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Pirates 2nd Edition - Governor's Daughter
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 14.01.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Malgorzate Majkowski, Tomasz Majkowski, Michael Stachyra und Maciej Zasowski, Verlag: Kuznia Gier, Seiten: -, Erschienen: 2010, Preis: 22,00 €


Seit Johnny Depp das Piratenkostüm angezogen hat, sind Piratenfilme wieder in aller Munde. Die Filme haben dafür gesorgt, dass es sowohl mehr Literatur für alle Altersklassen, und mehr Spiele verschiedenster Art zum Thema erhältlich sind, als jemals zuvor.

Kuznia Gier, die erfolgreiche polnische Brettspielfirma, hatte zwar vor dem Film bereits ein Piratenbrettspiel veröffentlicht, aber der Erfolg der Filme und die nicht ganz fehler- und problemfreien alten Regeln ließen die Macher auf die Idee kommen, eine zweite Edition ihres Piratenspiels zu produzieren. Entstanden ist dabei das farbenfrohe Pirates 2nd Edition – Governor’s Daughter.
In diesem Spiel versuchen zwei bis vier Spieler die entführte Gouverneurs-Tochter aus den Händen des Piraten Roberts zu befreien, bevor dieser Dinge mit ihr anstellt, die schlimmer als der Tod sind. Dazu müssen die Spieler nicht nur Dublonen erbeuten oder durch den Verkauf von Rohstoffen erwerben, sondern auch durch unterschiedliche Missionen und Kämpfe gegen die Kriegsmarine und andere Piraten Ruhm erhalten. Ohne Dublonen und Ruhm werden sie zum einen Roberts geheime Insel niemals finden, weil keiner mit ihnen redet, zum anderen wird Robert sich von ihnen kaum einschüchtern oder bestechen lassen, wenn sie nichts zu bieten haben. Ob sie ihn bestechen oder einschüchtern wollen ist dabei egal, sie müssen sich aber beeilen, Roberts ist nicht sehr geduldig.

Soviel zum Hintergrund und dem Ziel des Spiels, jetzt zum Inhalt. Ich habe das Spiel bereits als farbenfroh bezeichnet, und genau das ist der erste Eindruck, den man erhält, wenn man das Spiel öffnet. Eine bunte Anleitung liegt auf einem recht großen Spielbrett, das eine Inselgruppe in den spanischen Meeren und viele Symbole, teilweise sehr dunkel, zeigt. In Plastiktüten eingepackt gibt es jede Menge Holzmarker, die die fünf unterschiedlichen Waren repräsentieren, mit denen gehandelt werden kann. Neben diesen Markern gibt es aber auch noch einige Pappmarker, die sehr detailverliebt bedruckt sind und die für die unterschiedlichen Zustände der Piraten und ihre Schiffe stehen.
Für die Spieler gibt es, neben den Schiffsmarkern auch vier Charakterbögen mit vier unterschiedlichen Piraten, zwei Männer und zwei Frauen, damit sicher niemand diskriminiert fühlt. Hier findet sich der erste Vorzug des Spiels, die Charaktere haben unterschiedliche Fähigkeiten, was während des Spiels durchaus entscheidend sein kann. Zum Abschluss gibt es gut 60 Abenteuerkarten (Missionen und Karten für den Kampf beziehungsweise um die Gegner ein wenig aufzuhalten). Schlecht an diesen Karten ist, dass die Symbole, so denn welche darauf zu finden sind, sehr klein gedruckt und deshalb manchmal schwer zu erkennen sind.
Eine kleine Anmerkung noch zur Verarbeitung: Beim einpacken der Materialien in die Box fällt auf, dass das Spielbrett für die vorgesehen eingestanzte Fläche zu groß ist. Da hat sich wohl jemand vermessen.

Die Anleitung liegt in zwei Sprachen vor, Polnisch und Englisch und ist jeweils vier Seiten lang. Die Schrift ist sehr klein gewählt, was das Lesen nicht unbedingt erleichtert, und auch die Symbole und Karten sind oft nicht deutlich zu erkennen und zum Teil auch sehr nah aneinander gequetscht. Dank einiger Beispiele, sind die Regeln, zumindest auf den ersten Blick verständlich. Leider täuscht das, im Spiel sind einige Dinge unklar und das Suchen nach bestimmten Regeln wird durch das enge Beieinanderstehen und der kleinen Schriftgröße erschwert. Dies führt dazu, dass die vorgegebene Spielzeit von 90 Minuten zumindest in den ersten Spielen deutlich erhöht wird. Da sollte man bei vier Spielern eher mit drei Stunden rechnen. Eine Seite mehr pro Sprache hätte mehr Platz geboten und die Anleitung übersichtlicher gemacht.

