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Troyes (2.Auflage)
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 27.09.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2011, Preis: 35,00


Mit Troyes kommt ein Spiel daher, das im Frankreich des 12. bis. 16. Jahrhunderts angesiedelt ist – mit düsterem Erscheinungsbild und jeder Menge Würfeln. Aber auch mit großem Spielplan, einigen Karten und vielen Holzfiguren und -klötzchen. Die Spieler verkörpern jeweils eine reiche Familie, welche ihren Einfluss nutzt, um die Bewohner der Stadt aus Adel, Klerus und Bürgern für ihre Zwecke einzusetzen.

Nachdem jeder Spieler das Spielmaterial seiner Farbe erhalten hat (Gefolgsleute, Klötzchen, geheime Persönlichkeitskarten), werden die Aktions- und Ereigniskarten vorbereitet, sowie die Startaufstellung festgelegt, indem die Spieler ihre Gefolgsleute auf die drei Hauptgebäude Palast, Bischofssitz und Rathaus verteilen.
Zu Beginn einer Runde werden drei verschiedenfarbige Aktionskarten aufgedeckt. Dann erhalten die Spieler ein festes Einkommen und müssen die Löhne für bestimmte Gefolgsleute bezahlen.
Je nachdem, wie viele Gefolgsleute ein Spieler auf welchem Setzfeld stehen hat, nimmt er die entsprechende Anzahl Würfel an sich und würfelt diese. Dann legt er sie in seinen Stadtteil. So verfahren alle Spieler. Es wird auch einmal für den neutralen Stadtteil gewürfelt und die Würfel entsprechend platziert.
Danach werden zwei Ereignisse aufgedeckt, welche die Stadt bedrohen und die Spieler beeinflussen. Militärische Ereignisse werden mit schwarzen Würfeln ausgewürfelt und müssen von den Spielern mit Würfeln aus dem eigenen Stadtteil abgewehrt werden. Für die anderen Ereignisse müssen die Spieler meistens etwas abgeben oder entfernen.
Anschließend können die Spieler reihum verschiedene Aktionen ausführen. Dazu darf ein Spieler bis zu drei gleichfarbige Würfel nehmen. Aus dem eigenen Stadtteil sind diese immer kostenlos. Für Würfel aus einem anderen Stadtteil muss der jeweilige Spieler etwas an den Mitspieler oder an die Bank bezahlen. Mit den Würfeln kann ein Spieler entweder eine Aktionskarte aktivieren, in der Kathedrale bauen, gegen Ereignisse kämpfen, einen Gefolgsmann in einem Hauptgebäude platzieren oder Landwirtschaft betreiben. Erst wenn alle Spieler gepasst haben, ist die Runde zu Ende.
Immer wenn ein Spieler Würfel verwendet, darf er erworbene Einflusspunkte einsetzen, um entweder einen Würfel neu zu werfen, bis zu drei Würfel auf die gegenüberliegende Seite zu drehen oder einen Gefolgsmann aus dem eigenen Vorrat zu holen.
Das Spiel endet nach der Runde, in der die letzte rote Ereigniskarte aufgedeckt wurde (je nach Spielerzahl 6, 5 oder 4 Runden). Zusätzlich zu den im Spiel erworbenen Siegpunkten werden die Persönlichkeitskarten der Spieler aufgedeckt und gewertet. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt.

Die Aufmachung von Troyes ist recht düster, die Zeichnungen sind kantig. Das schreckt zunächst ab. Auch im Lauf der Zeit finden die meisten Spieler keinen großen Gefallen daran, obwohl alles mit Symbolen zweckmäßig gestaltet ist. Manchmal gibt es auch Probleme mit der Unterscheidung der Farben Gelb und Weiß. Die recht komplexe Spielanleitung und das zunächst eigenwillige Spielprinzip erleichtern ebenfalls nicht gerade den Spieleinstieg. Hat man aber erst mal ein Partie Troyes gespielt, sind die grundlegenden Spielmechanismen verstanden und lassen sich recht flüssig spielen. Dennoch sind die Möglichkeiten der Spieler enorm. Da tauchen verschiedenste Ereignisse auf, die zunächst den Spielern schaden, dann aber gewinnbringend abgewendet werden können. Was die Spieler auch tun sollten, denn die Ereignisse bleiben auch während der nächsten Runde aktiv, und neue kommen hinzu. Aktionskarten bieten die unterschiedlichsten Möglichkeiten, welche Runde für Runde durch das Aufdecken von neuen Karten mehr werden. Von den 27 unterschiedlichen Aktionskarten sind im jedem Spiel immer nur neun zufällig im Spiel, so dass hier jedes Spiel anders verläuft. Weiterhin können die Spieler an der Kathedrale bauen, Landwirtschaft betreiben oder einen Gefolgsmann auf ein Hauptgebäude setzen und damit einen anderen Gefolgsmann verdrängen. Bei all diesen Möglichkeiten dürfen die Spieler ihre Persönlichkeitskarten nicht aus dem Auge verlieren, da diese am Ende für das Erreichen bestimmter Ziele zusätzliche Siegpunkte bringen.

All dies macht Troyes zwar recht grübellastig, aber auch sehr abwechslungsreich. Das Austüfteln der Aktionen mit den Würfeln macht durchaus Spaß, wobei dadurch das Spiel recht statisch ist und es etwas an Atmosphäre mangelt. Das Thema geht dabei unter. Nicht zu verleugnen ist der Glücksanteil durch die jeweilige Kartenauswahl und natürlich durch die Würfel. Zwar können die Spieler sich Würfel bei den Mitspielern kaufen, was aber sehr teuer werden kann. Außerdem scheinen einzelne Aktionskarten, je nach Konstellation, mächtiger zu sein als andere.

Das Spiel funktioniert mit jeder Spielerzahl recht gut, wobei die Idealbesetzung drei oder vier Spieler ist. Die Spieldauer schwankt je nach Spielerzahl, Kartenauslage und Spielertyp.

Fazit: Viele Aktionsmöglichkeiten, sich immer ändernde Aktionskarten, Ereignisse und Persönlichkeiten machen Troyes zu einem sehr abwechslungsreichen und spannenden Spiel. Der Würfelmechanismus ist klug umgesetzt, und die Spieler müssen aus der jeweiligen Situation das Beste machen. Dennoch täuscht das nicht darüber hinweg, dass auch das Glück mitspielt und schon mal etwas zugunsten oder zulasten der Spieler gehen kann.




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