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Don Quixote
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 25.01.2011, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Reinhard Staupe, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2010, Preis: 25,00 €


Don Quixote ist das dritte Spiel von Pegasus Spiele, das in den letzten zwei Jahren die Aufmerksamkeit der Jury "Spiel des Jahres" erringen konnte; in diesem Fall fand es den Weg auf die Empfehlungsliste des Jahres 2010.
Der erste Blick in die mittelgroße Schachtel zeigt ein grafisch sehr ansprechendes Spiel, das für bis zu vier Spieler geeignet ist, das man aber - dem Aufdruck nach - auch allein spielen kann.
Ein wenig verwundert wirft man einen Blick auf die enthaltenen Materialien. Für jeden Spieler ist ein Satz von 24 rechteckigen Plättchen vorhanden, von denen er zunächst zwei (die so genannten Burgen) auf ein Fürstentum (oder profaner: Spielbrett) mit 24 Feldern ablegt.
Auf welche der von A1 bis H3 "durchnummerierten" Felder die Plättchen abgelegt werden, entscheidet man anhand eines Stapels von ebenfalls 24 Karten, auf denen die möglichen Zielfelder abgedruckt sind und die der Reihe nach aufgedeckt werden.
Nach dem Ablegen der Burgen wählen die Spieler aus den verbleibenden und verdeckten 22 Plättchen zufällig neun weitere, mit denen sie anschließend die erste Runde spielen. Es wird immer eine der "Nummern-Karten" aufgedeckt, und alle Spieler können aus den nach dem Ziehen offen liegenden Plättchen ein beliebiges auswählen, das sie auf dem entsprechenden Feld platzieren wollen. Ein einmal gelegtes Plättchen kann danach nicht mehr entfernt oder gedreht werden.
Sobald alle offen liegenden Plättchen abgelegt sind, kommt es zu einer Wertung.
Die Spieler erhalten Punkte für Windmühlen und Kirchen, die durch Straßen miteinander verbunden sind, ebenso für Ritter, die entweder die Grenzen seines Fürstentums verteidigen (also am Rande des Spielfeldes liegen) oder die über Straßen mit den beiden Burgen verbunden sind.
Nach dieser Wertung wird mit sieben neuen Plättchen weiter gespielt, danach erneut gewertet, und schließlich werden die letzten sechs Plättchen gelegt, bis zur abschließenden Wertung.
Derjenige, der am Ende die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt das Spiel.

Wie man aus dieser Beschreibung bereits sehen kann, ist Don Quixote ein einfach gehaltenes Spiel, dessen Mechanismen eine Mischung von Take it easy und Carcassonne darstellen.
Leider ist durch die zufällige Auswahl der zur Verfügung stehenden Karten ein relativ großer Glücksfaktor im Spiel, der vor allem dann als störend empfunden wird, wenn das Glück dem einen Spieler besonders zulächelt und dem anderen eine lange Nase zeigt. So kann bisweilen schon mit den ersten neun Plättchen eine Runde so sehr kippen, dass der eine oder andere Spieler nicht mehr zu den anderen aufschließen kann, weil ihm bestimmte Zug- und Wertungs-Möglichkeiten bereits verbaut sind.
Das Spiel ändert sich dramatisch, wenn die Spieler sich darauf einigen, dass man unter allen zur Verfügung stehenden Plättchen wählen darf. Dann geht es wirklich nur noch um das taktische Gefühl oder den Wagemut jedes Einzelnen, und die Punkte bei den einzelnen Wertungen fließen in größeren Mengen. Ob dies im Sinne des Spiel ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es erinnert dann jedoch sehr stark an eine erweiterte Version von Take it easy.
Welche Auswahl an Plättchen man jedoch auch hat, man muss sich bewusst sein, dass es in diesem Spiel keinerlei Interaktion zwischen den Teilnehmern gibt. Jeder spielt auf seinem eigenen Brett vor sich hin, und dann wird irgendwann gewertet. Man kann sich also nicht wie bei Carcassonne in die Pläne des anderen einschalten und ihm Punkte stehlen; man kann nur für sich selbst sorgen.
Allerdings ist Don Quixote damit natürlich perfekt als Solitär-Spiel geeignet, ohne dass man irgendwelche Regeln ändern müsste.

Leider bietet das Spiel keine wirklich neuen Elemente, sondern bedient sich vor allem bereits bekannter Motive, die sich nicht immer zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen. Auch der gewählte Hintergrund wirkt eher bemüht als organisch mit dem Spiel verbunden, denn was Don Quixote, der etwas verwirrte spanische Möchtegern-Ritter, mit dem Spiel Don Quixote zu tun hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.




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