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Das mechanische Herz
Von André Wiesler

Rezension erschienen: 09.03.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Dru Pagliassotti, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 510, Erschienen: 2010, Preis: 14,95 Eur


Die Stadt Ondinium hat ihren Reichtum vor allem zwei Dingen zu verdanken: Zum einem dem Metall Ondium, das leichter als Luft ist, zum anderen seinen analytischen Maschinen, die mit Lochkarten gefüttert Marktprognosen und fortschrittliche Rechnerei ermöglichen. Die Einwohner der Stadt leben in einem strengen Kastensystem, wobei jede Kaste einen eigenen Stadtteil besitzt. An der Spitze stehen die Erhabenen, die nach dem Glaubenssystem Ondiniums perfekte Wesen sind, durch unzählige Reinkarnationen geläutert. Nur die sogenannten Ikarier können sich mühelos über die Grenzen der Viertel hinwegbewegen und stehen außerhalb der Kasten, sind sie doch die fliegenden Boten der Stadt – Fluggeschirre aus Ondium machen es möglich.

Taya, eine dieser Ikarierinnen, ist die Protagonistin von Das mechanische Herz. Aufgrund einer heldenhaften Luftrettungsaktion, bei der sie eine Erhabene aus einer der zahlreichen Seilbahnen rettet, lernt sie die die Gebrüder Forlore kennen. Der eine ein charmanter, gutaussehender Erhabener mit politischem Einfluss, der andere ein eigenbrötlerischer Mechaniker, der seiner Kaste den Rücken gekehrt hat. Bald findet sie sich im Spannungsfeld privater und politischer Verwicklungen wieder.

Vorweg: Es ist nicht fürchterlich viel Steampunk in dem Buch zu finden, Hardcorefans des Genres könnten ihre Erwartungen darum enttäuscht sehen. Zwar gibt es die analytischen, mit Dampf betriebenen Rechenmaschinen (faktisch Computer), aber das alltägliche Leben der Stadt ist nur bedingt mit den Genrekonventionen zu vereinen. Insgesamt fühlt sich die Erzählung eher nach Fantasy als nach Steampunk an.

Das ändert aber nichts daran, dass die Autorin eine spannende, actionreiche und stellenweise überraschende Geschichte erzählt, mit sympathischen Haupt- und Nebenfiguren und einem sehr guten Händchen dafür, die Faszination des Fliegens zu vermitteln. Anfangs stellt sich noch die Befürchtung ein, man könne es mit einem "Steam-Twillight" zu tun bekommen (zwei Brüder, die sich an der gleichen Frau interessiert zeigen), aber diesen Schrecken kann Dru Pagliassotti zum Glück bald vertreiben.

Man merkt dem Buch die weibliche Hand deutlich an, wird doch viel Wert auf Kleidung und Romantik gelegt, aber beides fügt sich in einen spannenden Politthriller ein, der rasant erzählt wird. Er kann an Komplexität nicht ganz mit einem Crichton mithalten, schlägt aber genug Bögen, um bis zum Ende packend zu bleiben.

Fazit: Das mechanische Herz ist kein klassischer Steampunk und legt großen Wert auf Romantik, ist aber vorrangig ein spannender Thriller mit liebenswerten Figuren und einer sehr guten Übersetzung von Dorothee Danzmann.




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