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Raumhafen Adamant
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 06.10.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): André Wiesler, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 128, Erschienen: 2010, Preis: 19,95 €


"Als Spielleiter sind Sie in jedem Rollenspiel der wohlmeinende Schiedsrichter, das Auge der Spieler auf die Welt, der Erzähler. All das sind Sie natürlich auch bei RAD – aber Sie haben dabei eine Neuropeitsche in der Hand, mit der Sie die Charaktere vor sich hertreiben."

André Wiesler hat sich in der Rollenspielszene bereits einen Namen gemacht – nun bringt er sein eigenes System auf dem Markt – Raumhafen Adamant, oder kurz RAD. Man stelle einen Topf Star Wars auf den Herd, würze ordentlich mit Tales of the Floating Vagabound, einer Priese Shadowrun und einen Funken Star Trek und voilá, schon hat man eine braune Pampe, die man besser wegschüttet – mit Großmutter Wieslers Gemeinrezeptur wird daraus allerdings ein Sci-Fi-Rollenspiel erster Sahne.

Aber mal schön von vorne. Adamant ist ein erdähnlicher Planet irgendwo im Universum, der von einem Wirtschaftskonsortium regiert wird. Über die einzelnen Örtlichkeiten lässt sich das Regelwerk nur spartanisch aus, denn schnell kommt man schon zum eigentlichen Herzen des Systems, den Spezies. Die elf unterschiedlichen und natürlich auch spielbaren Wesen sind durchaus ansprechend und kreativ entworfen, das ein oder andere hat man so tatsächlich noch nicht gesehen. Vom Wurm im Eimer bis zum Lavabrocken ist alles vertreten, was auf einen Barhocker passt.
Im Anschluss geht es schon an die Charaktererschaffung, welche sehr schnell von der Hand geht. Es gibt jeweils drei körperliche und drei geistige Attribute, welche eine Stufe von eins bis fünf haben können, gleiches gilt für die 28 Fertigkeiten. Darauf verteilt man 18 bzw. 30 Punkte. Zu den Fertigkeiten gehören auch PSI Kräfte. Im Anschluss bekommt jeder noch vier Gaben (Vorteile) und fertig ist der Charakter.

Schnell noch ein paar Worte zum Regelsystem. Lange muss man sich nicht damit aufhalten, denn es ist, wie die Charaktererschaffung, erfrischend einfach aber funktional. Prinzipiell wirft man eine Anzahl an W6 die einer Kombination aus Attribut und Fertigkeit entsprechen. Dabei gilt allerdings nur jeder Pasch als Erfolg. Die Doppel-Eins ist ein Patzer und zieht einen Erfolg ab. Eine Besonderheit beim Kampf ist, dass Waffen keinen eigenen Schaden machen, sondern die Erfolge beim Wurf direkt durchschlagen. Powergamer und Waffenfetischisten, ich höre Euch aufheulen.
Man merkt schnell, das Spiel ist vor allem darauf ausgelegt einfach und rasant zu sein und sich nicht mit unnötigen Regeln zu verkomplizieren. Als kleines Gimmick gibt es noch den Actionpunkt. Dies ist eine Art Wanderpokal der guten Laune. Immer wenn es die Situation erlaubt, darf man den Punkt ausgeben um einen Wurf zu wiederholen oder Erfolge zu verdoppeln. Danach bekommt ihn ein anderer Spieler. Coolnesspunkte geben Boni, um den Actionpunkt zu bekommen - alles eine sehr witzige Angelegenheit, die zu irren Taten animiert.

Nach den Regeln gibt es ein paar Seiten zu Waffen, Viechern und Schiffen im Universum von RAD. Danach folgt auch schon ein Abenteuer zum gleich darauf los spielen. Auf dem "Traumschiff" gilt es eine Geiselnahme zu verhindern, doch das ist noch das geringste Problem.

An der Verarbeitung des DinA5 Softcover-Bandes gibt es nichts zu meckern. Grafisch mutet das Buch wie ein pulpiges Sci-Fi Comic an, bei dem in Sachen Schriftgröße auch an den demographischen Wandel gedacht wurde. Insgesamt kann RAD auch hier mit professionellen Publikationen ohne weiteres mithalten.

Insgesamt ist Raumhafen Adamant ein erfrischend einfaches System für das rasante Spiel zwischendurch. Dabei lebt das Universum vor allem durch die unterschiedlichen Spezies, die richtig Laune machen. Spaß geht hier deutlich vor Realismus, dem muss man sich bewusst sein. Auch ist der Spielleiter nicht selten dazu gezwungen nach Gutdünken zu richten und reichlich zu improvisieren. Dies trägt zum Spielspaß bei, wenn der Spielleiter die Gratwanderung zwischen irren, kreativen Ideen und Reizüberflutung durch sinnloser Aneinanderreihung von Action zu gehen weiß.
Ob das Paschsystem wirklich praktikabel ist muss sich in der Praxis zeigen. Es stellt allerdings mal eine Alternative zu den gängigen Systemen dar und passt so wunderbar zur allgemeinen Atmosphäre RADs.

Fazit: Raumhafen Adamant hat alles, was einen öden Sonntagmittag zu einem irren Höllentrip durchs Universum macht – in einem lollyfarbenen Hovertruck und reichlich Bier und Brezeln an Bord um mit dem Salz während der Fahrt alle Straßen eisfrei zu halten. Somit Hut ab Herr Wiesler, das Ding macht Laune und zum näher nachdenken, wieso das jetzt funktioniert, ist sowieso keine Zeit – the sky ist the limit, oder auch nicht.




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