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Vergessene Reiche: Tiefwasser - Schwarzstabs Turm
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 10.04.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Ed Greenwood und Steven E. Schend, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 383, Erschienen: 2010, Preis: 11,95 EUR


Als Ed Greenwood 1967 die ersten Worte zu den Vergessenen Reichen schrieb, konnte er noch gar nicht absehen, welche Entwicklung seine Welt nehmen wird und welchen Einfluss seine Kindheitsideen auf mehrere Generationen Rollenspieler haben würden. Offiziell veröffentlicht ab 1979, war es aber nicht nur die Welt, die in aller Munde war, sondern auch die Protagonisten und Antagonisten, die sowohl in Romanen als auch in Quellenbüchern auftauchten. "Elminster Aumar" ist dabei sicherlich der bekannteste, aber auch "Khelben "Schwarzstab" Arunsun" ist kein Unbekannter.

Mit der vierten Edition des Rollenspiels D&D schritt die Zeitlinie in den Vergessenen Reichen um mehr als 100 Jahre voran. Dieser Schritt brachte große Veränderungen mit sich und bietet, neben einer veränderten Welt, Autoren die Chance diese veränderte Welt mit neuen Protagonisten und Antagonisten zu bevölkern und neue Geschichten zu schreiben. Gemeinsam mit Ed Greenwood hat sich Steven E. Schend Tiefwasser, die Metropole der Vergessenen Reiche, angenommen und schreibt darin die Geschichte des Schwarzstabs weiter, die Ed Greenwood viele Jahre vorher begonnen hatte. Der vorliegende Roman ist dabei Band 1 einer neuen, vierteiligen Reihe über Tiefwasser, die in Deutschland von Feder&Schwert übersetzt und vertrieben wird.

Nach einem Vorwort von Ed Greenwood, in dem dieser nicht nur die Geschichte der Entstehung der Vergessenen Reiche wiedergibt sondern auch den Autoren dieses Buches vorstellt und begründet, wieso dieser der beste für diesen Roman ist, steigt der Roman gleich voll ins Geschehen ein. Eine Gruppe Magier attackiert den aktuellen Schwarzstab, Samark, und seine Geliebte, Vajra Safahr, mit dem Ziel nicht nur den Schwarzstab zu töten sondern auch seine Macht und damit auch seinen Turm für ihre Auftraggeber zu erlangen. Der Schwarzstab stirbt, seine Geliebte wird entführt und es wird mit allen Mitteln versucht ihren Willen zu brechen, um das Geheimnis um Schwarzstabs Turm zu lösen. Vajra ist aber kaum in der Lage Fragen zu beantworten, in ihrem Kopf herrscht nämlich Chaos und die Verschwörer werden immer ungeduldiger.
Ein Zufall will es, dass Laraelra Harsard, die Tochter eines einflussreichen Gildenoberen, und der Söldner Meloon Kriegsdrache in der Kanalisation die Schreie der gefolterten Varja hören und der Sache nachgehen und herausfinden, dass das Haus, unter dem die Folter stattfindet, den Neverembers gehört.
Genau dann kommt Renaer Neverember, der Sohn des unmaskierten Fürsten von Tiefwasser, Dagult Neverember, ins Spiel. Renaer ist nicht gerade ein Vorzeigesohn, viel eher ist er das Schwarze Schaf der Familie, denn er interessiert sich mehr für das Streiche spielen und Spaß mit seinem Freunden haben im Allgemeinen. Zu ihm gehen Laralera und Meloon, um ihn auf die Folter aufmerksam zu machen.
Gemeinsam gehen sie der Sache auf den Grund und stellen fest, dass die Folter unter den wachsamen Augen des Schwarzstabs und des Gildenmeisters des Wachsamen Ordens der Magister und Beschützer stattfindet. Ein Rückzug ist bei einer solchen magischen Überlegenheit angebracht und ein neuer Plan muss her. Dieser Plan führt die neuen Verbündeten nicht nur enger zusammen, sondern auch durch die Straßen Tiefwassers, in die Kanalisation unter Tiefwasser, in Gebiete, die seit vielen Jahren als magisch unsicher gelten, und natürlich auch in Schwarzstabs Turm, von dem aus ein neuer Schwarzstab bald die Geschicke der Stadt lenken wird. Es bleibt nur die Frage, auf welcher Seite dieser Schwarzstab stehen wird. Intrigen, Gewalt, Gefühle und jede Menge Magie sind dabei die Leitmotive und viele Geheimnisse und Geschichten werden bis zur Ernennung des neuen Schwarzstabs erzählt.

Steven E. Schend ist wirklich eine gute Wahl gewesen. Nicht nur schafft er es den Spannungsbogen immer hochzuhalten, er schafft es auch die Charaktere und deren Entwicklung und Veränderung glaubhaft darzustellen. Dabei verbindet er die bereits genannten Stützen der Spannung, Intrigen, Gewalt und Gefühle so geschickt, dass man nicht nur mit den Protagonisten fühlt, sondern auch mit einigen Antagonisten und sogar mit Nebencharakteren. Die Aufmachung des Buches ist ebenfalls gelungen. Zwar ist das Cover nichtssagend, wirkt aber dennoch ansprechend. Die Kapitel sind schön eingeleitet, sowohl grafisch als auch schriftlich, jedes Kapitel wird nämlich mit einem Zitat eingeleitet, diese Zitate von berühmten Bewohnern Tiefwassers, geben auf ihre Weise die Entwicklung der Stadt und der Schwarzstäbe in den letzten 100 Jahren und darüber hinaus wieder. Die Übersetzung selbst ist gelungen und auch die Fehler, die man bei Feder&Schwert sonst hin und wieder findet, sucht man hier vergebens.

Fazit: Schwarzstabs Turm, als erster von vier Romanen über Tiefwasser, geschrieben von Steven E. Schend und Ed Greenwood und übersetzt von Feder&Schwert, ist ein sehr gutes Buch. Spannend bis zum Ende, voller Intrigen, Kämpfe, Magie und Gefühlen und gefüllt mit interessanten Protagonisten und Antagonisten, lässt es 100 Jahre Geschichte im Zeitraffer vorbeifliegen und erzählt die Geschichte des neuen Schwarzstabs und neuer Helden Tiefwassers auf eine Art und Weise, die einen nur auf eines hoffen lässt, nämlich Band 2.




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