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Firenze
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 06.09.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Andreas Steding, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2011, Preis: 34,95 €


"Geschlechtertürme" sind ursprünglich Verteidigungswerke einflussreicher Familien in Italien, die dort im Mittelalter des Öfteren gebaut wurden. Es handelte sich dabei um unterschiedlich hohe, in der Grundfläche quadratische und meist zu Festungen ausgebaute Wohntürme. Je höher ein Turm war, umso höher war das Ansehen dieses Geschlechts. Um den Bau solcher Türme geht es bei dem Spiel Firenze.

Am Anfang seines Zuges muss jeder Spieler eine Aktionskarte aus der Auslage auswählen und gegebenenfalls die Kartenkosten bezahlen. Bezahlt wird im ganzen Spiel immer mit Bausteinen aus dem eigenen Lagerbestand. In diesem Fall werden die Steine auf die vorderen Karten verteilt, um sie attraktiver zu machen. Die Bausteine auf der ausgewählten Karte nimmt der Spieler an sich und fügt sie zu seinem Lagerbestand hinzu. Je nach Kartentyp führt er die Karte sofort aus, nimmt sie an sich, legt sie auf den Spielplan oder vor sich ab.
Danach darf der Spieler einmal drei beliebige Bausteine aus seinem Lager gegen einen Baustein auf einer Karte austauschen.
Nun geht es ans Bauen der Türme. Der Spieler darf neue Türme beginnen oder bestehende erweitern. Die Türme müssen immer einfarbig sein und werden zunächst auf dem eigenen Bauplatz errichtet. Bis zu zwei Bausteine dürfen kostenlos verbaut werden. Für jeden weiteren müssen Kosten (Bausteine) bezahlt werden, die überproportional ansteigen. Als Nächstes muss der Spieler alle Türme abreißen, die zu Beginn seines Zuges schon im Bau waren, aber im aktuellen Zug nicht erhöht wurden. Zum Schluss kann er noch Aufträge erfüllen.
Auf dem Spielplan sind sechs Türme in unterschiedlicher Farbe zu sehen. Jeder hat acht Etagen. Ein paar Etagen sind zu Spielbeginn zufällig verdeckt oder mit einem Balkon versehen. Hat der Spieler nun einen Turm in einer Farbe, dessen Etage noch frei ist und seiner Höhe entspricht, kann er diesen Turm bauen. Er bekommt die entsprechenden Siegpunkte gutgeschrieben und legt eines seiner Siegel auf diese Etage. Diese kann nun nicht mehr gebaut werden. Für Balkone gibt es mehr Siegpunkte, außerdem winken den ersten Erbauern einer bestimmten Höhe Bonuspunkte.
Wenn ein Spieler sein letztes Siegel gelegt hat, erhält er 5 Bonuspunkte und jeder Spieler ist noch einmal an der Reihe, bevor das Spiel endet. In der Schlusswertung gibt es noch Bonuspunkte für die Mehrheiten der beteiligten Spieler je Turm.

Firenze besitzt einige interessant Mechanismen, die gut miteinander verzahnt wurden. Da gibt es die sehr unterschiedlichen Aktionskarten, die auch mal negative Auswirkungen haben können und das nicht nur für die Mitspieler, sondern auch für einen selber. Warum sollte man nun ein solche auswählen? Zum einen wären da die Kartenkosten, die eine Rolle spielen, zum anderen wird die Karte immer attraktiver, da im Laufe der Zeit immer mehr Bausteine darauf liegen. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht in dem es sich auszahlt eine negative Karte zu nehmen.
Sehr schön ist auch, dass es bei Firenze keine extra Währung gibt und die wichtigen Bausteine gleichzeitig als Zahlungsmittel dienen. Da muss man immer genau abwägen, welche Steinfarbe einem gerade wichtig ist und welche weniger. Da die Steine mit denen man bezahlt fast immer auf die Aktionskarten kommen, muss man aufpassen, dass man den Mitspieler nicht genau die Farbe hinlegt, die sie gerade benötigen, bloß weil man sie selber nicht braucht.
Ein besonderes Zocker-Element ist das Bauen der Türme, da jeder Turm, den ein Spieler in seiner Runde nicht erhöhen kann, abgerissen werden muss. Auch kann das Wegschnappen einer bestimmten Etage im richtigen Moment einen Gegenspieler schon mal ganz schön ärgern und im schlimmsten Fall diesen zum Abriss seines Turmes zwingen. Dadurch und durch die teilweise fiesen Karten ist das Spiel wesentlich interaktiver als man vermutet.
Der Spielaufbau ist durch die Balkone und die abgedeckten Etagen jedes Mal anders. Dadurch und durch die sich immer ändernden Aktionskarten während des Spiels, bleibt Firenze sehr abwechslungsreich.

Das Material und die Aufmachung von Firenze ist hervorragend und sehr ansprechend. Es macht Spaß, die schönen Turmteile aufeinander zu stapeln und zu sehen, wie Türme wachsen. Allerdings ist die Verwaltung der Turmteile auf den Karten beim Platzieren und auch beim Nehmen etwas fummelig. Die Spielanleitung ist gut gegliedert, sehr verständlich und mit vielen Beispielen versehen. Trotz der relativ einfachen Regeln bietet das Spiel viele Möglichkeiten. Es lässt sich in jeder Besetzung gut spielen, wobei aber das Spielgefühl immer etwas anders ist. Recht angenehm ist auch die Spieldauer von 60 bis 90 Minuten.

Fazit: Firenze ist ein abwechslungsreiches und sehr spannendes Turmbauspiel mit hervorragendem Material und Ärgerfaktor. Hier können auch mal schlechte Ereignisse zum Erfolg führen und manchmal droht dem, der zu viel wagt, der Abriss eines mühsam aufgebauten Turmes. Wer sich davor nicht scheut, hat viel Spaß bei diesem gelungenen Spiel.




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