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Kings & Things
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 08.02.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Tom Wham, Rob Kuntz, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2010, Preis: 31,98 €


Die Geschichte des Spielerklassikers Kings & Things reicht bis in das Jahr 1983 zurück, als es erstmalig als Beilage zur bekannten Zeitschrift Dragon erschien. 1986 folgte dann die Geburt als eigenständiges Spiel, das aber seine Herkunft aus der damaligen Weltrollenspielschmiede Nr.1, TSR (D&D und AD&D), nicht verleugnen konnte. Konfliktsimulationsspiele im Sandkasten waren die Urväter des TSR-Rollenspiels und Kings & Things ist eine der gelungensten Karikaturen der Simulationsspiele. Es geht zwar immer noch grundsätzlich um das Erobern von Gebieten, das aber vor einem nicht ernst gemeinten Hintergrund:

"Einst waren Kadabs Länder [die Welt von Kings & Things] mit schönem Wetter gesegnet. Und wir meinen: wirklich schön! Es war so schön, dass Leute (und Dinge) aus der ganzen Welt herbeiströmten, um sich hier niederzulassen und sich in der Sonne zu aalen. Dann aber zerstörte ein bedauerlicher Unfall, der ‘Große Bums’, die Yazilik-Universität - das magische Lehr- und Machtzentrum des Reiches. Als die Schule im Jahr 250 in die Luft flog, setzte sie mehrere gegensätzlich wirkende Fruchtbarkeitszauber frei, die Kadabs Klima und seinen Landschaftscharakter gründlich auf den Kopf stellten. Frostige Eiswüsten liegen jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft von dampfenden Dschungeln, und gewaltige Sandwüsten grenzen übergangslos an grüne Ebenen."
(aus der Spielanleitung der deutschen Ausgabe von Pegasus-Spiele 2010)

Da verwundert es kaum, das die Armeen, die im Auftrag der Spieler Gebiete erobern, teils aus Munchkin-ähnlichen Figuren bestehen: Mörderpinguin, Schleimbestie, Babydrache, ... . Die graphische Gestaltung der Auflage von 2010 aus dem Hause Pegasus setzt diese Eigenart von Kings & Things nun auch zeitgemäß gelungen um. Die 2001-Version aus dem gleichen Verlag, die ansonsten inhaltlich identisch sein soll, kam da noch deutlich biederer und optisch auf Highfantasy eingestimmt daher.
Zu erwähnen wäre noch, dass Die Siedler von Catan anscheinend von Kings & Things inspiriert ist. Bei beiden Spielen gibt es keine festes Spielbrett, sondern ein Feld, das aus Sechsecken immer neu entsteht. Damit ist taktisch für nie endende Abwechslung gesorgt.

Vom Ablauf her ist Kings & Things eine klassische Konfliktsimulation. Die Spieler beginnen mit einem kleinen Einflussbereich auf dem Spielbrett, den sie erweitern müssen, um ihre wirtschaftliche (Steuersumme) und militärische Stärke (Armee- und Heldenstandorte) zu erhöhen.
Warum heißt das Spiel Kings & Things? Alle im rundenbasierten Spielverlauf erworbenen Dinge (Wesen, Ereignisse, Schätze, Magie- und Einkommensmarken, Städte und Dörfer) kann man ausspielen, um ihre Funktionen nutzen zu können. Ziel ist es, Festungen zu errichten - in dieser Reihenfolge: Turm, Kastell, Burg, Zitadelle. Hat man als einziger eine Runde lang eine Zitadelle im Besitz, ist man neuer König.
Dieser grundsätzlich einfache Mechanismus ist aber durch eine Vielzahl an taktischen Möglichkeiten, die auch immer wieder neu kombiniert werden können, gespickt, so dass eigentlich keine Langeweile aufkommen kann. Die Gliederung des Spiels in Runden mit einzelnen Phasen (Steuern einnehmen, Helden anwerben, Dinge anwerben, Ereignisse ausspielen, Heerhaufen bewegen und Kämpfen), von denen aber nur die Steuereinnahmen und das Dinge anwerben verpflichtend sind, schafft dazu die Ordnung, damit Kings & Things nicht unübersichtlich wird.

Wer sich über den vergleichsweise hohen Preis des Spiels wundert, dem sei gesagt, dass Kings & Things dafür eine erstklassige Ausstattung bietet: hunderte Spielmarken, rund 60 Wappenanzeiger aus Holz, 32 Festungen aus Kunststoff, Sichtschirme im Festungsdesign, Würfel, der Stoffdingebeutel, etc. Die Ausstattung ist so reichhaltig, dass man wirklich ungewöhnlich viel Zeit braucht, um vor dem ersten Spiel alle Komponenten auch spielfertig zu bekommen.

Fazit: 27 Jahre und kein bisschen verstaubt - das ist Kings & Things. Jeder, der Taktikspiele liebt, aber auch damit leben kann, dass sich das Spiel nicht allzu ernst nimmt, in dessen Sammlung darf dieser Klassiker einfach nicht fehlen. Und alle anderen sollten einen Blick riskieren, um sich von Kings & Things beweisen zu lassen, dass ein Konfliktsimulationsspiel keinesfalls trocken und langatmig sein muss. Insgesamt bekommt hier jeder ein vollkommen ausgereiftes, graphisch tolles Spiel mit extrem hohem Wiederspielwert. Die Ausstattung kann bei pfleglicher Behandlung die nächsten 27 Jahre auf jeden Fall überstehen.




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