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Von Philipp Kiefner
Rezension erschienen: 19.06.2012, Serie: Belletristik, Autor(en): Alma Alexander, Verlag: Bastei-Lübbe GmbH & Co.KG, Seiten: 402, Erschienen: 2011, Preis: 14,00 Eur
Die Lage ist verzweifelt. König und General sind gefallen, der Krieg scheint verloren. Doch dann taucht überraschend Sif, der Bastardsohn des Herrschers auf, übernimmt die Heerführung und das Schlachtenglück wendet sich. Nun herrscht in der Hauptstadt Panik und helle Aufregung. Wird es zum Kampf um die Herrschaft zwischen dem jungen Kriegshelden und der Königin kommen? Letztere, gesegnet von der Gabe der Vorhersehung, bangt um ihre junge Tochter und rechtmäßige Thronfolgerin Anghara. Deshalb schickt sie das Mädchen auf eine verzweifelte Flucht in die scheinbare Sicherheit eines neuen Lebens unter falschem Namen. Aber werden die Vorkehrungen der sorgenden Mutter genügen um ihr Kind vor den Schergen des Usurpators zu retten?
Im Klappentext wird der Roman Die verborgene Königin von Alma Alexander als "eine fesselnde Geschichte, die den Leser in eine reich detaillierte Welt hineinzieht" beworben. Davon ist das Buch jedoch weit entfernt. Die Handlung plätschert vor sich hin und scheinbar endlos reihen sich bedeutungslose Ereignisse aneinander. Ein Gefühl von Spannung und Gefahr kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Zu dieser Tristesse trägt viel der distanziert wirkende und sehr deskriptive Schreibstil bei. Dialoge sind eher die Ausnahme und wenn doch, dann wirkt es hölzern und aufgesetzt. Der Satzbau ist einfach gehalten und mit einer geringen sprachlichen Vielfalt gesegnet, was dazu führt, dass Land und Leute leblos und flach bleiben. Auch über die Charakterdarstellung gibt es wenig Gutes zu berichten. Sif, als angedachter Bösewicht, versinkt in der Bedeutungslosigkeit der wenigen Zeilen, die ihm auf den insgesamt 402 Seiten zugestanden werden. Seine Motive bleiben vage und auch die ihm zugeschriebenen Grausamkeiten wirken einfallslos und uninspiriert. Als Bösewicht versagt er völlig. Aber auch die Figur der Anghara bleibt nebulös, da es sehr schwer fällt einen Bezug zu ihr herzustellen. Grund hierfür ist die Unart der Autorin bei entscheidenden Stellen, wie beispielsweise der Schilderung der entbehrungsreichen Reise durch die Steinwüste, in die Erzählerperspektive zu verfallen, die leider nur allzu oft ins Pathetische abgleitet. Formulierungen wie auf Seite 279: "Die Kar’i’id fand Stahl in einer Seele oder zerstörte sie vollkommen – die Steinwüste kannte keine Grauzone" wirken kitschig und haben so gar nichts mit der Gedankenwelt einer 14-Jährigen zu tun. Leider hat Alma Alexander auch kein glückliches Händchen was den Spannungsbogen angeht. So wird das Ende von March, dem letzten Getreuen der Königin und Beschützerin von Anghara, lapidar auf einer halben Seite abgehakt. Ähnliches gilt für die Figuren Morgan und Ansen.
Die Geschichte, welche in Die verborgene Königin erzählt wird, hätte Potential gehabt, doch die Autorin übersieht konsequent alle handlungsimmanente Konflikte. Zuvorderst wäre hier wohl die Frage der Legitimation von Sif und Anghara nennen. Sif, als Erstgeborener, rettet das Reich durch seine geschickte Schlachtenführung vor dem Untergang. Er hat die Loyalität des Militärs und auch im Kronrat unterstützen ihn viele. Ihm gegenüber steht die gerade einmal neun Jahre alte Anghara, die nur durch einen Trick ihrer Mutter zur Thronfolgerin wird, jedoch im Gegensatz zu ihrem Halbbruder über die Gabe der Vorsehung verfügt. Tatsächlich ringen also Wunderwirkende gegen Unbegabte, ein Spannungsbogen, der sicher auch in der Bevölkerung seine Entsprechung haben dürfte, jedoch im Roman keine Beachtung erfährt. Ein zweiter, wichtiger Punkt stellt das Zeitparadoxon von Zukunftsprophezeiungen dar. Wenn man um das Morgen weiß, können dann Handlungen den Lauf der Geschichte ändern oder nicht? Auch hierzu gibt es in diesem Roman keine Antworten. Für manche ein Zeichen von Kreativität, für andere jedoch ein Ärgernis stellt der Versuche der Autorin dar, Atmosphäre durch die Verwendung von Begriffen einer Kunstsprache zu generieren. Zwar werden sie in einem Glossar erklärt, jedoch kann dieser Kunstgriff die stilistischen Mängel nicht übertünchen, so dass dies mehr den Lesefluss stört als wirklich Stimmung zu erzeugen. Glücklicherweise warnt bereits das nichts sagende Titelbild eines gelockten Mädchens in einer Schnürlederweste vor einem Gesträuch hinreichend vor dem gleichsamen Inhalt.
Fazit: Die verborgene Königin ist nur der erste Teil der Handlung, welche mit dem Roman Die Rückkehr der Königin ihren Abschluss findet. Da man sich jedoch den ersten Teil getrost sparen kann und es im Genre nicht an wirklich guten Publikationen mangelt, kann man sein Geld besser anlegen.
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