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Supernatural Role Playing Game
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 30.12.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jamie Chambers, Verlag: Margaret Weis Productions, Seiten: 184, Erschienen: 2009, Preis: 28,90 €


Das Übernatürliche ist seit Jahren aus dem alltäglichem Leben nicht mehr wegzudenken. Filme und Fernsehserien, Bücher, Comics, Computer- und Brettspiele und sogar die Werbung hat die übernatürlichen Wesen für sich entdeckt. Meistens stehen dabei aber nur eine oder zwei übernatürliche Lebensformen im Fokus und die Menschen sind entweder nur Opfer oder durch einen mysteriösen Umstand mit besonderen Kräften ausgestattet.

Die Fernsehserie Supernatural ist unter all diesen Beispielen etwas Besonderes. In ihr spielen, mit wenigen Ausnahmen, normale Menschen die Hauptrolle. Diese normalen Menschen jagen die unterschiedlichsten übernatürlichen Wesen in den großen und kleinen Städten der Vereinigten Staaten und darüber hinaus. Dabei kommen die bekannteren Monster, wie Vampire und Werwölfe, ebenso vor wie Geister und sogar Bigfoot. Im Mittelpunkt der Serie stehen die Brüder Dean und Sam Winchester, die ein düsteres Geheimnis verbindet. Vor 22 Jahren kam ihre Mutter durch einen Dämon ums Leben. An der Decke schwebend, verbrannte sie auf grausame Weise und nur der schnellen Reaktion des Vaters, John Winchester, verdanken die Brüder ihr Überleben. Die Winchesters haben es sich nach diesem Erlebnis zur Aufgabe gemacht, den Dämon, der für den Tod ihrer Mutter verantwortlich ist, zur Strecke zu bringen. Dass dabei auch andere Monster den Tod finden, ist ein positiver Nebeneffekt.

Margaret Weis Productions, die schon mit den Rollenspielen zu den Fernsehserien Serenity und Battlestar Galactica Erfahrung in diesem Metier machten, haben ihre volle Aufmerksamkeit jetzt der Jagd auf Monster gewidmet. Mit dem Supernatural Role Playing Game, geschrieben und entwickelt von Jamie Chambers, geben sie Spielern die Chance, in die Rollen von Jägern zu schlüpfen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dabei haben Spieler sowohl die Möglichkeit, die Protagonisten der Fernsehserie zu spielen, als auch komplett neue Jäger zu erschaffen.
Genutzt wird dafür das mittlerweile bekannte Cortex-System, bei dem der Wert der Würfel von W2 bis W12 die Stufe der Fertigkeit beziehungsweise der Attribute widerspiegeln. Dabei gibt es weder neue Attribute noch neue Fertigkeiten. Gewürfelt werden jeweils der Würfel des Attributs und der Fertigkeit, die zur Situation passt. Die Summe der beiden Würfel muss den vorher festgelegten Schwierigkeitswert erreichen, um als Erfolg gewertet zu werden. Das Rad wurde hier nicht neu erfunden und auch die speziellen Charaktereigenschaften, die Boni oder Mali auf Fertigkeiten oder Attribute geben können, und die Plotpunkte sind nicht neu, passen aber besser als bei anderen Systemen zum Hintergrund. Der Vorteil des Cortex-Systems ist klar erkennbar: Es ist simpel und auch ein Anfänger kann in kürzester Zeit einen Charakterbasteln und sofort loslegen.

