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Windgeflüster Abenteuerband 1
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 11.11.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Oliver P. Bayer (Hrsg.), Verlag: Gilde der FantasyRollenspieler e.V., Seiten: 37, Erschienen: 2002, Preis: 2,50 Euro


Ein bisschen fühle ich mich an die Vergangenheit des Rollenspielfandoms erinnert, als Rollenspielzeitschriften noch weniger Seiten hatten und alle das o.k. fanden. Ich tue es übrigens heute noch. Die Windgeflüster-Sonderausgabe ist mit ihren 40 Seiten und Vierfarbhochglanzcover und Offsetdruckqualität im Inneren preislich angemessen und erscheint in der regulären Ausgabe auch recht häufig.

Anfangs etwas verwirrend war das Inhaltsverzeichnis für mich. Dort finden sich nämlich zwei Verzeichnisse, eins für den Sonderband und eins für die aktuelle Windgeflüster 50. Letzteres hat dasselbe doppelte Verzeichnis, vermutlich als Werbung gedacht. Sonst wüsste ich keine Erklärung.

Den Kern des Heftes bilden das Cthulhu-Abenteuer "Dichterherbst" von Michael Wehren und Roland Bahr sowie das Earthdawn-Abenteuer "Der Schlächter von Gelbbronn". Dazu kommen eine Con-Info und Redaktionelles zur GFR. Aber zurück zu den Abenteuern:

18 Seiten umfasst der "Dichterherbst" und spielt im September 1928 in Berlin. In den Vorbemerkungen wird das Abenteuer merkwürdigerweise plötzlich als Szenario bezeichnet, wohl weil es sich aus Szenen zusammensetzt. Aber das ist eine Formfrage. Die Geschichte ist sehr übersichtlich gestaltet, eine Freude für Spielleiter, und bietet einen zunächst durchweg trivialen Kern. Ein junger erfolgloser Dichter und Drogenkosument à la Paul Verlaine liebt die Tochter eines Fabrikanten. Dann taucht der Sohn eines wichtigen Geschäftspartners auf, macht der Tochter den Hof und drängt den Schriftsteller mit Hilfe belastender Nachforschungen eines Detektivs und zweier Unterweltgestalten beiseite. Als der Schnüffler später den inzwischen völlig heruntergekommenen Schriftsteller wiedertrifft, regt sich sein Mitgefühl und er berichtet der Fabrikantentochter von der Intrige. Hier endet die Trivialität: Von der Tochter beauftragt, ihren Ex-Geliebten wiederzufinden, ereilt den Detektiv ein übles Schicksal. Der Schriftsteller steht nämlich im Bann eines Artefakts, das die Grenze zwischen Realität und Traum aufweicht, und hat den Detektiv einfach in seine Traumwelt aufgesogen. Die Spielercharaktere können sich auf ein skuriles und spannendes Abenteuer freuen. Die Idee ist nicht neu (siehe bei Dragonlance: Loracs Wald/Dt. Dragon "Genocide" oder DSA "Traumlabyrinth") aber immer wieder reizvoll.

Das zweite Abenteuer, "Der Schlächter von Gelbbronn", hat elf Seiten und auch ansonsten einiges weniger zu bieten. Die Illustrationen sind nicht so gut, das Layout ebenfalls nicht. Dasselbe gilt auch für den Schreibstil und die Story. Ein Dorf wartet auf die Rückkehr eines Dämonenjägers, der schließlich Dorfbewohner tötend auch auftaucht. Das sät natürlich Angst und Hass. Tatsächlich war der Dämonenjäger nicht er selbst, sondern die Illusion eines Dämons. Als der echte Jäger schließlich heimkehrt, wird er gefangen gesetzt und soll hingerichtet werden. Die Spielercharaktere fleht er um Hilfe an. Die Lösung: Der Dämon wird gekillt. Darauf läuft es am Ende hinaus. Der Zeitrahmen ist auch etwas merkwürdig, denn der Großteil des Abenteuers findet Platz innerhalb von gut zwölf Stunden (Suche nach Dämon, Nachforschungen, Rückkehr zum Dorf) und wird nur möglich durch ein Dimensionstor, das den Rückweg von einem Kaer zum Dorf erspart. Ich frage mich nur, welche Motivation die Spieler haben, einen Weg zu wählen, der bei einfacher Zeitkalkulation für Hin- und Rückweg den sicheren Tod des Jägers zur Folge hat. Von dem Dimensionstor wissen sie ja zunächst nichts. Als Entschädigung für die dünne Story, die aber earthdawntypisch ist, wird es dem Spielleiter sehr einfach gemacht, das Modul zu leiten. Die Übersicht ist tadellos.

Ein Fazit am Ende zu ziehen ist schwer, denn empfehlenswert ist eigentlich nur das Cthulhu-Abenteuer. Der Preis dafür ist aber etwas hoch, wenn man z.B. die Cthuloide Welten zum Vergleich heranzieht. Wer die exotische Spielkombination Cthulhu und Earthdawn anderen Rollenspielen vorzieht, für den lohnt sich die Anschaffung noch am ehesten. Man bastelt halt am Earthdawnmodul etwas herum.




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