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Hellcats and Hockeysticks
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 13.10.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Andrew Peregrine, Verlag: Cubicle Seven, Seiten: 164, Erschienen: 2010, Preis: 24,99 €


Dieses Jahr war ein gutes Jahr für den Rollenspielsektor. Es wurden viele Rollenspiele veröffentlich und andere unter neuer Flagge neu aufgelegt. Auch Andrew Peregrine, der schon so viele Rollenspiele veröffentlicht, beziehungsweise bei so vielen tatkräftig mitgewirkt hat, hat sich 2009 wieder etwas einfallen lassen und unter seinem eigenen Label Corone Design das Rollenspiel Hellcats and Hockeysticks veröffentlicht.
Dieses Jahr nahm sich Cubicle 7 dem Rollenspiel an und übernahm den Vertrieb. Besser kann es eigentlich im britischen Rollenspielsektor nicht laufen und verwunderlich ist es auch nicht, denn es ist nicht die erste Kooperation zwischen Cubicle 7 und Andrew Peregrine.

Hellcats and Hockeysticks klingt erstmal wie ein Hockeyrollenspiel, aber selbst wenn Hockey eine Rolle spielt, ist diese doch eher untergeordnet. Hellcats and Hockeysticks ist eine Hommage an die St Trinian-Filme. Im Rollenspiel heißt das Mädcheninternat aber anders, die Rechte waren wohl zu teuer. St Erisian ist der "neue" Name der Schule. Diese hat eine Geschichte, an die nicht einmal Hogwarts herankommt. Sie hat Kriege, Plagen, dämonische Angriffe und viele Explosionen im Chemielabor überstanden und bildet vermutlich Englands zukünftige weibliche Unterweltelite aus.
Aber bis die Mädchen von St Erisian soweit sind, müssen sie den alltäglichen Kampf in der Schule überstehen und natürlich sind Regeln nur dazu da gebrochen zu werden. Die Chancen zu überleben sind also für alle gleich, egal ob man für das Hockeyteam, im Drogenlabor oder als Nerd über den Schulhof geht. Lehrer haben es da schon schwerer, wenn sie den Schülerinnen nicht etwas äußerst Wichtiges beibringen können. Drogenherstellung, Hacken und Finanzbetrug müssen schon auf dem Lehrplan stehen, um nicht als Opfer angesehen zu werden. Passend dazu das Schulmotto, "Teach it to them before they teach it to you".