Sieben Seiten für die wichtigsten Regeln des Cortex-Systems: Da kommt schnell die Frage auf, was auf den restlichen 177 vollfarbigen und mit Bildern aus der Serie versehenen Seiten steht. Ganz einfach: alles, was man zum Spielen benötigt. Das Regelwerk startet mit einem Inhaltsverzeichnis, das genau so bunt ist, wie der Rest des Buches, jedes Kapitel erhält seine ganz eigene Farbe. Im Anschluss an den Index gibt sich Sara Gamble, eine Autorin der Serie, im Vorwort die Ehre und wünscht nicht nur den Spielern viel Spaß, sondern spricht auch über ihre Zufriedenheit darüber, dass ein Rollenspiel zur Fernsehserie erschienen ist.
In Kapitel eins beginnt der eigentliche Roadmovie durch das Regelwerk. Die Welt der Serie wird aus Sicht eines Jägers beschrieben und hier werden nicht nur Monster sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika vorgestellt. Auch der Fan der Serie entdeckt einiges Interessantes zum Nachlesen. Kapitel zwei widmet sich dem Cortex-System und Kapitel drei und vier schließlich der Charaktererschaffung inklusive der Charaktereigenschaften. Am Ende von Kapitel vier werden schließlich vier vorgefertigten Charaktere, nämlich die drei Winchesters und Bobby Singer, zur Verfügung gestellt. Kapitel fünf ist das Ausrüstungskapitel. Es führt die Regel zum Lebensstil, also den Ressourcen, ein, bevor die Werte und Beschreibungen der einzelnen Ausrüstungsgegenstände in Tabellen und Fließtexten näher erläutert werden. In Kapitel sechs trifft man auf vertiefende Regeln; also leider doch nichts mit nur sieben Seiten Regeln. Hier wird der Kampf ebenso detailliert beschrieben, wie auch der Einsatz von Plotpunkten, Regel zu Lebenspunkten und zu Angstreaktionen. Monster können einen nämlich nicht nur körperlich sondern auch geistig verletzen. Die letzten drei Kapitel sind dem Spielleiter vorbehalten. In Kapitel sieben wird seine Rolle verdeutlicht, er bekommt Tipps zur Erzeugung von Spielstimmung und Informationen zum Kreieren von Abenteuern für seine Gruppe. Kapitel acht und neun widmen sich den Monstern, den normalen Tieren, den Menschen, denen man auf seiner Fahrt durch die Staaten begegnet, und den Orten, die dabei aufgesucht werden. Der anschließende Index, der wirklich alle Begriffe abdeckt, ist das Sahnetüpfelchen.

Es ist wirklich ein Genuss, das Regelwerk zu lesen, denn das Buch ist nicht nur komplett in Farbe und mit Fotos ausgestattet, auch der Schreibstil ist durchgehend gelungen und vor allen Dingen fehlerfrei. Selbst die Regelpassagen sind so geschrieben, als würde ein Jäger aus der Serie einen Neuling aufklären. Das ist so unterhaltsam, da fällt einem kaum auf, dass man gerade die Regel zu einem Attribut oder zum Kampf in Dunkelheit liest. Kein Wunder, dass man nach dem Genuss des Buches sofort die letzten Seiten, die mit dem Charakterbogen, kopieren und sich einen Charakter basteln will, um dann mit dem Spielen zu beginnen. Hat man keine Lust zum "Charakter-Eigenbau", bleiben noch die Winchesters und Bobby, die ja als Beispielcharaktere zur Verfügung stehen. Das ist das einzige an diesem Buch, was ich etwas kritisch sehe, denn eigentlich mag ich persönlich keine Figuren aus Serien im Rollenspiel. Für Margaret Weis Productions ist dies aber typisch und als Spielleiter hat man ja sowieso immer die Chance, sich gegen diese vorgefertigten Charaktere auszusprechen.

Fazit: Jamie Chambers und Margaret Weis Productions haben mit dem Supernatural Role Playing Game wieder einmal ein eine gelungene Umsetzung einer Fernsehserie zustande gebracht. Vollfarbig und mit Fotos aus der Serie ausgestattet, ist das Buch aber nicht nur ein Hingucker, es ist auch ein Lesegenuss, denn geschrieben ist es aus Sicht eines Jägers. Das macht selbst das Lesen der Kampfregeln des einfachen Cortex Systems zu einem Vergnügen. Dass die Beispielcharaktere ausgerechnet die Protagonisten der Fernsehserie sind, ist dabei für einige, inklusive mich, sicher ein Manko, andere freuen sich bestimmt auf die Gelegenheit Dean und Sam selbst zu spielen. Auf jeden Fall ist das Buch eine lohnenswerte Investition nicht nur für Fans der Serie.




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