar nicht so weit von unseren derzeitigen Lebensumständen entfernt ist. Doch Thomas treibt die Geschehnisse durch die Verflechtung von Science-Fiction und Horror auf die Spitze. Auch die Umsetzung in Form eines Hörspiels weiß zu begeistern. Unbedingt empfehlenswert!




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