Das Spiel selbst macht deswegen auch leider bei den ersten Spielen wenig Spaß, was dazu führen könnte, dass die Spieler auf weitere Partien keine Lust haben. Gespielt wird nach Phasen. Jeder Spieler hat zuerst eine Inselgruppenphase, bei der, durch Ziehen einer Abenteuerkarte Rohstoffe produziert werden, die Kriegsmarine bewegt oder Roberts ein bisschen wütender wird. Die nächste Phase ist die Seefahrtsphase. Hier erhalten die Spieler Aktionspunkte, die sie zum Beispiel auf Dinge wie Waren kaufen und verkaufen verwenden können. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Inseln unterschiedlich viel für Waren zahlen beziehungsweise verlangen. Als weitere Aktion kann man das Schiff bewegen und, falls man dabei auf einem Feld ankommt, auf dem ein anderes Schiff ist, auch kämpfen. Das Schiff aufrüsten, Kanonen oder Laderaum, sind weitere Möglichkeiten. Auch das Ziehen der Abenteuerkarten ist wichtig. Am Anfang dieser Phase können die Spieler Missionskarten ausspielen, die ihnen Bonuspunkte einbringen, wenn sie diese erfüllen.

Handeln, fahren, Schiff aufrüsten, kämpfen, das sind die vier grundlegenden Aktionen dieses Spiels. Der Kampf ist dabei noch eine Besonderheit, dieser wird auch in Phasen unterteilt. Zuerst dürfen die Spieler eine Karte verdeckt von der Hand spielen, die so genannte Salvokarte, die ihren Kanonen eine höhere Durchschlagskraft gibt. Die zweite Phase ist die Kaperphase, hier dürfen die Spieler spezielle Karten ausspielen, die ihnen zusätzlich Boni auf den Angriff geben. Der Spieler, mit dem höchsten Wert nach dieser Phase, hat den Kampf und damit Ruhm gewonnen und darf sich noch beim Unterlegenen bedienen und Dublonen oder Waren klauen. Der unterlegene Spieler sollte mit seinem ramponierten Schiff das nächste Trockendock ansteuern und nicht zu lange trauern. Der Spieler, der als erstes Roberts Insel betritt, und das nötige Geld oder den nötigen Ruhm besitzt, ist schließlich der Sieger und kann die Gouverneurs-Tochter zu ihrem Vater bringen.

Wie schon gesagt, das Spiel ist sehr farbenfroh und könnte sicher viel Spaß machen, wenn man seine Spieler davon überzeugen könnte, ein zweites oder drittes Spiel zu wagen, nachdem man die Anleitung wirklich verstanden hat. Alleine die vielen kleinen Details, die im Spiel verwendet werden und die auf jeder noch so kleinen Karte oder jedem noch so kleinen Marker zu sehen sind, sprechen für die Qualität des Spiels. Dass das Spielbrett nicht in die dafür vorgesehene Fläche passt, ist da ebenso wie die Anleitung, die nicht in Deutsch zu haben ist, wirklich zu vernachlässigen. Dass die Anleitung zu klein geschrieben und unübersichtlich ist, stellt hingegen ein wirkliches Problem dar, dass man nur durch genaues Lesen und Spielen lösen kann.

Fazit: Kuznia Gier hat mit Pirates 2nd Edition – Governor’s Daughter sicher den Nerv der Zeit getroffen. Wenige Spiele sind so farbenfroh und detailverliebt. Leider sind die Regeln nicht so leicht zu verstehen, dabei ist nicht die Sprache das Problem, sondern die Unübersichtlichkeit der Anleitung, da die Schrift- und Bildgröße viel zu klein gewählt wurde. Wer Piratenspiele mag und sich von ein bis zwei Frustspielen nicht abschrecken lässt, der kann mit diesem Spiel nicht viel falsch machen.




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