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Die Frauen von Nell Gwynne's
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 11.01.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Kage Baker, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 160, Erschienen: 2010, Preis: 9,95 Eur


Steampunk hat sich in den letzten Jahren immer mehr als eigenes Gernre etabliert, und in Deutschland hat sich in der letzten Zeit vor Allem der Verlag Feder & Schwert um seine Förderung verdient gemacht.
Der Kurzroman Die Frauen von Nell Gwynne's geht ebenfalls in die beliebte viktorianische Zeit zurück und erzählt die Geschichte einer Vereinigung von Huren, die im Auftrag der Spekulativen Gesellschaft der Gentlemen Informationen von Männern besorgen, die sie in ihrem Etablissement... ähem... bedienen.
Die zentrale Figur ist dabei der Neuzugang Lady Beatrice, die nach einer brutalen Reise von Afghanistan nach England im Nell Gwynne's eine neue Heimat findet.
Im Laufe des Romans begibt sie sich auf ihre erste größere Mission, bei der sie mit einigen ihrer Kolleginnen herausfinden soll, warum einer der Agenten der Gesellschaft verschwunden ist und was es mit einer mysteriösen Auktion auf sich hat, die in einem altehrwürdigen englischen Landsitz stattfinden soll.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, entspricht dem England der damaligen Zeit, wenn auch mit einigen technischen Spielereien, die dem Steampunk-Genre geschuldet sind. Fantasy-Elemente finden sich dabei übrigens nicht.
Leider bieten 160 groß bedruckte Seiten kaum genug Platz für eine ausgefeilte Geschichte, und so bleibt das Ergebnis ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück. Das Buch hätte gut und gern die doppelte Länge haben können.
Vielleicht um die geringe Länge auszugleichen, galoppiert die Autorin vor allem am Anfang der Novelle durch die Hintergrund-Geschichte ihrer Heldin, die in gerade mal zwei Seiten von Afghanistan nach Englang reist, wobei sie zwischendurch gefangengenommen, gefoltert und vergewaltigt wird und sich auch noch mit einer wüsten Mordserie an ihren Peinigern rächt. Der Stil ist an dieser Stelle so kurz und kühl, dass er fast wie eine Zusammenfassung der eigentlichen Geschichte wirkt.
Danach ändert sich die Erzählweise des Buches jedoch deutlich, und der Rest der Handlung wird (glücklicherweise) etwas ausführlicher erzählt.
Auffällig ist dabei zum Einen die altertümlich wirkende Ausdrucksweise, zum Anderen aber der stellenweise recht offene Umgang mit den erotischen Aspekten der Handlung. Sicherlich handelt es sich bei Die Frauen von Nell Gwynne's nicht um ein Kinderbuch.

Zwar wird die eigentliche Geschichte abgeschlossen, bleibt aber trotzdem irgendwie ziellos, wie der erste Teil einer Serie. Nach dem Tod der Autorin Kage Baker werden wir aber wohl keine weiteren Abenteuer von Lady Beatrice und ihren Kolleginnen mehr erleben. So bleibt uns nur quasi nur der "Pilotfilm", und auch wenn dieser durchaus Appetit macht, muss doch jeder potenzielle Leser selbst entscheiden, ob er bereit ist, für ein relativ dünnes Buch unter diesen Umständen knapp zehn Euro zu bezahlen.




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