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Beutewelt - Bürger 1-564398B-278843
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 22.09.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): Alexander Merow, Verlag: Engelsdorfer Verlag, Seiten: 250, Erschienen: 2010, Preis: 12,95 €


Ich stöbere ja sehr gerne im Netz nach unbekannten oder zumindest weniger bekannten Autoren und noch nicht entdeckten Romanschätzen. Auf einem dieser Streifzüge stolperte ich mehr oder weniger über Alexander Merows ersten Band der Beutewelt-Reihe: Bürger 1-564398B-278843. Ein Science-Fiction Erstlingswerk mit einem Titel, den man sich als normaler Mensch nicht merken kann, fand ich sehr gewagt und schon war mein Interesse geweckt. Wenige Tage später hielt ich das vom Engelsdorfer Verlag gedruckte Buch in den Händen.

Dir Rückseite des Buches verspricht dann einen Roman mit deutlich dystopischem Inhalt. George Orwell und Ray Bradbury lassen grüßen und werden gleichzeitig aktualisiert, denn ihre Zukunftsvisionen sind ja schon eingetreten, wenn man einigen Menschen glauben schenkt.
Beutewelt spielt im Jahr 2028 und nichts ist mehr wie es war. Eine Weltregierung hat die Kontrolle an sich gerissen und überwacht alles und jeden. Wer nicht mitspielt, nicht gehorcht oder einfach nur ein wenig auffällt wird schnell zum Ausgestoßenen beziehungsweise Gefangenen. Frank Kohlhaas, der Protagonist des Buches und eigentlich ein ruhiger Mann, hat einfach nur einen schlechten Tag, als der Würgegriff der Weltregierung ihn ergreift und er in das größte Abenteuer seines Lebens hineingezogen wird. Nach seinem Rauswurf bei der Arbeit und der Bedrohung seines Vorgesetzten, wird er in einem automatisiertem Gerichtsverfahren von einem Computer zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
Justitia ist in diesem Staat leider sowohl blind als auch mit ihren Entscheidungen recht einseitig und die Strafe weit mehr als nur Zuchthaus. Frank wird umerzogen, schließlich soll er nach seiner Entlassung wieder ein guter Bürger sein und Frank darf eine neue Methode der Umerziehung über sich ergehen lassen. Die Methode führt ihn an seine Grenzen und als ihm zufällig die Flucht gelingt, hat die Weltregierung einen Feind, der nichts mehr zu verlieren und auch jeglichen Skrupel als unnötigen Ballast abgeworfen hat. Ohne lange zu zögern und mit voller Inbrunst schließt sich Frank den Rebellen, die ihn befreit haben, an und nimmt den Kampf gegen die Weltregierung, hinter der viel mehr steckt als nur Politiker, auf.

Dystopisch ist das Buch ohne Frage und vieles deutet darauf hin, dass die Ursachen in unserer Zeit zu finden sind. Dies führt natürlich zu einer kritischen Auseinandersetzung zwischen Buch und aktueller Gesellschaft und dabei helfen die Aussagen einiger Protagonisten zur Vergangenheit und Gegenwart der Beutewelt. Die sehen nämlich tatsächlich die Ursachen in unserer Zeit und nennen mehr oder weniger deutlich die gefährlichen Gesetze, technischen Entwicklungen und Ereignisse. Dabei darf aber nie vergessen werden, dass es sich bei dem Buch um ein fiktives Werk handelt, worauf der Autor auch sehr viel Wert legt. Bei einigen Protagonisten und auch bei Handlungen, die diese ausführen, ist diese Klarstellung auch wichtig, sonst wäre der Autor schnell in eine Ecke geschoben worden, aus der man so schnell nicht mehr rauskommt. Dass die Rebellen äußerst gewaltsam, ja brutal vorgehen, ist dabei relativ einfach zu erklären. Ihnen bleibt nichts anderes übrig und der Grad zwischen Freiheitskämpfer und Terrorist ist äußerst schmal.
Handwerklich kann man über das Buch nicht meckern, keine groben Schnitzer und ein gelungener Spannungsbogen, was will man mehr? Leider ist die Entwicklung des Hauptprotagonisten zum Teil nicht nachvollziehbar, trotz Umerziehung ändert sich das Wesen Franks zu schnell und zu extrem, als dass es noch realistisch sein könnte. Dafür verharren andere Protagonisten zu lange in ihren vorgegebenen Rollen.

Fazit: Beutewelt - Bürger 1-564398B-278843 von Alexander Merow reiht sich gekonnt in die Reihe dystopischer Romane ein und bringt den aktuellen Stand der Dinge mit ein. Den Roman und den Autoren auf eine Ebene mit George Orwell zu stellen wäre übertrieben, aber es gelingt ihm, ähnliche Zukunftsängste zu entfachen. Schwächen bei der Entwicklung der Protagonisten steht eine gute und spannende Geschichte in einer düsteren Welt gegenüber. Nicht nur Verschwörungstheoretiker werden an diesem Buch Spaß haben.




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