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K2
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 13.09.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Adam Kałuża, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2011, Preis: 29,- €


K2 – der zweithöchste Berg der Welt, gilt als einer der schwierigsten und anspruchsvollsten unter den Achttausendern. In dem Spiel von dem begeisterten Bergsteiger Adam Kałuża aus Polen, geht es darum, dass jeder Spieler mit einem Team von zwei Bergsteigern versucht den Gipfel zu erreichen und danach wieder in sichere Höhen zu gelangen.

Im ersten Spiel wählen die Spieler die "einfache" Seite des beidseitigen Spielplans. Dieser zeigt den Berg K2 und eine Route zum Gipfel mit teilweise unterschiedlichen Strecken. Die Strecken sind unterteilt in Felder, welche Seilverbindungen zu benachbarten Feldern haben, sowie gegebenenfalls einen Akklimatisierungs-Modifikator, die notwendigen Bewegungspunkte und Siegpunkte zeigen. Jeder Spieler erhält eine Spielertafel, einen Kartensatz aus 18 Karten, zwei Zelte, sowie zwei Bergsteigerpärchen, von denen jeweils eines ins Camp gestellt wird und das andere auf das unterste Wertungsfeld am Rand des Spielplans.

Von den beiden Wettersets wird im ersten Spiel die Sommervariante ausgewählt. Die entsprechenden Plättchen werden gemischt und zwei davon aufgedeckt. Ein Markierungsstein kommt auf das erste Feld des ersten Plättchens. Es zeigt das Wetter des ersten Tages. Gleichzeitig können die Spieler das Wetter der nächsten Tage sehen. Die Risikomarker werden verdeckt gemischt und drei davon offen gelegt. Jeder Spieler mischt seinen Kartensatz und zieht sechs Karten.

Zu Beginn einer Runde wählen alle Spieler gleichzeitig drei Karten aus ihrer Hand aus und legen diese verdeckt vor sich ab. Sind alle fertig, deckt jeder seine Karten auf. Nun addieren alle Spieler ihre Bewegungspunkte auf den Karten. Der Spieler mit dem höchsten Wert muss einen Risikomarker an sich nehmen.
Beginnend beim Startspieler führt jeder Spieler seine kompletten Aktionen aus. Er ordnet dazu seine drei Karten seinen beiden Bergsteigern zu. Der jeweilige Bergsteiger darf entsprechend der Bewegungspunkte vorwärts rücken. Dabei sind die notwendigen Bewegungspunkte auf den Feldern zu beachten. Außerdem gibt es je nach Höhe und Spielerzahl ein Limit, wie viele Bergsteiger gleichzeitig auf einem Feld stehen bleiben dürfen. Wählt der Spieler eine Karte mit blauem Hintergrund unter der Zahl, darf er die Akklimatisierungspunkte eines Bergsteigers erhöhen. Den Wert eines Risikomarkers muss der Spieler von den Bewegungspunkten oder von den Akklimatisierungspunkten eines Bergsteigers abziehen. Jedes Mal wenn ein Bergsteiger eine neue Höhe erreicht, wird das entsprechende Gegenstück auf der Siegpunkteleiste auf dieselbe Höhe gesetzt.
Einmal im Spiel darf jeder Bergsteiger ein Zelt aufschlagen. Das kostet ihn so viele Bewegungspunkte, wie das entsprechende Feld zeigt.

Nachdem alle Spieler ihre Aktionen ausgeführt haben, werden für jeden Bergsteiger die Akklimatisierungs-Veränderungen vorgenommen, je nach Standort und aktueller Wetterlage. Ein Zelt bietet dabei etwas Schutz. Fällt das Akklimatisierungslevel eines Bergsteigers unter 1, so ist er tot und wird aus dem Spiel entfernt.
Am Ende einer Runde wird der Startspielermarker weitergegeben, der Wettermarker eins vor versetzt, gegebenenfalls eine neue Wetterkarte aufgedeckt und die Spieler ziehen drei Karten nach.

Das Spiel endet nach dem 18. Tag. Der Spieler, der zusammen mit seinen beiden Bergsteigern die meisten Siegpunkte hat, gewinnt. Bei einem Gleichstand gewinnt derjenige, der zuerst mit einem Bergsteiger den Gipfel erreicht hatte.