Als großer Fan der St Trinian-Filme, hat mir die knappe Beschreibung auf der Rückseite des Buches eigentlich schon gereicht, um mir das Buch zulegen zu wollen. Aber auch der Inhalt begeistert: Tolle Bilder, gelungene Beschreibungen und Regeln, die die Stimmung und die Thematik aufs Beste umsetzen. Chaos, Anarchie und nicht damenhaftes Verhalten, das ist, was Spieler und Spielleiter erwartet.
Aber zuerst einmal gibt es eine Einleitung, die dem Leser die Geschichte und die Welt der Schülerinnen sowie Rollenspiel im Allgemeinen näher bringt. Kapitel 2 widmet sich der Charaktererstellung und den Cliquen, die man spielen kann. Die Charaktererschaffung ist wirklich simpel gehalten. Es gibt wenige Fertigkeiten (mit einer Skaleneinteilung von 1 bis 5), die sich aber doch für alles verwenden lassen und hinter denen oft sogar mehr steckt, als man denkt.
Attribute gibt es nicht, die braucht ein Mädchen von St Erisian einfach nicht. Die Cliquen sind das Herz des Spiels und der Schule und jede Clique bringt Vorteile und bestimmte Fertigkeitsvorgaben mit sich. Dealer, Emos, Hockeyspielerinnen, Süße und Wissenschaftlerinnen seien hier als Beispiele genannt. Die Vorteile sind natürlich immer sehr deutlich auf die Clique angepasst. Einer süßen Schülerin glaubt man natürlich und die Hockeyspielerinnen sind alle äußerst sportlich. Es passt einfach alles und beim Lesen der Cliquen fühlt man sich direkt in den Film versetzt.
Auch wenn natürlich Bonuspunkte auf cliquenfremde Fertigkeiten verteilt werden können, kann es passieren, dass die Charaktere einander zu ähnlich sind. Dafür gibt’s dann das optionale System der Eigenschaften, mit dem man seinem Charakter eine spezielle Eigenart mitgeben kann. Als weiterer Bestandteil des Charakterbogens gibt es noch die Willenskraft, welche angibt, wie viel man aushalten kann, und letztendlich darf auch ein Geheimnis nicht fehlen.
Auf einer solchen Mädchenschule dürfen Rivalitäten, beste Freundinnen und Gezicke natürlich ebenso wenig fehlen wie Regeln für den Kampf, ebenso wie zum Einsatz der Fertigkeiten. Bei Proben werden W6 gewürfelt und man muss mit mindestens einem Würfel den Schwierigkeitsgrad erreichen, meistens 4 oder 5. Simpel und schnell, genau das, was das Spiel braucht. Persönlich haben mir die Regeln zum Zickenkrieg am besten gefallen. Ich hätte nie gedacht, dass man so etwas mit einer Kombination aus Rollenspiel und Würfeln so genial umsetzen kann.
Es folgen weitere Regeln zu den dunklen Wissenschaften, Magie und Dämonenbeschwörung. Letzteres ist etwas schwierig, weil der Teufel seinen Dämonen eigentlich verboten hat, etwas mit den Mädchen dieser Schule zu tun zu haben. Es sollte erwähnt werden, dass man mit diesen Regeln auch eine reine Zaubererschule als Spielort bespielen kann.
Kapitel 5 bietet der Schulleiterin, so der offizielle Titel des Spielleiters, dann einige nützliche Dinge, um die Stimmung und die Thematik der Schule rüberbringen zu können. NSCs und wie man diese schnell kreiert, Ortsbeschreibungen, Regeln zum Tod, für den Cliquenwechsel, Abenteuerszenarien und ein fertiges Abenteuer zum sofortigen Loslegen, finden sich dort. Dazu gibt es noch ein paar Tipps und Tricks zum Leiten von Hellcats and Hockeysticks inklusive anderen Hintergründen, denn vielleicht ist eine Jungenschule ja doch eher etwas für die eigene Gruppe.
Zu guter Letzt stellt der Autor dann noch seine Inspirationen vor, primär natürlich die St Trinian-Filme, aber auch andere Bücher und Filme bieten nützliche Inspirationsquellen. Auf den letzten Seiten findet man schließlich noch den Charakterbogen und die wichtigsten Tabellen, damit man nicht solange suchen muss.

Über das knapp 160-seitiges Rollenspielbuch könnte sicherlich noch mehr erzählt werden, so viel Positives gibt es zu dem Spiel zu sagen. Gelungene Regeln sorgen für ein schnelles Spiel, tolle Bilder und gute Beschreibungen sorgen für eine tolle und passende Stimmung.
Rein handwerklich ist dieses Buch, wie alle Bücher aus der Produktion von Cubicle 7, einwandfrei: Keine Rechtschreibfehler, keine Druckfehler und eine saubere Bindung. Dass ich beim Lesen eines Regelwerkes in einen Film hineinversetzt wurde und dass mir das Lesen soviel Spaß gemacht hat, habe ich bisher nicht so oft erlebt, deswegen erwähne ich es hier noch einmal.

Fazit: St Trinian hat mit Hellcats and Hockeysticks eine würdige Rollenspielumsetzung bekommen, die man auch für andere Hintergründe benutzen kann. Einfache Regeln, die nicht nur ein schnelles Spiel versprechen sondern auch wirklich dazu führen. Dazu tolle Bilder und gelungene Beschreibungen und Regeln, die so bisher in keinem Spiel zu finden waren. Andrew Peregrine hat sich selbst übertroffen und ein Spiel geschaffen, mit dem man einen Mordsspaß haben kann.




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