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Victoriana Second Edition Core Rulebook
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 13.01.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Kristian Bjorkelo, Andrew Peregrine, Scott Rhymer, Ian Sturrock und John Tuckey, Verlag: Cubicle Seven, Seiten: 360, Erschienen: 2009, Preis: 39,95 €


Es gibt die verschiedensten Rollenspielwelten, zum Beispiel komplett erfundene Welten, Welten in denen die Geschichte unserer Welt sich an einer bestimmten Stelle anders entwickelt hat, Welten, die in der Zukunft unserer Welt spielen und auch Welten, in der eine Epoche unserer Welt die Kulisse ist, aber fantastische Elemente zusätzlich existieren. Genau das alles macht Rollenspiel zu einem außergewöhnlichen Hobby mit vielen Möglichkeiten.

Victoriana 2nd Edition nutzt die viktorianischen Ära unserer Welt und verbindet sie mit Magie, einer anderen Religion und fantastischen Wesen. Daraus resultiert eine Welt, in der die industrielle Revolution nicht durch Menschen sondern durch Gnome hervorgerufen wurde und Halblinge, Elfen, Menschen und Zwerge eine neue Sicht auf die Welt entwickelt haben, die im Kontrast zur Welt steht, die die Aluminatkirche für ihre Schäfchen im Auge hat. Es ist ein eine Welt, in der Chaos und Ordnung in einem ewigen Wettstreit liegen und die europäischen Mächte immer im Krieg oder am Rand eines solchen stehen. Eine Welt, in der es den Charakteren freisteht sich einer Seite anzuschließen und Einfluss zu nehmen, der je nach Geburtsklasse gering oder groß ist.

Die zweite Edition Victorianas ist von der Geschichte her ohne Veränderung geblieben, aber im Vergleich zur ersten Edition ist nun Cubicle 7 der Produzent. Das Buch ist im Hardcover gebunden und noch dazu um einiges dicker, da ein neues Regelsystem verwendet wird und viele Erweiterungen eingearbeitet wurden. Als neues Regelsystem wird das Heresy Engine System verwendet, das speziell für dieses Spiel entwickelt wurde. Das Besondere an diesem System sind weder neue Attribute, Fertigkeiten oder Talente, sondern das Würfelsystem und das Rangsystem der drei genannten Charaktereigenschaften.
Zum Würfeln werden sechsseitige Würfel verwendet, wobei 1er und 6er Erfolge sind und 6er ein weiteres Mal gewürfelt werden können. Die Anzahl der Erfolge gibt den Grad des Erfolges an, je mehr Erfolge desto besser das Ergebnis. Interessante ist das Einbinden des Schwierigkeitsgrades. Bei einem höheren Schwierigkeitsgrad werden schwarze Würfel, (zwischen 3 und 20) zusammen mit den normalen Würfeln geworfen und jeder Erfolg auf einem schwarzen Würfel zieht einen Erfolg ab.
Das Rangsystem muss man auch noch genauer erläutern. Ränge, die Stufen in diesem System geben vor, auf welche Werte die Attribute und Fertigkeiten gesetzt beziehungsweise mit Erfahrungspunkten gesteigert werden können. Um Aufzusteigen bekommt man neben Erfahrungspunkten auch Rangwürfel vom Spielleiter, die führen zu einem Aufstieg im Rang und gestatten es dem Spielleiter viel Einfluss auf das Voranschreiten der Charakterstärke zu nehmen. Soviel zu den wichtigsten Regeln, jetzt der Inhalt des Buches.

Bereits beim ersten Durchblättern fallen die original Fotografien und die Bilder auf, die die Epoche wirklich schön darstellen und vor dem geistigen Auge lebendig werden lässt.
Der Band ist in drei Bücher unterteilt, denen eine Einleitung vorangesetzt wurde. Die Inhaltsangabe, die nicht immer auf die richtigen Seiten weiterleitet, steht dabei an erster Stelle. Im Anschluss folgt eine Kurzgeschichte, die die Welt, ihre Bewohner und die soziale Ordnung wortgewandt näher bringt. Im Anschluss wird erklärt was ein Rollenspiel ist und welche Begriffe wichtig sind. Nebenbei klären die Autoren auch Fragen zum Grund für eine zweite Edition und welches Material zum Spielen benötigt wird.

