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Herr der Ringe: Das Kartenspiel
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 11.11.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Nate French, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2011, Preis: 29,95


Der Herr der Ringe – diesen Titel kennt wohl jeder und jeder verbindet etwas damit, seien es die Bücher, die Filme oder die zahlreichen Spiele, die es dazu gibt. Das neue Kartenspiel ist etwas Besonderes. Es handelt sich um ein "Living Card Game", bei welchem zwei Spieler gemeinsam in Szenarien gegen das Spiel antreten.

Jeder der beiden Spieler wählt zunächst eines der vier vorgefertigten Spielerdecks aus. Jedes Deck ist einer bestimmten Sphäre (Führung, Wissen, Geist, Taktik) zugeordnet, bestehend aus 30 Karten und drei einzigartigen Helden. Dann entscheiden sich die Spieler für eines von drei Szenarien. Im ersten Spiel wird das mit dem niedrigsten Level gewählt. Jedes Szenario besteht aus 3 bis 4 Abenteuerkarten und einem entsprechenden Begegnungsdeck, das je nach Szenario unterschiedlich zusammengestellt wird. Die Bedrohungszähler zeigen den Grad der aktuellen Bedrohung für jeden Spieler an.
Zu Beginn jeder Runde erhalten die Helden Ressourcen, mit welchen die Spieler erst einmal Verbündeten- und Verstärkungskarten spielen können. In der Abenteuerphase müssen die Spieler festlegen, welche ihrer Charaktere sich dem Abenteuer stellen. Dann wird pro Spieler eine Bedrohungskarte aufgedeckt und in die sogenannte Aufmarschzone gelegt. Dies ist meistens ein Ort oder eine Kreatur. Nun wird der Widerstand aller Karten in der Aufmarschzone mit der Willenskraft der Karten, die sich dem Abenteuer gestellt haben, verglichen. Ist die Willenskraft größer, dürfen die Spieler entsprechend der Differenz Fortschrittsmarker auf die aktuelle Abenteuerkarte legen. Ansonsten müssen die Spieler ihren Bedrohungsgrad erhöhen. Die Spieler können nun noch einen Ort aus der Aufmarschzone neben die Abenteuerkarten legen, um zu diesem Ort zu reisen. Dann kann jeder Spieler eine Kreatur zum Kampf herausfordern. Kreaturen deren Kampfbereitschaft gleich oder niedriger dem Bedrohungsgrad der Spieler sind, greifen ebenfalls an und werden auf die Kampfzonen der Spieler verteilt.
In der Kampfphase greifen zuerst die Kreaturen an und die Spieler können mit ihren Charakteren, die sich nicht zuvor dem Abenteuer gestellt haben, verteidigen. Dann dürfen die Spieler mit ihren restlichen Charakteren die Kreaturen angreifen. Zum Schluss werden alle Karten wieder spielbereit gemacht und die Spieler erhöhen ihren Bedrohungsgrad um 1.
Ein Spieler scheidet aus, wenn er keinen Helden mehr hat, oder sein Bedrohungsgrad eine gewisse Höhe erreicht. Haben die Spieler mit mindestens einem überlebenden Helden alle Abschnitte des Abenteuers bewältigt, haben sie das Spiel gewonnen.

Die gut 30-seitige Spielanleitung ist im Ganzen gesehen sehr ausführlich und beantwortet jede Frage. Allerdings ist sie sehr umständlich geschrieben, unstrukturiert, wiederholt teilweise einzelne Beispiele ausführlich und ist somit viel zu umfangreich. Etwas nachzuschlagen ist oft unmöglich, obwohl die Antwort irgendwo in den 30 Seiten versteckt ist. Kurz: Die Anleitung schreckt ab und lässt ein sehr komplexes Spiel vermuten, welches es gar nicht ist. Der Spielablauf erschließt sich erst nach ein paar Probespielen, in denen immer wieder Fehler gemacht werden. Besser ist es, sich das Spiel erklären zu lassen.
Hat man diese Hürde überwunden, eröffnet sich den Spielern ein flüssiges und stimmungsvolles Abenteuerspiel in der Welt von Der Herr der Ringe. Jedes der vier Starterdecks hat seine Stärken, welche es gilt herauszufinden. Dabei kann es vorkommen, dass ein Deck in einem Szenario stärker ist, als in einem anderen. Es ist spannend und es macht Spaß herauszufinden, wie man die Abenteuer am besten bestehen kann. Natürlich spielt der Zufall eine große Rolle, aber das macht die einzelnen Spiele auch abwechslungsreich.

Das erste Szenario ist schnell überwunden und an dem Zweiten hat man schon etwas länger zu knabbern. Das Dritte ist dann eine echte Herausforderung, die mit den vorgefertigten Starterdecks kaum noch zu schaffen ist. Hier entfalten sich nun die Möglichkeiten des Spiels, ein eigenes schlagkräftiges und individuelles Spielerdeck aus allen Karten zusammenzustellen. Ein solches "Turnierdeck" muss aus mindestens 50 Karten und 1 bis 3 Helden bestehen.

Das Wertungssystem nach einem Sieg ist relativ sinnfrei, da es weder die Szenariostufe, noch die Spielerzahl berücksichtigt.
Da die vielen unterschiedlichen Karten individuelle Eigenschaften und Texte haben, müssen deren Wirkung und Zusammenspiel erst mal verinnerlicht werden. Trotz dem recht einfachen Spielablauf kommt es diesbezüglich leider immer wieder zu Fragen, die nicht immer auf Anhieb geklärt werden können. Das ist zum einen die Stärke, aber auch ein wesentlicher Nachteil eines Sammelkartenspiels.

Das Material ist von sehr guter Qualität und die die Illustrationen sind sehr stimmungsvoll. Allerdings ist die Schachtel viel zu groß, bietet dafür aber die Möglichkeit zukünftige Karten unterzubringen. Die Stanzbögen sind in einem großen wiederverschließbaren Beutel untergebracht, allerdings reichen die wenigen kleinen Beutel nicht aus, um die Karten sinnvoll unterzubringen.

Besonders mutige Spieler können sich auch alleine einem Abenteuer stellen, was jedoch schwieriger ist als zu Zweit. Laut Spielregel können sogar bis zu vier Spieler mitspielen, wofür allerdings zwei Grundspiele benötigt werden.
Sind einmal alle Szenarien geschafft, stellt sich eine gewisse Sättigung ein. Mehr Abwechslung bieten dann erst wieder die "Abenteuer Packs", welche es nach und nach zu kaufen gibt.

Fazit: Der Herr der Ringe – Das Kartenspiel ist ein spannendes Kartenspiel für zwei Spieler mit sehr hoher Einstiegshürde und grauenhafter Anleitung. Die kooperativen Spielmechanismen sind innovativ und die drei Szenarien sorgen einige Zeit für Spielspaß, welcher allerdings mit der Zeit nachlässt.




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