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Maskenspiele und Kabale
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 19.12.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Chris Gosse, Tilman Hakenberg, Martin John, Matthias Klahn, Stefan Reichardt, Alex Spohr, Torben Stretz, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 88, Erschienen: 2011, Preis: 20,00 Euro


Das Horasreich ist in der Welt des Schwarzen Auges ein Synonym für ein Land voller Ränke, hintergründiger Intrigen und politischer Winkelzüge. Italienische Stadtstaaten der Renaissance oder auch den französischen Königshof in seiner Blütephase standen Pate. Die Abenteuersammlung Maskenspiele und Kabale soll diese Atmosphäre für DSA-Spieler zum Leben erwecken, wie schon der Titel verrät.
Sie ist als Ergänzung der Regionalspielhilfe Reich des Horas gedacht. Allerdings bekommt lediglich in zwei der vier Abenteuer das Intrigen-Thema eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich mit "Ein Spiel um Macht und Liebe" und "Rollende Würfel, doppeltes Spiel" auch um die gelungensten Beiträge des Bands.

Vor allem "Ein Spiel um Macht und Liebe" hat das Zeug zu einem spannenden Schlagabtausch, bei dem es mehr auf geschicktes Taktieren und politische Einflussnahme als auf Schwerter und Zaubersprüche ankommt. Die Spieler erhalten die Gelegenheit, in Belhanka in die Stadtratswahl einzugreifen. Nach einem klassischen Auftakt im Kampf gegen Räuber finden die Helden sich als politische Berater und Leibwächter wieder, die zugleich auf die Spuren derjenigen kommen müssen, die ihrem Auftraggeber ans Leder wollen.
Das kann wahlweise über Rollenspiel oder Einsatz von sozialen, künstlerischen oder Wissens-Talenten abgewickelt werden. Zwischendurch darf es auch einmal eine Schlägerei sein, aber in erster Linie geht es um das gesellschaftliche und politische Agieren der Helden.

Schließlich kommt die zweite Spezialität der Horasier neben der Politik ins Spiel: die höfische Verführungskunst. Die Helden müssen im Dienst der Liebesgöttin Rahja ein Paar zusammenbringen. Ihren Höhepunkt findet die Handlung - wie könnte es anders sein - auf einem Maskenball, an dessen Ende auch die Waffenträger Einsatz zeigen dürfen.

"Rollende Würfel, doppeltes Spiel" ist eines der ungewöhnlichsten DSA-Abenteuer der vergangenen Jahre. Nach einer kleinen Vorgeschichte und einem entspannten abendlichen Fest, bei dem es einige aventurische Partyspiele zu meistern gibt, werden die Helden plötzlich körperlich in ein magisches Brettspiel hineingezogen.

Zwar wirkt die Intrigen-Rahmenhandlung, die zu diesem Ziel führt, ein wenig konstruiert, aber die Idee des "Spiels im Spiel" ist äußerst reizvoll, wenn die Spieler sich darauf einlassen möchten. Sie müssen nämlich auf sehr grob geschnitzte Charaktere umsteigen, die in einigen Punkten an die Anfangstage von DSA erinnern.
Mit ihnen geht es auf ein Spielbrett, das ein wenig an das Gesellschaftsspiel "Das verrückte Labyrinth" erinnert und sich auch ähnlich verhält. Darin gilt es, zahlreiche Standardsituationen zu überstehen, die vor allem aus älteren Rollenspiel-Zeiten bekannt sind. Am Ende winkt die Freiheit, in die aber auch ein mächtiger Gegner vom Spielbrett folgt.

"Tyrann der Tiefe" passt nicht ganz in das Intrigen-Thema des Abenteuerbands. Zwar bildet der Versuch, einen Wettkampf durch Tricks zu manipulieren, den Hintergrund der Geschichte. Die Helden selbst werden aber kaum mit Kabalen konfrontiert. Vielmehr kämpfen sie sich durch ein sehr abwechslungsreiches Abenteuer auf der Zyklopeninsel Phrygaios, das natürlich Seereisen und ein paar Kampf-Einlagen, aber auch Rätselraten, Kniffelei und sogar Schul-Mathematik der leicht gehobenen Art verlangt. Zur Belohnung bekommt man es mit einem Gegner zu tun, der sich deutlich von den üblichen magischen, monströsen oder schurkischen Bedrohungen unterscheidet.

Das vierte Abenteuer, "Goldfieber", wäre an sich ein schöner Beitrag zur Entwicklung im aventurischen Praios-Kult. Allerdings krankt die Geschichte daran, dass die Autoren offenbar zu viel hineinpacken wollten. Im Wesentlichen geht es um die Suche nach der sagenhaften "Stadt der Sonne", die die Helden auf einer Art Informations-Schnitzeljagd bis in die Wüste Khom führt und dort ein unerwartetes Ergebnis erbringt.

Allerdings wird der Bogen von den Hochelfen über Konflikte im almadisch-liebenfeldischen Grenzland bis zum den Umbrüchen in der Praioskirche geschlagen. Ein halbes Dutzend Schauplätze sollen bespielt werden und zu allem Überfluss gibt es noch Variationen für drei verschiedene mögliche Auftraggeber der Helden. Das alles keineswegs in einem allein stehenden Abenteuerband, sondern im knappen Anthologien-Format. Hier wäre etwas weniger Handlung mehr gewesen.

Optisch ist Maskenspiele und Kabale sehr ansprechend gemacht. Das Titelbild zieht den Betrachter direkt in einen nur scheinbar unbeschwerten Maskenball hinein. Auch die Innenillustrationen sind sehr gelungen, wobei auch hier "Ein Spiel um Macht und Liebe" mit den Arbeiten von Lydia Schuchmann die Nase vorn hat.

Fazit: "Ein Spiel um Macht und Liebe" lässt die Stimmung des Horasreiches sehr eingängig lebendig werden. "Rollende Würfel, doppeltes Spiel" besticht durch seinen ungewöhnlichen Perspektivwechsel. "Tyrann der Tiefe" ist ein solides, abwechslungsreiches Abenteuer, während "Goldfieber" unter seiner Überfrachtung leidet.




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