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Heredium: Neue Ufer
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 10.07.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Andreas Schnell, Verlag: 13Mann Verlags- und Grosshandelsgesellschaft mbH, Seiten: 298, Erschienen: 2010, Preis: 9,95 EUR


Welten, die am Untergehen oder bereits untergegangen sind und nur wenige Menschen um das weitere Überleben kämpfen, sind seit vielen Jahren immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Filme und Serien, Bücher, Comics, Computer-, Brett- und Rollenspiele und viele weitere Medien haben sich dieser Thematik angenommen und in allen unterscheidet sich die Art und Weise wie es zur Apokalypse kam oder noch kommt zum Teil deutlich. Zombies, Unfälle, der Mensch selbst, Naturkatastrophen, alles ist vertreten und alles gleich (un-)realistisch.

Heredium, so der Name des Rollenspiels, das dem Roman Neue Ufer, von Andreas Schnell, der auch das Rollenspiel geschrieben hat, als Grundlage dient, ist eine Welt, die die Apokalypse überstanden hat und in der die Menschen jetzt in einer Welt leben, die sich gegen sie und ihre Handlungen wehrt.
Beinahe 200 Jahre in der Zukunft explodiert der Mond und ein großer Teil des Erdtrabanten wird in Richtung Erde geschleudert und verpasst diese nur knapp. Aber auch das knappe Verpassen hatte aber weit reichende Folgen: Die Erde wurde aus ihrer Bahn geworfen und Naturkatastrophen ließen Systeme zerfallen und Staaten zerbrechen, zum Teil auch im wortwörtlichen Sinn. Nach einer chaotischen Phase findet die Erde ihr Gleichgewicht wieder, ihr Gesicht hat sich aber auf ewig verändert. Nur noch fünf große Zivilisationen existieren und die Natur selbst scheint erwacht zu sein und sich gegen den Menschen zur Wehr zu setzen.

In diese Welt hinein, genauer in Hirohito City, erwacht Lennard, der Protagonist des Romans, nach mehr als zehn Jahren im Koma, in denen er neben dem Mondfall natürlich auch all die anderen Umwälzungen verpasst hat, die währenddessen geschehen sind. Doch bevor er viel über die neue Situation erfahren kann, wird zum ersten und nicht zum letzten Mal ein Anschlag auf sein Leben verübt, den er nur dank der Krankenschwester Jenny überlebt, die ihn zur Flucht verhilft. Gemeinsam müssen die beiden dann vor der Justiz und den, an die Yakuza erinnernden, Syndikaten fliehen, die die Stadt beherrschen. Doch auch außerhalb der Stadt sind sie nicht sicher, Kannibalen und die Monster, die außerhalb der sicheren Städte leben, schließen sich den anderen Verfolgern bald an. Neben Lennards Vergangenheit, die ihn ins Koma gebracht hat und den Kampf um das Überleben, geht es in dem Buch auch um Freundschaft, Liebe, Verlust und eine besondere Begabung.

Bei Büchern, die den Leser in eine neue Welt einführen, ist es immer problematisch die Welt so zu beschreiben, dass der Leser nicht das Gefühl hat, mit Informationen überschüttet zu werden beziehungsweise dass der Autor das Problem hat diese Erklärung passend in das Buch einzubinden. Neue Ufer umgeht das geschickt. Hier muss der Protagonist informiert werden und dadurch wird auch der Leser informiert und kann sich so einerseits recht gut in die Welt und andererseits auch intensiv in den Protagonisten hineinversetzen. Dieser Protagonist ist dementsprechend auch der rundeste Charakter, aber auch die anderen entwickeln sich nicht weniger stark. Das Geheimnis um Lennard wird langsam aufgedeckt und der Leser verliert dabei nie das Interesse an diesem Geheimnis. Auch die Flucht ist äußerst spannend geschildert und gerade die Verluste, die Lennard dabei erleidet, können den Leser durchaus mitnehmen, weil man sehr mitleidet, und führen auch dazu, dass der Leser gespannt auf die nächsten Geschehnisse wartet. Der Spannungsbogen bleibt deshalb auch durchgehend im oberen Bereich und da das Buch einen Folgeband zwingend notwendig macht, ist der Bogen auch dann noch hoch.

Fazit: Andreas Schnell, als Erschaffer der Rollenspielwelt Heredium, hat mit Neue Ufer, dem Roman zum Rollenspiel ein Buch geschrieben, das Spielleiter ihren Spielern ans Herz legen können, wenn sie die Welt kennen lernen sollen beziehungsweise wollen, das aber auch für Leser von postapokalyptischen Romanen einiges zu bieten hat: nämlich Spannung, runde Charaktere und eben eine neue Welt. Ich warte gespannt auf Band Zwei.




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