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Konzerndossier
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 22.05.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): , Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 255, Erschienen: 2011, Preis: 34,95 EUR


Was sollte man von einem Quellenbuch mit dem Titel Konzerndossier erwarten können? Die Antworten dafür sind schnell gefunden: Zu allererst sollte das Buch stimmungsvoll aufgemacht sein und sich damit in die Riege der bisherigen Quellenbücher einfügen. Um es als Nachschlagewerk zu benutzen, wäre natürlich Übersichtlichkeit insgesamt und innerhalb der einzelnen Kapitel oberstes Gebot. Die Texte sollten zudem auch Ideenlieferant für eigene Runs sein.
Zu guter Letzt ist das Konzerndossier in der aktuellen Form auf Deutsch erschienen. Was liegt da näher, als auch die deutsche Konzernlandschaft gezielt in den Fokus zu nehmen? Das Schöne: All das bedient das neue Quellenbuch.

Die Gestaltung entspricht dem gewohnten Standard und erweckt damit den Eindruck eines Matrixberichts. Auflockernde Illustrationen sind allerdings nicht allzu oft zu finden und hinterlassen gemischte Eindrücke. Das liegt aber weniger an der Güte der Einzelbilder als an der fehlenden Stileinheit. Bei insgesamt zehn Illustratoren wirkt die Bebilderung wie ein Flickwerk. Das wertige Hardcover mit Lesebändchen und die dicken Papierseiten lassen dafür den Preis vollkommen gerechtfertigt erscheinen.

Inhaltlich gibt es neben dem Vorwort 16 Kapitel. Zwölf davon beschäftigen sich direkt mit Konzernbeschreibungen, wobei die Bigplayer (Ares, Aztech, EVO, Horizon, Mitsuhama, Neonet, Renraku, Saeder-Krupp, Shiawase und Wuxing) jeweils auf rund zehn Seiten abgehandelt werden. Das ist knapp, aber für ein Nachschlagewerk mit leichtem Zugang optimal. Der Umfang reicht auch, um taugliche Bilder der Konzerne für das Spiel entstehen zu lassen, die sich deutlich voneinander abheben.
Ergänzend gibt es ein Kapitel über aufstrebende Mächte, das elf weitere Unternehmen (Aegis Cognito, Amalgamated Studios, Chalmers&Cole, Frankfurter Bankenverein, Lone Star, Maersk Incorporated Assets, Manadyne, Monobe International, Proteus, Universal Omnitech und Zeta-ImpChem) jeweils auf ein paar Seiten beleuchtet. Die Übersetzung aller Kapitel ist hier gut gelungen. Dem Lesefluss steht nichts entgegen.
Natürlich kommt ein Quellenbuch wie dieses nicht ohne generelle Informationen rund um das Thema Konzerne aus. Deshalb starten die Autoren mit allgemeinen Erklärungen, was ein Konzern überhaupt ist, wie man ihn gründet, welche legalen und illegalen Waffen die Konzerne benutzen und was die Einstufungen Single- bis Triple A bedeuten. Ergänzt wird das Kapitel um Beschreibungen des Konzerngerichtshofs und des Zürich-Orbitals. Damit steht auch Eigenkreationen nichts mehr im Weg.
Das Kapitel Konzernleben beschreibt den Alltag eines Konzernbürgers mit allem Drum und Dran (inkl. des Eintritts in einen Konzern). Auch hier werden die Informationen knapp gehalten, was wiederum dem Überblick dient und die eigene Kreativität begünstigt. Wer sich eher zu den konsumierenden Rollenspielern zählt, wird aber vermutlich vieles zu knapp finden.
Pegasus Spiele hat das Quellenbuch zudem um ein rund 30-seitiges Kapitel über die Konzerne in der ADL ergänzt. Da ist er, der Bezug zu Deutschland, wenn auch insgesamt recht kurz, denn in dem Seitenbudget werden neben allgemeinen Beschreibungen 17 Konzerne in der ADL näher betrachtet. Neben den schon vorher beschriebenen Großkonzernen kommen noch die AG Chemie, DeMeKo, der Bund für den Mobilen Notfalleinsatz, Ruhrmetall und Zenit hinzu. Gerade bei den, international gesehen, eher kleinen Konzernen merkt man das Herzblut der deutschen Autoren. Das Kapitel ergänzt das Quellenbuch auch insofern sehr gut, als dass man Beispiele für kleinere Konzerneinheiten bekommt, die in Runs viel öfter interessant werden können.
Abgerundet wird das Quellenbuch durch das Kapitel Spielinformationen. Es bietet diverse Vorschläge für Spieler und Spielleiter, um Konzernkampagnen zu spielen. Dazu zählen auch die so genannten Standardoperationen wie Attentate, Datendiebstahl, Sabotage etc. Das Kapitel reißt die Materie auf insgesamt fünf Seiten aber auch nur sehr grob an. Deutlich mehr Inspirationen für das Spiel kann man aus der Lektüre der Konzernbeschreibungen ziehen.

Fazit: Konzerndossier bündelt viele bekannte und einige unbekannte Informationen über die Konzernwelt, um sie greifbarer und überschaubarer zu machen. Dabei liefert es viele Ansatzpunkte, um eigene Runs mit mehr Leben zu füllen oder sogar komplette eigene Ideen auszubauen. Den positiven Eindruck trüben lediglich die Illustrationen, aber das ist nicht die Kernkompetenzen des Bandes, der insgesamt empfehlenswert ist.




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