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SteamNoir - Das Kupferherz 1
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 20.12.2011, Serie: Comics, Autor(en): Felix Mertikat, Benjamin Schreuder, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 64, Erschienen: 2011, Preis: 16,80 Eur


Mit Steam Noir erscheint eine neue Serie des deutschen Autors Benjamin Schreuder in der Comic-Schmiede Cross Cult. Und "Schmiede" tritt es auf dem Kopf, denn die Welt dieser Reihe ist Steam pur.

"Landsberg" heißt die bekannte Welt – ein Haufen Inseln, die im Äther treiben und mit Stahlkonstruktionen zusammengehalten werden, in denen die Arbeiter leben, die sie bauten und in Schuss halten. Die Zeit ist völlig unbekannt und spielt auch keine Rolle – dem Leser erscheint es aber, als wäre die Industrielle Revolution niemals fortgeschritten, sondern wäre stattdessen mutiert. Edle Gentlemen mit Stehkragen, Zylinder und Taschenuhr in dampfgetriebenen Kutschen, Robotermenschen und eine Toteninsel, die ab und an ein wenig zu nah an die Welt der Lebenden im Äther herantreibt – Jules Verne meets Edgar Alan Poe – willkommen bei Steam Noir!

Wir begleiten Heinrich Lerchenwald vom Leonardsbund bei seiner Arbeit. Heinrich ist Bizarromant und als solcher mit der Aufgabe betraut, mit Hilfe obskurer Gerätschaften Seelen zu finden, die sich ihren Weg zurück zu den Lebenden gebahnt haben.
Er wird mit einem sehr speziellen Fall zugeteilt: Die Leiche eines Kindes wurde von einer Seele aus ihrem Grab entrissen und verschleppt. Also gilt es in der bizarren Welt zu ermitteln, wo sich diese Seele versteckt, und herauszufinden, was sie überhaupt von der Leiche wollte. Zu Seite steht Heinrich sein Kollege Hirschmann, eine Mischung aus Mensch und Maschine – oder vielleicht auch nur eine Maschine. So recht lässt sich das nicht erahnen.

Der Weg führt beide in die überfluteten Teile der Transitstadt Januskoogen, die in ihren bizarren Ausmaßen die übrige Welt noch übertrifft. Dort erfährt der Leser mehr über die Hintergründe der Seelenwanderungen und vor allem warum es so gefährlich ist, sich mit ihnen einzulassen.

So richtig schlau wird der Leser im ersten Band insgesamt nicht. Er ist eigentlich nur die Vorbereitung zu etwas Größerem. Man beobachtet Heinrich bei seinem Tagwerk und kommt sich eigentlich nur vor, wie ein Kind vom Lande, das zum ersten Mal Paris sieht. Irgendjemand führt durch diese faszinierende Stadt und man selbst kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Ganz egal, wohin es geht, zeig mir bitte mehr!

Somit ist Band eins eigentlich nur eine Einführung in die Welt, die erst mal beschrieben werden möchte. Und kaum ist man in diese bizarre Umgebung eingetaucht, ist das Buch auch schon zu Ende. Fans von Steampunk-Rollenspielen werden ihre helle Freude haben, denn die Welt von Steam Noir ist genau das, was der Titel verspricht: düster, industriell und äußerst mysteriös.

In seiner Verarbeitung überzeugt der Verlag wie immer auf ganzer Linie. In seinem breiten DinA4-Fomat ist das Buch nahezu Splitter’esk. Der Druck ist sauber und so kann Steam Noir die ganz große Partitur der Sepiatöne spielen.

Fazit: Wäre dies ein Rollenspiel, ich würde es kaufen und verschlingen. So bleibt mir aber nur hippelig zu warten, bis der zweite Band erscheint. Diese skurrile Welt will erkundet werden, und wenn die nächste Kutsche fährt, dann solltet Ihr besser aufspringen und mit dem nächsten Schiff im Äther übersetzen. Nehmt Euch ein Zimmer auf Landsberg und atmet den Kohlesmog tief ein – denn hier wird Großes passieren! Daumen hoch, das Buch gefällt, ach was: es begeistert, obwohl doch eigentlich kaum was passiert.




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