Das Erklimmen des K2 klappt im Spiel - genau wie im richtigen Leben - nicht auf Anhieb. Die Spieler müssen erst mal das Zusammenspiel von Karten, Wetter und Akklimatisierung kennenlernen. Sind die Bergsteiger weiter unten noch recht frisch und tanken sogar Kraft, wird die Luft weiter oben immer dünner, so dass gutes Timing gefragt ist. Außerdem muss man immer das Wetter im Auge behalten. Gute Konzentration und vorausschauende Planung sind gefordert – wiederum genau wie bei einer echten Bergtour. Zur rechten Zeit ein Zelt aufgestellt, kann eine kleine Verschnaufpause bringen. Leider werden mit zunehmender Höhe auch die Pfade weniger zugänglich und die Bergsteiger haben immer weniger Platz. Auf dem letzten Stück dürfen diese sich sogar nur noch einzeln vorwärts bewegen. Da kann es passieren, dass kurz vor dem Gipfel ein anderer hockt und man nicht vorbei kommt und auch noch schlechtes Wetter aufzieht.
Wem das zu frustrierend ist, der muss das nächste Mal halt einfach schneller sein. Da man nicht immer genau weiß, was die Konkurrenz vorhat, kann man seine Planung (Kartenwahl) entweder vorsichtig oder riskant vornehmen. Zum Glück hat man zwei Bergsteiger, mit denen man Jonglieren kann. Aber da stellt sich die Frage, gehen beide besser gemeinsam nach oben oder nacheinander?

Wie im richtigen Leben ist es mühselig aber spannend den Gipfel zu erreichen und die Freude ist riesig, wenn man es geschafft hat. Ebenso ist es fast genauso schmerzlich und im Spiel frustrierend, wenn ein Bergsteiger stirbt. Das heißt aber noch lange nicht, dass man das Spiel verloren hat, schließlich müssen die Bergsteiger der Mitspieler auch erst mal bis zum Spielende überleben.

Nun könnte man bei dem Spiel vermuten, dass der Weg und das Vorgehen immer dasselbe ist. Tatsächlich haben die Spieler nach ein paar Partien den grundsätzlichen Dreh raus, allerdings sind die Auswahl der Karten, sowie das Wetter jedes Mal anders, so dass jede Besteigung des K2 unterschiedlich verläuft. Durch die Risikomarker und die Möglichkeit andere Bergsteiger auszubremsen herrscht auch ausreichende Interaktion zwischen den Spielern.
Sollte die einfache Seite des Spielplans zusammen mit dem Sommerwetter keine Herausforderung mehr sein, kann man übergehen mit den Winterkärtchen zu spielen oder sogar auf die schwierige Seite wechseln. Die echte Herausforderung bietet dann die schwierige Seite zusammen mit dem Winterwetter, hier geht es meistens nur noch um das nackte Überleben. So ist für lang anhaltende Abwechslung gesorgt.
Für jüngere Mitspieler oder ganz Frustrierte gibt es noch eine Familienvariante. Hier erhält jeder Spieler eine Rettungskarte mit welcher er einmal im Spiel verhindern kann, dass ein Bergsteiger stirbt. Und möchte jemand mal heimlich üben, so kann er das gerne mit der gelungen Solovariante tun.

Die Aufmachung des Spiels ist sehr gelungen, auch wenn sie erst auf den zweiten Blick gefällt. Die Felder auf dem schönen Spielplan sind vielleicht etwas zu klein geraten. Stehen mehrere Figuren auf einem Feld, können die wichtigen Werte nicht mehr abgelesen werden. Das Material ist ebenfalls von sehr guter Qualität und funktionell. Lediglich die Einlage der kompakten Schachtel ist etwas unpassend, da in die Vertiefung nicht das ganze Material hineinpasst. Außerdem fliegt dieses lose herum, da keine Abgrenzungen und keine ZIP-Tüten vorhanden sind.
Die Spielanleitung ist schlüssig, gut strukturiert und mit Beispielen versehen.
Durch die nach Spielerzahl variablen Limits pro Feld lässt sich das Spiel in jeder Besetzung sehr gut spielen, wobei es natürlich mit mehr Spielern immer mehr Spaß macht. Der einfache Einstieg, sowie die angenehme Spieldauer von ungefähr einer Stunde runden das sehr ausgewogene Bergsteigerspiel ab.

Fazit:
K2 ist ein spannendes und realistisches Kletterspiel, nicht nur für Bergsteiger. Die beiden Spielplanseiten und die verschiedenen Wettersituationen sorgen für Abwechslung und entsprechende Herausforderungen. Zwar spielt auch der Zufall etwas mit und wirft schon mal eine Planung über den Haufen, aber dann muss man sich halt auf die jeweilige Situation einstellen. Eben genauso wie bei einer echten Bergbesteigung.




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