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Rome - The Life and Death of the Republic
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 02.11.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Pete Nash, Verlag: Cubicle Seven, Seiten: 218, Erschienen: 2009, Preis: 28,95 €


Rom, die ewige Stadt. Keine Stadt hat die Geschichte Europas so nachhaltig beeinflusst. In der Antike waren es die Römer, die Europa als ihr Reich ansahen, im Mittelalter waren es die Päpste, die als Kopf der Christenheit die Geschicke in Europa lenkten, und selbst heute schauen Millionen Menschen auf der Welt regelmäßig nach Rom. Wie könnte diese Stadt also je vergessen werden und wie können die Autoren von Büchern jeglicher Genres nicht hin und wieder auf Rom als Handlungsort zurückgreifen?

Das dachte sich sicher auch der gebürtige Engländer und in Schweden lebende Pete Nash, der sich schon beim Rollenspiel Runequest beteiligt hatte gedacht, als er sich dem Thema Rom zugewandt hat. Nash verfolgt dabei die Devise Rom nicht als Handlungsort für seine Figuren in einem Rom zu verwenden, sondern Spielern die Chance zu geben Abenteuer in antiken Rom zu erleben.
Nash schrieb Rome – The Life and Death of the Republic als Setting für das Basic Role-Playing (BRP) System von Chaosium Inc., deshalb benötigt man zum Spielen auch das Grundregelwerk zu BRP. Alephthar Games und Cubcile 7 haben dieses Setting, lizensiert von Chaosium Inc., schließlich veröffentlich. Nicht einmal ein Jahr später gewann dieser Settingband auf der GenCon 2010 den silbernen ENnie. Wer dieses Buch liest oder schon gelesen hat, wird über diese Auszeichnung nicht überrascht sein.

Rome – The Life and Death of the Republic ist nicht einfach nur ein Settingband für BRP, es ist viel mehr Fachliteratur zur Geschichte Roms bis zum Ende der Republik. Wem mein Wort dazu nicht ausreicht, dem sei Henri de Marcellus’ - Dozent für Alte Geschichte an der Oxford University - Kommentar zum Buch, auf der Rückseite des Buches ans Herz gelegt. Bevor ich noch weitere Lobeshymnen auf das Buch anstimme, beschreibe ich nun erstmal was das Buch enthält und wie es aufgebaut ist.

Das Cover und die Fertigung als Softcover sind dabei vermutlich der Aspekt, der am schlechtesten und dabei immer noch gut wegkommt. Hardcoverbücher sind einfach stabiler und ab 200 Seiten sollten sie eigentlich Pflicht sein. Zum Glück hat Cubicle 7 keine Probleme mit falscher oder fehlerhafter Klebung, was dazu führt, dass ich diese Art der Produktion, die natürlich auch günstiger ist, nachvollziehen kann. Das Cover ist gut gewählt und die Szene, die es zeigt, kann als bildliche Darstellung des Untertitels gedeutet werden: das Leben und der Tod Roms als Gladiatorenkampf.