Buch 1 widmet sich dem viktorianischen England. Die Gesellschaft mit ihrem Klassensystem und den Gesetzen machen den Anfang. Es folgt die Religion, die dem Christentum nicht unähnlich ist. Dabei wird aber nicht ein einzelner Gott sondern ein heiliger Orden angebetet und nicht die Liebe Gottes bringt einen ins Himmelreich sondern das Gehorchen der Glaubensregeln. Nach dem Glauben wird die Wissenschaft behandelt. Dampfkraft und ähnliches steckt zwar in den Gnomkinderschuhen, aber die Wissenschaft macht damit Riesenschritte. Das letzte Kapitel des ersten Buches befasst sich mit den anderen Nationen der Welt, Gefahren und Regierungsformen und auch die Beziehung der einzelnen Länder zu England wird beschrieben.

Das zweite Buch befasst sich mit den Regeln. Neben der Heresy Engine, den Attributen und Fertigkeiten, den Waffen und andere Ausrüstung und dem Kampf, wird hier auch über die Charaktererschaffung gesprochen. Dabei werden die Rassen, die üblichen Fantasierassen mit Tiermenschen als Bonus, und auch die Auswirkung der sozialen Klasse besprochen. Nicht jeder ist in allen Gesellschaftsschichten und zu bestimmten Anlässen eingeladen und wüsste überhaupt sich dort zu bewegen ohne aufzufallen; wenn der Geruch oder das Aussehen dafür nicht schon reichen würden. Am Ende dieses Kapitels wird die Magie der Welt beschrieben. Gilden und die Kirche haben zwar die Macht über die Magier, aber andere Formen der Magie existieren am Rand der Gesellschaft. Alle Magiearten finden ihre Regeln hier, egal ob es Medien, Glaubensmagier, Thaumaturgen, Runenmagier oder Nekromanten sind.

Das letzte Buch ist dem Spielleiter gewidmet. Tipps zum Leiten und zur Erstellung von Nichtspielercharakteren sind hier ebenso zu finden wie Kreaturen und Monster mit Werten. Zum sofortigen Loslegen gibt es noch ein Abenteuer, eine Geisterjagd der besonderen Art in fünf Szenen steht zur Verfügung.
Im Appendix gibt es noch Regeln zur Konvertierung der Charakter aus der ersten Edition in die zweite Edition, Regeln zum Erstellen von hochrangigen Charakteren und Hinweise zu Quellen und anderer Literatur. Vor dem Index, der jetzt mit den richtigen Seitenzahlen versehen ist, steht noch ein Nachwort, in der Andrew Peregrine noch einmal erklärt, wie es zur weiten Edition kam. Ganz hinten im Buch befindet sich der schön gestaltete Charakterbogen zum Kopieren.

Cubicle 7 ist ja mittlerweile bekannt für seine qualitativ hochwertigen Produkte, gerade deswegen sind die fehlerhaften Seitenzahlen in der Inhaltsangabe zu erwähnen, aber alles in allem verzeihbar. Es scheint, als hätte man das Wissenschaftskapitel zuerst vor dem Magiekapitel positioniert und die Änderung dann nicht übernommen, so etwas passiert. Der Rest des Buches und die fantastische viktorianische Welt entschädigt dafür vollkommen.
Das Regelsystem ist allerdings nicht ganz so griffig. Ein Abenteuer ist nötig, um das System verinnerlicht zu haben und eine Kopie der wichtigsten Tabellen ist auch sehr nützlich. Auf dem Spielleiterschirm sind diese Tabellen dann aber wahrscheinlich sowieso vorhanden. Die Regeln zur Klassenzugehörigkeit sind sehr passend und in der angegebenen Literatur dazu, wird das Verhalten der Klassen zueinander so dargestellt, wie die Regeln des Spiels es vorgeben. Die guten Bilder und die handwerkliche Qualität des Buches, runden das Ganze ab.

Fazit: Victoriana 2nd Edition von Cubicle 7 ist ein solides Rollenspiel, dass im viktorianischen England in einer Welt spielt, in der Magie, Religion und Wissenschaft Seite an Seite aber auch gegeneinander streiten und in der fantastische Wesen in einem Klassensystem leben, das alles andere als gerecht erscheint. Das Würfelsystem ist nicht so griffig, aber nach einem Abenteuer kommt man damit schon klar. Das Regelsystem zu den Klassen hingegen ist perfekt zugeschnitten auf diese Welt. Alles in allem ist dieses Spiel zu empfehlen.




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