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Last Night on Earth
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 31.08.2010, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Jason C. Hill, Verlag: Flying Frog Productions, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: ca. 45,- €


Das Zombie-Genre hat in den letzten Jahren einen erneuten Aufschwung erfahren. Nicht nur in Film und Comics, auch auf den Brettern, die das Spiel bedeuten, fanden untote Horden ihren Weg in unser aller Wohnzimmer. Nicht immer konnten die Viecher dabei überzeugen. Mit Last Night on Earth kommt ein neuer Spielverlag aus dem feuchten Erdreich gekrochen und nimmt sich schaurig schräge B-Movies zum Vorbild. Reanimieren oder Kopf ab?

Willkommen im schönen Woodinvale, einer Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo der US amerikanischen Weiten. Hier tummeln sich gar seltsame Gesellen, zum Beispiel der Sheriff, der seine Frau vor langer Zeit verlor; aber darüber spricht er nicht gerne. Oder sein Sohn, der nicht im Schatten des Vaters stehen möchte und die Schuld am Verlust seiner Mutter seinem Vater auflädt. Dann wäre da natürlich noch die Highschool-Clique mit Johnny, dem Quaterback, und Sally, der mysteriösen Schönheit. Oder der Penner, der schon lange nicht mehr in dieser Stadt war. Das letzte Mal ist etwas Grauenvolles passiert – und auch diesmal hat er wieder so ein Gefühl. Kurzum, die Zombies sind los und wollen nur eins – Dein Verderben!

Und das geht so. Das Spiel setzt sich immer aus einer Zombie- und einer Heroen-Partei zusammen, wobei es stets vier "gute" Charaktere gibt. Letztere werden auf Charakterblättern näher beschrieben. Darauf finden sich Informationen über die Anzahl an Wunden, die man aushält, und natürlich auch über die jeweiligen Sonderfertigkeiten. Zombies sind weniger komplex, die sterben meist gleich und können nichts außer faulen und fressen.

Das Spielbrett ist modular aufgebaut. Je nach Szenario bildet ein Brunnen oder ein Herrenhaus das Zentrum und wird durch vier zufällig ausgewählte L-förmige Teile ergänzt, auf denen sich unterschiedliche Gebäude befinden.
Das Spielprinzip ist schnell erklärt. Es gibt jeweils eine Zombie- und danach einen Hero-Runde. Der oder die Zombiespieler würfeln, ob sie am Ende ihrer Runde Verstärkung bekommen, ziehen dann Karten, bewegen ihre Zombies um ein Feld und greifen an. Dabei können die Viecher, im Gegensatz zu den Helden, auch durch Wände brechen. Durch die Karten kann man sie beispielsweise weiter bewegen, härter angreifen, hier und da das Licht ausmachen oder Gebäude übernehmen.
Die Helden agieren analog. Sie bewegen sich W6 Felder oder dürfen in einem Gebäude nach Gegenständen suchen. Letzteres führt zum Ziehen einer Karte, die schöne Dinge wie Kettensägen, Schrotflinten, Dynamit, aber auch diverse Events enthält.
Das Kampfsystem ist hart, aber ungerecht: Es wird gegeneinander gewürfelt, wobei der Zombie meist einen, der Held meist zwei bis drei Würfel wirft. Dabei muss der Held immer besser als der Zombie sein, um ihn abzuwehren, aber nur ein Pasch bringt ihn auch zurück auf den Boden der untoten Tatsachen. Die Hard mal anders.

Damit ist das Grundprinzip auch schon erklärt. Was sich so einfach anhört, ist es aber mitnichten. Zum einen spielt man immer ein Szenario, das heißt in den meisten Fällen haben die Helden anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen, wie beispielsweise Benzin zu finden, den Truck im Stadtzentrum zu befüllen und dann auch noch die richtigen Schlüssel zu suchen, um ihn zu starten – und das alles vor dem Sonnenuntergang, der in einer bestimmten Anzahl von Runden eintritt. Und ist einmal der erste Charakter hinüber, kommt erst ein neuer, wenn der Spieler seinen letzten verliert. Passiert aber genau dies, so wird der letzte Charakter auch noch zum Zombie – alles sehr bitter und doch so wunderschön mit anzusehen.

Das Auge spielt ja bekanntlich mit und wer jetzt noch nicht überzeugt ist, der wird von der Ausstattung eines Besseren belehrt. Alles, wirklich alles in der großen, schweren Box hat Hand und Fuß – naja, bis auf die Zombiefiguren. Aber im Ernst, die Figuren sind aus Gummi und wundervoll modelliert, die Charakter- und Szenariobögen sind auf harter Pappe hochglanzgedruckt, ebenso die Counter. Reichlich Würfel liegen bei, die Anleitung ist trotz englischer Sprache verständlich und anschaulich, das Spielbrett eine Augenweide. Da kommt Stimmung auf! Und als absoluten Knaller liegt noch ein Soundtrack bei, den eine Mitarbeiterin höchstpersönlich auf dem Heimkeyboard eingedudelt hat – B-Movie in Reinkultur.

Fazit: Als bekennender Fan zerfaulender Herzen habe ich ein neues Lieblingsspiel – Last Night on Earth. Und wenn dies wirklich die letzte Nacht ist, was soll’s, dann haben wir wenigstens unseren Spaß. Also her mit dem Feuer, ich hol schon mal das Benzin…




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