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Hellboy 9 - Ruf der Finsternis
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 02.08.2010, Serie: Comics, Autor(en): Mike Mignola, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 160, Erschienen: 2008, Preis: 19,80 €


"Wow, Mädels, ihr seht echt scheiße aus!" Hellboy zu einer Gruppe untoter Hexen.

Hellboy ist zurück – zurück aus Afrika, zurück aus einem sich selbst erkennenden Dasein, zurück in Farbe! Und weil es so schön passt, führt uns der immerhin schon neunte Band dieser außergewöhnlichen Serie um den roten Antihelden in dessen Vergangenheit und zu den Anfängen eben jeder grafischen Erfolggeschichte.

Ruf der Finsternis ist wieder ein vollwertiger Band mit einer einzigen Geschichte, der den Metaplot um Hellboy weiterführt. Hekate, seine ewige Widersacherin, die einst Ilsa Hauptstein war, wird beschworen und gebunden. Fatal, denn wer diese mächtige Wesen beherrscht, hat nichts Gutes im Sinn.
Währenddessen gerät Hellboy in eine, nun ja, sagen wir Keilerei zwischen einem untoten Hexenjäger und seinen ehemaligen Opfern. Nachdem sich der Held in Rot kernig aus der Affäre zieht, wird ihm mal wieder sein ewiges Schicksal vorgelegt und er kurzerhand dazu auserkoren, dem gesamten Hexenvolk aus der Verdammnis zu helfen. Pustekuchen, Hellboy ist schon immer seinen eigenen Weg gegangen. Doch der Leser weiß schon jetzt, dass er seinem Schicksal nicht entkommen kann und immer wieder auf dem Weg des ewigen Schmerzes landet – den er erträgt oder eben selbst anderen zufügt, ohne dabei seinen Hang zum dreckigen Sarkasmus zu verlieren.

Dabei hat das Comic mal wieder alles, um den Fan von den Socken zu hauen. Es greift längst vergessene Lappalien auf und zeigt dem Leser, welche Konsequenzen eigentliche Nebensächlichkeiten nun haben. Mignola beweist zudem mal wieder Feingefühl, wenn er alte Sagen in seinen ganz eigenen Mythos einbindet. Nicht nur einmal muss man dabei selbst mit der Zunge schnalzen. Hier ist nichts plump inszeniert, sondern wohl durchdacht und man mag fast glauben, dass der Autor bereits vor acht Bänden den roten Faden gesponnen haben muss, den er jetzt fortführt.

Wer unbedacht sofort in die Geschichte einsteigt, dem wird erst einmal gar nicht gewahr werden, dass Mignola Hellboy diesmal gar nicht selbst zeichnet. Zu ausgefuchst zitiert Duncan Fegredo den Altmeister und steht seinem Stil in nichts nach. Auch hier verliert man sich in großen Panels, nur um die Machart einer ausgetretenen Treppe oder einer alten Puppe zu bewundern. Und hier wird noch deutlicher: Wo Farbe ist, kann diese auch verblassen oder gar ganz verschwinden, wenn Hellboy in einem Schneesturm untergeht.

Fazit: Hellboy hat für mich nie seine Faszination verloren, steigert diese aber mit jedem neuen Band immer noch ein Stückchen mehr. Wenn man selbst glaubt, es geht nicht mehr besser, greift Mignola auf alte, scheinbare Nebensächlichkeiten zurück und rückt diese ins rechte Licht. Aus schwarz-weißem Comic wird eine bunte Welt, die dennoch mehr dunkle als helle Farben hat – der rote Held bekommt seinen im würdigen Rahmen. Weiter so, und bitte kein bisschen leiser!




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