Der Innenteil des Buches ist äußerst ansprechend gestaltet. Jede Seite hat einen gräulichen Rand an dessen oberem Ende sich ein römisches Zitat befindet, einmal in Latein und einmal ins Englische übersetzt. Neben den bekannten Zitaten finden sich auch unbekannte Zitate, die aber immer im Kontext zum gerade behandelten Thema des Buches stehen. Wirklich gelungen und nach jedem Umblättern, wandert der Blick automatisch an diese Stelle. Auch die zahlreichen Bilder sind ansprechend und bieten realistische Ansichten zum Leben im alten Rom.
Der Leser wird begrüßt von Virgil, der den Ursprung Roms und den Verlauf bis zur Herrschaft Cäsars in blumigen Worten wiedergibt. Nach diesem thematischen Einstieg bietet das Buch dem Leser auf einer Seite in kleiner aber lesbarer Schrift ein Inhaltsverzeichnis. Die Einleitung von Nash, die auf der Folgeseite zu finden ist, beschreibt Nashs Intentionen und gibt nützliche Hinweise zur lateinischen Sprache und eine knappe zeitliche Einordnung sowie die Begründung zur Verwendung mystischer Kreaturen und Magie. Wobei die letzteren beiden Nennungen tatsächlich optional sind.
Es folgen auf knapp 120 Seiten gut recherchierte Informationen zur römischen Gesellschaft, der Kultur, der Geschichte Roms, zu den Spielen, der Armee und der Religion und Philosophie. Unterstützt werden diese Informationen immer wieder durch zusätzliche Infos in kleinen Kästchen. Regeltechnische Dinge gibt es natürlich auch, diese wurden aber in diesem Teil des Buches auf das nötigste beschränkt.
Erst die Folgekapitel, die sich mit Charakteren, der Magie und den Lebewesen beschäftigen, widmen sich diesem Thema ausführlicher. Hier sei nochmals erwähnt, dass das BRP Grundregelwerk benötigt wird, denn dieser Settingband bietet mehr oder weniger nur zusätzliche Informationen und geht nur bei komplett neuen Dingen regeltechnisch genauer darauf ein. Auch in diesen Kapiteln gilt aber, dass historisches Wissen gut recherchiert mit Regeln verbunden wurde. Gerade beim Magiesystem fällt das sehr stark auf. Die Arten der Magie, die es in Rom tatsächlich gab, werden sehr ausführlich vorgestellt. Prophezeiungen, Giftmischer und Flüche, natürlich ohne echte Magie, gab es damals und wieso sollte man dies außen vorlassen? "Echte" Magie ist optional und wird dementsprechend auch nur knapp aber ausreichend vorgestellt und mit der römischen Geschichte verbunden.
Im Kapitel zu den Monstern findet man die meisten Regeln. Alle Monster, sowohl normale als auch außergewöhnliche Tiere, unter anderem Basilisken, Drachen und Harpyien, die in römischen Legenden vorkamen, wurden mit Werten abgedruckt.
Kapitel 11 ist dem Erzähler gewidmet, hier erhält er oder sie Tipps zum Aufbau einer Kampagne und zum Schreiben einzelner Abenteuer. Von politischen bis Kriegsabenteuern in verschiedenen Epochen bis hin zum High-Scifi wird alles angeboten. Im Anschluss daran werden die berühmtesten Römer mit kurzen, lexikonartigen Beiträgen vorgestellt. Vor dem Appendix gibt es schließlich noch eine detaillierte Zeitlinie, die es Spielern und Erzähler erleichtert, sich zurechtzufinden.
Im Appendix wird es dann noch einmal spannend. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis gibt nützliche Hinweise auf noch mehr Lektüre, falls das nach dem Genuss dieses Buches noch nötig oder gewünscht ist. Eine Abhandlung über Beleidigungen geht einen Schritt weiter als viele Historiker in ihren Büchern je gehen würden und auch die Wiedergabe der Überreste der zwölf Gesetzestafeln ist etwas, das man in einem solchen Buch nicht erwartet. Die abschließende Liste mit allen römischen Göttern rundet das Buch ab, beendet es aber immer noch nicht. Nach dem obligatorischen Charakterbogen gibt es noch einige Karten, sowohl von Rom als auch vom Römischen Reich. Mehr braucht man nicht, um eine realistische Kampagne in Rom spielen zu können und jedes weitere Wort zu diesem äußerst gelungenem Buch ist nun Überflüssig

Fazit: Pete Nashs Settingband Rome – The Life and Death of the Republic für das Basic Role-Playing System bringt die römische Republik zum Leben. Ein Setting, das seinesgleichen sucht, in einem Buch, das man ohne Bedenken als Lehrwerk verwenden könnte. Informationen über Informationen, ohne dass es auch nur einmal langweilig wird - ein Muss!




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