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The Red Star 4: Schwert der Lügen
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 02.01.2011, Serie: Comics, Autor(en): Christian Gossett, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 208, Erschienen: 2010, Preis: 29,80 EUR


Das epische SciFi Märchen, das die russische Geschichte in einem, sagen wir Alternativuniversum, nacherzählt, geht in seine nächste Phase. Nachdem der Wolkenbrüter Konstantinov in das Geisterreich eingetreten ist, ziehen Troikas weltliche und außerweltliche Schergen alle Fäden, um den Vorstoß der Rebellen zu verhindern. Wo im dritten Band alles auf einen finalen, vierten Band hinauslief, der in einer vermutlichen, noch epischeren Schlacht gipfeln sollte, wird der Leser doch noch etwas hingehalten.

Bis auf wenige Zwischensequenzen, die vor allem den Einstieg und den Abschluss des Bandes darstellen, ist Schwert der Lügen ein gigantischer Rückblick. Dies wird schon deutlich, wenn man die ersten Seiten des üppigen Hardcoverbandes aus der deutschen Comicschmiede Cross Cult aufschlägt. Denn erst einmal gibt es keine Panels, sondern ausführliche Charakterbeschreibungen samt Timeline zu den vergangenen Ereignissen, die aus Sicht des Lesers aber erst noch kommen mögen. Dies dient zum Einen dazu, die lange Zeit, die man zwischen dem letzten Band mit Warten zubringen musste, zu überbrücken und die Geschehnisse wieder aufzufrischen, zum Anderen dazu, jenen Charakteren Tiefe zu verleihen, die bisher noch nicht näher behandelt wurden. Das ist gut so, denn alleine aus diesem Appetizer könnte man mindestens einen neuen Band schustern.

Die Thematik, der sich dieser vierte Band der Sage schließlich widmet, ist eines der einschneidensten Ereignisse der russischen Geschichte – die Revolution, wie sie hätte sein können. Das Sprichwort "Die Revolution frisst ihre Kinder" passt aber auch hier perfekt. Vor allem geht es um die Geschichte Imbohls, des roten Helds des Umbruchs, und dessen Erbe, das von seinen Nachfolgern missbraucht wird.
Soweit also die deutlichen Parallelen zu "unserem" Russland. Aber wir befänden uns hier nicht in einem SciFi-Märchen, wenn diese Geschichte nicht mit einem Batzen technologischer und metaphysischer Errungenschaften überlagert wäre. Auch hier werden dem Leser, der in den vorherigen Bänden sabbernd vor den schier unglaublichen Megapanels saß, die Augen geöffnet. Denn alle Zauberei, sei sie gut oder schlecht, kommt mit einem Opfer daher, das bitterer nicht sein könnte.

Damit sind wir gleich beim Stichwort – üppig, episch, fast erdrückend, wie immer man es beschreiben möchte; diese Serie war schon immer eine Augenweide und ist ohne zu Untertreiben die Speerspitze grafischer Comic-Gestaltung. Dies liegt einerseits an den großformatigen Panels, die perfekt inszeniert werden. Wo auf einigen Seiten Klein-Klein dominiert, prangt beim Umblättern plötzlich ein gigantisches Bild auf der nächsten Doppelseite. Ab und an wird plötzlich die Leserichtung verschoben und das Buch muss um 90 Grad gedreht werden. Diese Hektik kommt dann auch in der Geschichte zum tragen. Man fragt sich ab und an, ob die Geschichte die Bilder bestimmt oder umgekehrt.

Dabei geben sich klassische Strichzeichnungen und Computerelemente die Klinke in die Hand. Alles verschmilzt nahezu unbemerkt zu großer Comic-Kunst at its best. Dies wird umso deutlicher, wenn man sich das gewohnte Making-Of im Anhang näher anschaut. Christian Gossett lässt sich ganz bewusst von realen Bauwerken, Uniformen und Technologien Russland inspirieren – Stalins Arbeitslager, Szenen des Ersten Weltkriegs, russische Propaganda, alles findet sich wider. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass WETA, die schon Herr der Ringe auf der Kinoleinwand grafisch inszenierten, hier ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellten.

Fazit: Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, The Red Star muss man einfach gelesen haben. Jeder Band ist anders als der vorhergehende, aber alle sind enorm episch. Auch von der Geschichte abgesehen, sind alleine schon die Bilder große Kunst. Ich habe eine Menge Comics, illustrierte Romane und Grafic-Novels gelesen, aber für diese Serie sollte wohl ein neuer Begriff geboren werden, auch wenn mir gerade keiner einfällt, um dieses Erlebnis zu beschreiben – unbedingt empfehlenswert!




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