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Tanatos 1 - Der Sohn des Todes
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 24.07.2010, Serie: Comics, Autor(en): Didier Convard, Verlag: Egmont Ehapa Verlag GmbH, Seiten: 112, Erschienen: 2010, Preis: 29,95 €


Tanatos ist ein weiterer Comic der Ehapa "All in one"-Serie, die in sich abgeschlossene Geschichten in einem Band unter ihrem Label führt.

Wir befinden uns Anfang des 20. Jahrhunderts, am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Linke wie rechte Kräfte Frankreichs zerfleischen sich im Parlament gegenseitig und als ob dies nicht schon genügen würde, wird auch noch ein Parlamentsabgeordneter tot aufgefunden.
Noch weiß allerdings nur der Leser, dass die Geißel Frankreichs, Tanatos selbst, dafür verantwortlich ist. Er will in die Rolle des Politiker schlüpfen. Tanatos ist ein post-viktorianischer Superschurke – clever, erfinderisch, habgierig und von Grund auf böse. Mit seinen Spießgesellen und der Fähigkeit, sich in jede Person zu verwandeln, treibt er die politischen Intrigen zwischen den Parteien auf die Spitze und Europa letztlich in den Ersten Weltkrieg. Sein Gegenpart ist der Privatdetektiv Victor, eine Art James Bond der Vorkriegszeit, der clever auf der Fährte Tanatos wandelt, Fakten kombiniert und mit seinem schneidigen Sportwagen von Tatort zu Tatort heizt.

Um die Geschichte über den maskierten Teufel gänzlich zu verstehen, sollte man schon ein wenig Ahnung haben, welche Umstände zum Ersten Weltkrieg führten. Es ist verblüffend, mit wie viel Feingefühl historisch Korrektes mit frühindustriellem Science-Fiction verknüpft wurde. Aber auch ohne dieses Wissen ist der Comic ein echter Genuss. Aufgrund der politischen Verflechtungen und Manipulationen ist das Buch allerdings nichts zum Nebenbeilesen.

Zeichnerisch wird die Geschichte mit viel Feingefühl ins rechte Licht gesetzt: Generell herrscht ein leichter Sepia-Ton, der den Leser alleine schon wunderbar in die Zeit um die Jahrhundertwende versetzt. Tritt Tanatos aber in seiner "Uniform" auf den Plan, werden die Panels schnell in ein kühles Blau getaucht. Über allem steht der Realismus, der Fans dieser Zeit mit der Zunge schnalzen lässt.

Fazit: Dieser Comic ist etwas ganz besonderes und wird vor allem jene begeistern, die historisch interessiert, aber nicht zu eingeschränkt sind, um sich auch auf Science-Fiction des frühen 20. Jahrhunderts einzulassen. Ich persönlich hoffe auf eine Fortsetzung, es gibt einfach noch soviel zu erzählen.




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