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Konzerndossier
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 11.09.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Tobias Hammelmann, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 255, Erschienen: 2011, Preis: 34,95 EUR


Als das Cyberpunk-Fantasyrollenspiel Shadowrun 1989 veröffentlicht wurde orientierte es sich stark an den Erlebnissen der Autoren in den 80er Jahren und den Prognosen der Wissenschaftler. Damals wurde das Jahr 2050 als Ausgangsjahr der Spielwelt gewählt. Jetzt, 22 Jahre später, gibt es bereits die 4. Edition und mit jeder Edition wurde auch die Zeitlinie verschoben. Im Shadowrun Universum schreiben wir mittlerweile das Jahr 2072. 22 Jahre hinterlassen in einem Spiel viele Spuren, die natürlich auch von den aktuellen Ereignissen unserer Zeit beeinflusst werden und von der Zeit nach den 80er Jahren beeinflusst wurden.

Da die Macht in der Welt von Shadowrun nicht mehr bei einzelnen Staaten oder Staatenbünden liegt, sondern bei Konzernen, muss mit jeder Edition und mit jeder Erweiterung, beziehungsweise Aktualisierung der Zeitlinie, auch ein neuer Blick auf die Mächtigen der Sechsten Welt geworfen werden. Konzerndossier ist das Ergebnis dieser Aktualisierung. Übersetzt und um deutsche Konzerne erweitert, wie es bei Pegasus Press üblich ist, wurde damit für das deutsche Publikum etwas Wichtiges und Informatives über die Welt von Shadowrun veröffentlicht.

Konzerndossier kommt dabei, wie man es von Pegasus Press gewohnt ist, in einer handwerklich professionellen Verfassung daher. Ein Hardcoverbuch mit Lesebändchen und zu vernachlässigen Layout- und Rechtschreibfehlern liegt vor. Eigentlich sind diese Dinge ja sowieso nur nebensächlich, es kommt ja auf den Inhalt an, aber wenn das Gesamtpaket stimmen soll, dann darf man das ruhig mal erwähnen.

Wie der Titel schon sagt, handelt das Buch von den Konzernen. Dabei werden sowohl die großen Zehn als auch kleinere und aufstrebende aber auch größere und fallende Konzerne aufgelistet. Schon das Inhaltsverzeichnis macht deutlich, das es viel mehr Informationen gibt.
Den Einstieg macht eine detaillierte Übersicht über die allgemeinen Strukturen der Konzerne. Status, Geld, natürlich die Überwacher, der Konzerngerichtshof und sein Hauptquartier, das Zürich-Orbital, werden näher in Augenschein genommen. Da das Ganze für Runner geschrieben wurde, findet man natürlich viele zusätzliche Informationen und nicht nur Offizielles.

Kapitel Zwei widmet sich dem Leben unter dem Schutz beziehungsweise unter der Fuchtel der Konzerne. Sklaverei wird da deutlich dem guten Leben, das man als Mitarbeiter haben kann, gegenübergestellt.

Die nächsten knapp 140 Seiten widmen sich den großen Zehn: Ares, Aztechnology, EVO, Horizon, Mitsuhama, Neonet, Renraku, Saeder-Krupp, Shiawase und Wuxing. Der Aufbau ist dabei bei allen gleich. Nach einem Kasten mit den Eckdaten, inklusive Aktienverteilung, werden zuerst die Geschichte des Konzerns und die führende Köpfe inklusive Intrigen vorgestellt und ein Ausblick für die Zukunft gegeben. Anschließend erhält man zusätzliche Informationen zum Aufbau, den aktuellen Vorkommnissen und über die Schattenaktivitäten des Konzerns. Hier werden wirklich viele interessante Sachen erzählt und insbesondere die zusätzlichen Informationen in den schwarzen Kästen und durch andere Runner erzählt, verleihen dem Ganzen viel Würze.

Nach den zehn großen Konzernen werden dann schließlich die bereits angekündigten kleineren Konzerne vorgestellt: Proteus, Universal Omnitech und Mandyne, um nur einige zu nennen. Auch hier erhält der Leser viele Informationen zum Konzern, aber auch wie man dort mit Runnern umgeht und wozu man diese einsetzt.

Das Spezielle an der deutschen Ausgabe ist schließlich der Teil des Buches, der sich mit den Konzernen in der ADL auseinandersetzt. Nach einem Blick auf die Aktivitäten der großen Zehn, werden die großen und kleinen einheimischen Konzerne und Firmen vorgestellt, die für Runner beziehungsweise für andere Konzerne wichtig sind oder wichtig sein könnten.

Den Abschluss macht ein Kapitel mit Spielinformationen. Dieses Kapitel ist dabei eher dem Spielleiter gewidmet, denn es enthält einige Tipps für die Arbeit von Konzernen und insbesondere für die Arbeit von Auftraggebern und Standardoperationen, für die die Runner angeheuert werden könnten.
Bisher unerwähnt geblieben sind die kurzen Geschichten vor jedem Kapitel die einen guten, wenn auch leider wirklich kurzen Eindruck vom nachfolgenden Kapitel, etwa bei den einzelnen Konzernen, bieten. Es macht Spaß sie zu lesen und lässt viele Konzerne in einem anderen Licht erscheinen, als man dies zuvor erwartet hätte.

Diese kurzen Anekdoten passen zum unterhaltsamen Stil des Buches. Eigentlich ist ein Dossier mit Statistiken und Zahlenkolonnen ja eher langweilig, Konzerndossier ist aber anders. Es ist eben für Runner geschrieben und die brauchen Kerndaten und nützliche Informationen. Die wichtigsten Statistiken und Zahlen werden gelungen vermischt und durch Kommentare ergänzt. Man hat immer Spaß beim Lesen und wird selbst genauso angesprochen wie die Runner.

Der letzte Teil, der dem Spielleiter gewidmet ist, ist kurz aber hilfreich und bringt den einen oder anderen Spielleiter sicher auf gute Ideen. Davon gibt es aber sowieso genug.

Fazit: Shadowrun – Konzerndossier ist das Buch über Konzerne, das bei keinem Spieler, bei keinem Spielleiter und auch bei keinem Runner fehlen darf. Es hilft zu überleben und erzählt dabei spannend die Geschichte aller bekannten Konzerne und deren wichtigste Personen. Neue Runs werden quasi beim Lesen geschaffen und so bietet das Buch, neben dem Lesespaß, auch viele Stunden Spielspaß.




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