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Hellboy 11 - Der Krumme
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 17.04.2011, Serie: Comics, Autor(en): Duncan Fegredo, Mike Mignola, Richard Corben, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 192, Erschienen: 2010, Preis: 22,- Euro


"Mit dem Blatt habe ich den Vampir von Prag geschlagen." – Hellboy beim Pokern mit Geistern.

Mit Der Krumme begibt sich Schöpfer Mike Mignola quasi in die Fußstapfen von B.U.A.P. – nicht was den Inhalt der Geschichten betrifft, sondern ihre Ausführung. Nur eine Story hat Hellboys Vater selbst gezeichnet, den Rest nur geschrieben und an andere Künstler weiter gegeben. Das schafft ein wenig Abwechslung, aber auch eine gewisse Sehnsucht nach den altbewährten Kanten des US-Amerikaners.

Rein in den Inhalt. In "Der Krumme", der Titelstory, begibt sich Red in die Appalachen. Hellboy ist immer noch auf Wanderschaft, lässt es sich aber nicht nehmen, allem Übel dieser Welt eins mitzugeben. Unser Held trifft einen menschlichen Gefährten, der vom "Krummen" einen Knochen als "Glücksbringer" bekommen hat. Dieses mysteriöse Wesen erachtet er als den Teufel selbst, schart er doch allerlei Hexen um sich. Nun gilt es sich dem Krummen zu stellen und den teuflischen Talisman zurück zu geben.
Die Geschichte hat alles, was eine echte Hellboy-Geschichte braucht. Sie bringt genau die mysteriöse Atmosphäre herüber, die der Leser an der Serie so schätzt. Allerdings sind Corbens Zeichnungen recht gewöhnungsbedürftig. Der Künstler schafft hervorragende Landschaften und Gebäude, allerdings wirken seine Gesichter ein wenig verzerrt. Den "Krummen" bringt er dafür richtig gut aufs Blatt – selten haben Hellboy-Leser so eine widerlich verschobene Figur gesehen und wann hat man mal die Gelegenheit mitzuerleben, wie Red Zombies mit einer Schaufel verdrischt?

"Die in Schiffen übers Meer fahren" greift die Frage auf, was eigentlich mit Blackbeards Kopf passiert ist. Hellboy löst das Rätsel zusammen mit Ape Sapiens und jeder Piraten-Fan wird seine Freude haben. Klar dass Red auch hier mal wieder das letzte Wort hat: "Also das war mal was" – "Piraten sind grad voll angesagt".
Jason Shawn Alexanders verwaschener Stil passt überraschend gut zur Kurzgeschichte, die gekonnt mit einer mal blassen, mal feurigen, mal kühlen Farbatmosphäre spielt.

"Die Kapelle von Moloch" ist dann wieder Hellboy aller Bonheur und stammt ganz aus der Hand Mignolas. In Spanien haben zwei Brüder ein Anwesen nebst Kapelle gepachtet, doch einer der Brüder, ein Künstler, dreht nach und nach am Rand. Er schlafwandelt und zieht sich mehr und mehr zurück. Kistenweise lässt er Lehm herankarren, um etwas Großes zu schaffen. Hellboy Kommentar dazu: "Kacke".
So nett die zeichnerische Abwechslung der restlichen Geschichten ist, nur Mignola setzt den roten Helden richtig in Szene. Wie Mike ganz bewusst mit den Farben umgeht und nur mal Details einfärbt, gepaart mit seinem Holzschnittstil, lassen Leserherzen höher schlagen – einfach wunderbar.

"Das Mal", gezeichnet von Fegredo, kennen aufmerksame Leser vom Cross Cult "Gratis Comic Tag"-Hellboy-Spezial. Entstanden ist die Geschichte, als Mignola mit einem Leberfleck zum Arzt musste. Somit darf auch Red mit einem ebensolchen Problem kämpfen. Besser mal untersuchen lassen!
Fegredos Stil kommt Mingolas Feder noch am nächsten, somit weiß auch die grafische Umsetzung durchaus zu gefallen. Die Geschichte selbst ist kurz aber prägnant.

"Wie Koschej unsterblich wurde" und "Baba Jagas Festmahl" wurden beide von Guy Davis (BUAP) umgesetzt und behandeln die Vorgeschichten von zwei großen Hellboy-Widersachern. Gerade diese stimmigen Hintergrund-Kurzgeschichten sind ein festes atmosphärisches Standbein der Serie. Hier erkennt der Leser immer wieder, wie feinfühlig Mignola mit seiner Storyline umgeht und wie viel Kenntnis er von Folklore hat.
Zeichnerisch sind B.U.A.P.-Leser bereits an Davis’ Stil gewöhnt, somit kann man sich voll und ganz auf die äußerst stimmungsvollen Geschichten konzentrieren.

Ein Highlight jedes Bandes der Serie ist die Einstimmung des Lesers auf die jeweilige Geschichte durch ein Vorwort, das entweder Mignola selbst, ein Künstler, oder wie hier erstmals der Verlag selbst gibt. Es ist einfach toll zu erfahren, was den Autor dazu veranlasst hat, dieses oder jenes Detail in seine Geschichte einfließen zu lassen. So erfährt man beispielsweise, dass Mignola in einer Geschichte erst Pokerchips auf den Tisch legen wollte, bis ein Bekannter ihn darauf aufmerksam machte, dass man zu dieser Zeit in England Streichhölzer zum Karten verwendete.
Abgeschlossen wird der Band wie immer mit einem Sketchbook und diesmal zusätzlich mit einem Artikel über den Geschichtenerzähler Manly Wade Wellman.

Über die Verarbeitung muss man bei Cross Cult eigentlich kein Wort verliert, der Autor dieser Zeilen tut es aber dennoch. Denn kein anderer Verlag liefert erstklassige Geschichten in einer so hochwertigen Verpackung zum angemessenen Preis. Die Bindung ist erste Sahne und der Druck vom Feinsten. So macht Comic Spaß!

Fazit: Der Band liefert Altbewährtes in neuem Outfit. Es überrascht, wie Mignola nach zehn Bänden die Atmosphäre immer noch so dicht halten kann. Leider wünsche ich mir aber mehr Mignola-Zeichnungen. So finden sie sich hier nur in einer Geschichte und in der Coverkunst. Dies bringt eine nette Abwechslung, sollte aber bitte nicht zur Gewohnheit werden. So kann man nur mit Hellboy Worten schließen: "Du bist ein großer Brocken. Mal sehen was Du drauf hast."




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