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Chew - Bulle mit Biss! 1 - Leichenschmaus
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 17.05.2011, Serie: Comics, Autor(en): John Layman, Rob Guillory, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 128, Erschienen: 2011, Preis: 16,80 Euro


Tony Chu ist Polizist mit einem, sagen wir ausgefallenem Geschmacksinn. Denn immer wenn er etwas isst, bekommt er bis aufs kleinste Detail mit, was unsereins gerne ignoriert. Er schmeckt von jeder Frucht die Pestizide, die faulige Erde, in der der Baum stand und von jedem Tier die unwürdigen Umstände der Zucht bis hin zum Schlachthaus-Tod durch den Bolzenschuss. Einzig allein rote Beete erzeugt bei Tony nichts.

Chu arbeitet mit seinem Kollegen auf einer Observierungs-Mission. Denn das, was diese alternativ amerikanische Gegenwart aufreibt und zu den verruchtesten Taten treibt sind weder Drogen, Prostitution noch Menschenhandel sondern Hühnchenfleisch. Offiziell wird das als "Belange des Transports, des Besitzes und der Zubereitung illegaler Land- und Wasservögel" bezeichnet. Es versteht sich von selbst, dass die Lebensmittelaufsicht die dafür zuständige Behörde ist. Schuld ist die Vogelgrippe, welche zu einer neuen, obskuren Form der Prohibition führte.

Durch eine missglückte Razzia wird Chus Kollege schwer verwundet, was unseren Feinschmecker so sehr in Rage versetzt, dass er sich sprichwörtlich in den Täter hineinfrisst. Und wie Tony erkennen muss, wirken seine deduktiven Geschmacksknospen auch beim Zerpflücken menschlicher Werdegänge. Oder anders ausgedrückt: Du bist was Du isst. Chu braucht nur einen Happen Mensch und ihm wird schnell klar, was der edle Spender so auf dem Kerbholz hat.

Dies wirft Savoy auf den Plan, eine Art Van Helsing der Frittenbuden, welcher Chu für die Sonderermittlungstruppe der Lebensmittelbehörde anwirbt. So beginnt Chus Karriere und unfreiwillige Wandlung zum Teilzeitkannibalen.

Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen. Was hier arg nach Slapstick klingt, ist eine Mischung aus CSI und Dexter mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor, aber nicht ohne kriminalistischem Thrill.
Der Auftritt immer neuer, immer obskurerer Gruppen, wie beispielsweise die Lebensmittelguerilla E.G.G., lassen Erinnerungen an die storytechnische Linienführung von "Umbrella Academy" wach werden.

Die Zeichnungen sind dabei überraschend erfrischend und passen in ihrer Farbgebung hervorragend zum Stil der Geschichte. Immer gibt es eine Basisfarbe, welche die Szene dominiert und die Panels akzentuiert.

Fazit: Chu ist erfrischend anders. Die sehr obskuren Rahmenbedingen sind eine wundervolle Bühne für eine Krimigeschichte der kulinarischen Art – wenn auch nicht für den schwachen Magen. Jeder, der mal Naschen möchte, einfach Zugreifen. Jeder Happen hat einen anderen Geschmack, den man noch nicht kennt und ob es einen mundet, sollte der Leser besser selbst entscheiden. Ich für meinen Teil habe einen Bärenhunger auf mehr bekommen. Bon appétit!




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