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Strasbourg
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 06.09.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Stefan Feld, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2011, Preis: 34,95 €


In Strasbourg - Die Zeit der Zünfte werden drei bis fünf Spieler in das 15. Jahrhundert versetzt. Die politischen Geschicke werden stark von Handwerkszünften und Handel, aber auch von Adel und Klerus beeinflusst. Die Spieler schlüpfen in die Rolle aufstrebender Familien der Stadt.

Die passende Atmosphäre zur dargestellten Zeit liefert die Aufmachung des Spiels. Alexander Jung und Hans-Georg Schneider zeichnen sich für Illustration und Grafikdesign verantwortlich und haben ihre Aufgabe sehr gut gelöst. Ob es die Geldmünzen, die Spielkarten, Marker oder das Spielbrett sind, immer passt das Design zur Zeit.
Genauso zu gefallen weiß die Spielausstattung. Dicke Pappe und Holz dominieren als Materialien und garantieren ebenso wie die zur Stabilisierung geprägten Karten lange Haltbarkeit.

Vorbildhaft stechen auch die Spielanleitungen ins Auge, die es in einmal in Deutsch und einmal in Englisch gibt (zuzüglich zu einem Übersichtsblatt zu den Aufgabenkarten). Sie sind reich bebildert, sehr übersichtlich gestaltet und bieten zu allen Spielmechanismen ein separates Beispiel.

Taktik wird bei dem Legespiel großgeschrieben. Die Spieler kämpfen um Prestige, das sie in dem rundenbasierten Spiel (Planungsphase, Aktionsphase, Ratsphase) auf verschiedene Arten erwerben können.
Zu Beginn erhält jeder Spieler fünf Aufgabenkarten (z.B. "Besitz von mindestens 3 verschiedenen Waren." oder "Mindestens 5 eigene Familienmitglieder befinden sich auf Feldern, die direkt an Kapellen angrenzen."), von denen man mindestens eine auswählen muss. Jede erfüllte Aufgabe bringt in der Endabrechnung nach der fünften Spielrunde, je nach Komplexität, zwischen zwei und 12 Prestigepunkte. Jede nicht erfüllte führt zum Verlust von drei Punkten. So kann jeder Spieler verdeckt teils erheblich an seinem Sieg arbeiten.
Dazu besitzt jeder Spieler zu Spielbeginn 15 Familienmitglieder und 24 Einflusskarten (mit den Werten von 1-6). Von letzteren zieht er jede Runde eine beliebige Anzahl (aber Vorsicht, die Karten verbrauchen sich und müssen für alle fünf Runden reichen), aus denen er eine selbst gewählte Anzahl von Stapeln bildet.

In der folgenden Aktionsphase wird nun mit diesen Karten in sieben Feldern (Adel/Klerus, alle Zünfte und zum Schluss Kaufleute) um den Einfluss gekämpft.
Wer bei Adel/Klerus die meisten Einflusspunkte gesetzt hat, stellt ein Familienmitglied auf das Adelsfeld des Spielbretts und baut auf einem freien Feld in der Stadt (sieben gibt es dort) ein Bauwerk. Jedes Familienmitglied, das bei Spielende waagerecht oder senkrecht an dem Bauwerk steht, bringt Prestigepunkte (2-6). Der Zweitplatzierte stellt ein Familienmitglied auf das Kirchenfeld und baut im Stadtgebiet eine Kapelle. Die Wertung am Ende fällt ähnlich aber niedriger aus als bei Bauwerken.
Beim Bieten auf die Zünfte (Schmiede, Schuhmacher, Bäcker, Fleischer, Weinleute) geht es um die ersten drei Plätze, die als Meister für den ersten Platz drei Aktionen bieten, als Geselle zwei und als Lehrling immerhin noch eine. Zur Wahl bei den Aktionen stehen das Aufstellen eines Familienmitglieds gegen Geldzahlung auf einem Zunftfeld im Stadtgebiet und das Aufnehmen einer Ware der Zunft. Der Sieger beim Bieten stellt zudem ein Familienmitglied auf das Ratsfeld der Zunft. Jeweils einen Prestigepunkt bringt am Ende ein Familienmitglied im Stadtgebiet, wobei die Nähe zu Kapellen und Bauwerken noch mit zusätzlichen Punkten belohnt wird.

Wer bei den Kaufleuten den größten Einfluss in einer Runde erwirbt, darf so viele Waren aus seinem Besitz zum aufgedruckten Wert an die Händler verkaufen, wie er möchte.
Es folgt zum Abschluss jeder Runde die Ratsphase. Wer im Rat Familienmitglieder stehen hat, bekommt für jeden einen Prestigepunkt. Für die meisten Familienmitglieder im Rat gibt es zudem ein Privileg, mit dem man sich in einer Aktionsphase Vorteile erkaufen kann. Nutzt man sie nicht, bringen auch sie in der Abrechnung jeweils einen Prestigepunkt.

All diese Spielmechanismen machen Strasbourg - Die Zeit der Zünfte dynamisch aber auch recht komplex, weshalb man schon mehr als eine Spielrunde braucht, um die Möglichkeiten für sich voll auszuloten. Wenn man das aber getan hat, erschließt sich ein Spiel mit klassischen Tugenden eines Taktikspiels: hoher Wiederspielwert durch immer wechselnde Situationen, vielfältige Möglichkeiten zur Steuerung bei dennoch insgesamt gegebener Überschaubarkeit und natürlich die erwähnte Spieldynamik. Richtig viel Spaß macht Strasbourg aber erst mit mindestens vier Spielern. Jede nachdem, wie entscheidungsfreudig die Spieler in den Planungsphasen sind, können die verlagsseitig angegebenen 60 bis 90 Minuten Spielzeit dann aber auch leicht überschritten werden. Da Strasbourg durch die nur bedingt vorhersehbaren Aktionen der Mitspieler und die erst zu Spielende bekannten Aufgabenkarten immer auch ein gehöriges Maß an Zufall bringt, kann man sich mit dem Spiel auch anfreunden, wenn man kein reiner Taktikfan ist.

Fazit: Es gibt keine Kritikpunkte. Kauft es euch, wenn ihr Strategiespiele oder auch allgemeiner Spiele mit hoher Dynamik mögt.




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