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Stolz und Vorurteil und Zombies
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 16.04.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Jane Austen, Seth Grahame-Smith, Tony Lee, Cliff Richards, Verlag: Panini Verlags GmbH, Seiten: 176, Erschienen: 2011, Preis: 16,95 €


Seit einer geraumen Zeit hat Quirk Books mit Pride and Prejudice and Zombies einen Bestseller gelandet. Der Sinn hinter dieser recht verqueren Idee: man verbinde alte Klassiker der Weltliteratur mit einem Horror-Hintergrund und revolutioniere so das Genre. Die Idee klingt vielversprechend und mit Sense and Sensibility and Seamonsters oder Android Karenina sind Folgebände bereits erschienen.
Panini hat nun den Auftakt in Form einer Graphic Novel publiziert. Doch kann eine solche Verknüpfung von Büchern, welche so manch einer mit einer leidlichen Schulvergangenheit in Verbindung bringt, die alten Wälzer zu einem prickelnden Erlebnis werden lassen?

Die Story ist schnell erzählt. Eine Familie mit fünf Frauen zwischen 15 und 22 Jahren zieht während der Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert in die Nähe von London. Die Träume der Damenwelt ranken sich zu jener Zeit vorläufig um hübsche Kleider, heiratswilligen, hochständige Männer (bevorzugt junge Offiziere) und Bälle in majestätischen Anwesen. Der einzige Unterschied zu Jane Austen: Draußen geht die Welt unter und untote Horden von Zombies ziehen durchs Land.
Wie es dazu gekommen ist, erfährt der Leser nicht und auch die Geschichte scheint diese apokalyptische Tatsache nicht weiter zu tangieren. Klar, die fünf Mädchen sind allesamt Meisterin der asiatischen Schwertkampfkunst, aber das Schicksal Britanniens geht ihnen dann doch eher am Rüschenrockzipfel vorbei.
Den vor allem dreht sich Stolz und Vorurteil und Zombies um die ersten beiden Begriffe des Titels. Wer will oder soll wen heiraten, warum kann er oder sie das nicht so ohne weiteres und warum ist die viktorianische Gesellschaft eigentlich so kompliziert? Uff – erst einmal tief durchatmen.

Kurzum, die Geschichte ist äußerst dröge und weicht kaum von der klassischen Vorlage ab. Die ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zombieapokalypse in keiner Weise eine ernste Bedrohung darstellt und nur am Rande mal für die eine oder andere Action sorgt, welche nach zwei Seiten aber dann auch schon vorbei ist. Viel wichtiger erscheint da den Damen doch, warum der hübsche Offizier beim letzten Besuch so kühl war und warum seine Tante etwas gegen die Verbindung mit der hübschen Lizzy hat.
So plätschert die Geschichte langsam und zäh dahin, während die Untoten über den Status eines netten Beiwerks nicht hinaus kommen. So könnte man die Verteidigung des Anwesens mit einer illustren Fuchsjagd vergleichen, nach der man fröhlich von dannen zieht und sich eben noch über das Gesinde amüsiert, welches von den Auferstandenen verspeist wurde.

Die Sprache gibt ihr Übriges dazu. Ganz der Zeit angemessen, muss man sich durch diverse Schachtelsätze kämpfen, die so mit Informationen gespickt sind, dass man erst einmal nachdenken muss, wer denn jetzt eigentlich gemeint ist. Denn an Personen mangelt es im Ränkespiel nun wirklich nicht. Ein Beispiel gefällig? "Er fuhr nach Epson, um die Fahrer der Postkutsche zu befragen, die sie nach Clapham brachte, nachdem Wickham versucht hatte, den Colonel zu erschießen" – klar soweit? Nur sehr selten sorgen Themen um die Apokalypse zu netten Aussagen, welche in Kombination mit der viktorianischen Gangart durchaus zu amüsieren wissen.

Optisch gibt die Graphic Novel leider auch nicht viel her. Die Vielzahl der Personen hätte man zeichnerisch wesentlich deutlicher abgrenzen können, um dem Leser zumindest so eine Stütze zu geben, die Verbindungen zwischen den Familienmitgliedern schneller zu begreifen. Viele der Panels sind nicht mehr als feine Skizzen, Hintergründe meist gar nicht oder äußerst spärlich ausgearbeitet. Da die Graphic Novel in schwarz-weiß gezeichnet wurde und der Kontrast oft nicht sonderlich hoch ist, sorgt auch die optische Umsetzung nicht für Zungenschnalzer. Dabei schreien Zombiecomics doch gerade in Verbindung mit viktorianischer Mode regelrecht nach Farbe.

Fazit: Stolz und Vorurteil ist vor allem eine Gesellschaftsstudie der damaligen Zeit. Da die integrierte Zombiethematik nur am Rande passiert, kommt die grafische Umsetzung, auch in Verbindung mit der neuen Thematik (und dem Zusatz und Zombies im Titel), leider auch nicht über das Thema hinaus. Was uns hier vorliegt ist eine viktorianische Liebesgeschichte mit längst überkommenen Hürden. Wer darauf steht, kann gerne zugreifen. Wer allerdings wie ich eine stärkere Fokussierung auf das eigentliche Problem, nämlich den Weltuntergang draußen hinter den teuren Vorhängen der üppig ausgestatteten Gemächer der edlen Herrschaften bevorzugt, sollte dann doch lieber zu etwas anderem greifen.




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