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Dying to Live - Vom Überleben unter Zombies
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 22.09.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): Kim Paffenroth, Verlag: Festa Verlag, Seiten: 255, Erschienen: 2010, Preis: 13,95 €


An Zombiefilmen, Zombiespielen, egal ob Computer-, Rollen-, Brett- oder Kartenspiele, Zombiehörspielen und Zombieromanen kann ich nicht vorbeigehen ohne einen genaueren Blick zu riskieren und dann, egal wie der erste Blick ausfiel, zuzugreifen. Bei Kim Paffenroths Roman Dying to Live – Vom Überleben unter Zombies musste ich nicht einmal einen Blick riskieren, schließlich spricht der Name für sich. 2006 hat er, in einem Anflug von Midlifecrisis, Horrorfilme und Horrorliteratur unter die Lupe genommen und das preisgekrönte Buch Gospel of the Living Dead: George Romero's Visions of Hell on Earth geschrieben.

Wenn man einmal in diesem Genre ist, kommt man so schnell nicht wieder davon los und so schrieb er 2007, mit Dying to Live, auch tatsächlich seinen ersten Thriller. Dieses Jahr erschien beim Festa-Verlag endlich die deutsche Übersetzung.
In diesem Buch spinnt er den Faden, den er in seinem Sachbuch erarbeitet hatte, weiter: Zombieromane als Reflektion der Gesellschaft im Allgemeinen. A la homo homini zombie geht er in seinem Roman aber auch auf das ein, was mit der überlebenden Gesellschaft geschehen könnte, falls es tatsächlich zu einem Ausbruch einer Zombieseuche kommen würde.

Der Protagonist des Buches ist der Englischprofessor Jonah Caine, der alleine und ohne zu wissen, wie es eigentlich soweit kommen konnte, in Amerika unterwegs ist und täglich um sein Überleben kämpfen muss. Ein Englischprofessor ist für dieses Genre nicht unbedingt eine Berufsklasse, der man ein langes Leben voraussagen würde, aber im Kampf ums Überleben eignet sich jeder so seine Tricks an. Nach Monaten der Einsamkeit und in einer ausweglosen Lage, trifft Jonah schließlich auf weitere Überlebende, die sich hinter schützenden Mauern und mit einem Fluss als natürliche Barriere in einem Museum verschanzen. Nach seiner Aufnahme findet er nicht nur Freunde, sondern auch heraus, dass es nicht nur Zombies und Menschen gibt, sondern auch Mischwesen, die den Menschen mehr als nützlich sein können.
Eigentlich scheint alles zu gut zu sein um wahr zu sein und somit ist es kaum verwunderlich, dass die Teile der überlebenden Gesellschaft gnadenlos zuschlagen, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Der Kampf um das Überleben unter Zombies wird dabei mehr und mehr auch ein Kampf gegen den Abschaum der Gesellschaft, der zu Recht hinter Gittern steckt und zu noch viel schlimmeren Dingen in der Lage ist als Zombies. Am Ende zahlt es sich aber dann wieder aus, die richtigen Leute zu Freunden zu haben.

Was durchschnittlich anfängt und eigentlich nur durch einen Charakter getragen wird, der in so einer Schreckenswelt seltsam deplaziert wirken sollte, es aber nicht tut, entwickelt sich schnell zu einem spannenden, blutigen und brutalen Thriller. Dabei wird das Buch einerseits durch die detailliert beschriebenen Zombieangriffe getragen, andererseits aber auch durch die Menschen, die um einiges schlimmer aber auch gleichzeitig besser sein können, auf eine höhere Ebene angehoben; angehoben auf eine gesellschaftskritische Ebene, die man nach Paffenroths Sachbuch eigentlich auch erwartete. Dabei ist es gerade die Mischung, die das Buch tatsächlich zu etwas Eindrucksvollen macht und die eine beklemmende Welt erschafft, die es so deutlich bisher nicht gegeben hat.
Die Protagonisten und auch die Antagonisten sind dabei so gut beschrieben, dass man sich in sie hineinversetzen kann, auch wenn man das eigentlich bei einigen gar nicht möchte.
Auch das rein Handwerkliche, Schreibstil, Spannungsbogen und Übersetzung, kann man nur lobend erwähnen. Flüssig geschrieben, will man das Buch erst wieder weglegen, wenn man fertig ist. Dass jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet, trägt sein Übriges dazu bei und langweilig wird es deswegen niemals.

Fazit:
In Kim Paffenroths Roman Dying to Live – Vom Überleben unter Zombies geht es um viel mehr als um das Überleben unter Zombies. Der Roman verbindet gesellschaftskritische Themen auf gekonnte Weise mit den wandelnden Toten und ist dabei nie langweilig. Ein etwas ungewöhnlicher Protagonist und Mischwesen geben dem Genre dann auch mal wieder etwas Neues. Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Band.




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