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Nihavand - Die Perle Arans
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 18.04.2011, Serie: Rollenspiel, Autor(en): , Verlag: Verlag für F&SF Spiele, Seiten: 164, Erschienen: 2010, Preis: 24,95 EUR


Unter seinen Anhängern ist das älteste deutsche Rollenspiel Midgard für seine hochwertigen Quellenbücher und Regionalbeschreibungen bekannt. Anstatt die potentiellen Käufer mit Dutzenden Abenteuerbänden zu bewerfen, setzt man eher auf Klasse statt Masse und bringt hochwertiges Quellenmaterial heraus, auf dessen Grundlage der geneigte Spielleiter seine eigenen Ideen entwickeln kann. Natürlich gibt es auch Midgard-Abenteuerbände, die ausgearbeitete Handlungsbögen bieten, aber es sind doch eher wenige.

In gewisser Weise bewegt sich "Nihavand – die Perle Arans"zwischen diesen beiden Polen. Das Quellenbuch gliedert sich nämlich in drei Teile: Wie ein Mikroskop betrachtet es Aran und die Stadt Nihavand auf drei verschiedenen Vergrößerungsstufen mit unterschiedlichem Detailreichtum. Während der erste Abschnitt des Buches das Leben und die Sitten des Landes Aran schildert, widmet sich der zweite Teil der Stadt Nihavand im Allgemeinen und berichtet von den Eigenheiten der Stadt und den Lebensumständen darin. Der dritte Teil liefert spezifische Zustände, Geschehnisse und Ereignisse in der Stadt in Form zweier Abenteuer, die der Spielleiter nutzen kann, um seine Spieler in die Stadt einzuführen.
Die Dreiteilung mag zunächst seltsam oder willkürlich wirken, hat jedoch einen sehr großen Vorteil: Sie liefert in jeder Detailstufe verwertbare Informationen, lässt dabei aber immer genug Freiraum für den Spielleiter, seine eigenen Ideen zu verwirklichen. Die Stadt Nihavand mag sehr genau geschildert sein, aber weil der Rest des Landes nur grob beschrieben ist, kann der Spielleiter sich leicht eine andere Stadt ausdenken und hat dadurch genaue Schilderung neben weißen Flecken. Genauso beschreiben die beiden Abenteuer natürlich nur zwei Ereignisse in der Stadt, schildern jedoch Gruppierungen und Tendenzen, anhand derer sich der Meister alles Weitere überlegen kann.

Der erste Abschnitt "Kleine aranische Landeskunde" bietet alles, was nötig ist, um die Region glaubwürdig darstellen zu können. Angefangen mit der Geographie des Landes, über Flora und Fauna des Gebietes bis hin zu Sitten und Bräuchen der Bevölkerung findet sich hier eine Vielzahl von Informationen. Das ganze liest sich wie eine Abhandlung aus dem Erdkundeunterricht, nur dass diese ein fiktives Land schildert. Die Wirtschaft, die Kultur und Kunst, die Bildung und die Wissenschaft werden analysiert, Gesellschaftsschichten und politisches System beschrieben. Ein ganzes Kapitel wird auch auf die Religion Arans aufgewendet. Ihr Weltbild, ihre Überzeugungen und ihre Institutionen werden erläutert.
Dieser erste Teil des Buches ist hochwertig geschrieben, liefert aber schon geradezu zu viele Informationen. Trotz eines recht brauchbaren Index im Anhang des Buches, verliert man hier schon leicht einmal den Überblick.

Der zweite Abschnitt beschreibt schließlich die titelgebende Stadt Nihavand – die Perle Arans. Die einzelnen Stadtviertel sowie die Verwaltung der Stadt werden umschrieben, wichtige Persönlichkeiten jedoch nur erwähnt und erst in einem Anhang ausführlicher geschildert. Dies hat vermutlich vor allem den Sinn, dass sich der erste und der zweite Teil des Buchs, die von verschiedenen Autoren verfasst wurden, nicht doppeln oder gar widersprechen.
Die Schilderung der Stadt ist informativ und sehr viel detaillierter als jene des ganzen Landes Aran. Dadurch ist jedoch die Relevanz für das tatsächliche Spiel häufig sehr viel fragwürdiger.

Der dritte Abschnitt des Buches liefert zwei Abenteuer, auf deren Inhalt hier nicht genauer eingegangen werden soll, da es sich hier prinzipiell um die Rezension eines Quellenbandes handelt, die daher auch von Spielern gelesen werden soll. Dafür darf hier erwähnt werden, dass das erste Abenteuer eine deutliche Ausrichtung auf Investigation aufweist, während das zweite zwei parallele Handlungsstränge bietet, zwischen denen man wählen kann. Zusätzlich bilden beide auch wissenswerte Details der Stadt ab, schildern beispielsweise eine typisch aranische Hochzeit oder die Gepflogenheiten in der örtlichen Kirche. Damit stellen sie gewissermaßen eine Fremdenführung durch Nihavand für die Spieler dar.

Den Abschluss des Buches bilden einige Anhänge, die neben typische Elementen wie Bestiarium und Nichtspielercharakterliste auch eine Seite mit aranischen Wörter und deren Übersetzung.

Die Aufmachung des Quellenbuchs ist hochwertig schwarzweiß gehalten, wenn die Bebilderung auch sehr sparsam ist. Dafür ist die mitgelieferte Karte in Vollfarbe und Hochglanz. Der Schreibstil der beiden Autoren liest sich flüssig, wenn er auch merklich unterschiedlich ist.

Fazit:
Ein lesenswertes Quellenbuch. Auch wenn es eine Region Midgards beschreibt, die eher selten bespielt wird, kann der Spielleiter hier sorgenlos zugreifen und sich davon überzeugen lassen, seine Kampagne auch einmal orientalisch zu gestalten.




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