Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Gesellschaftsspiele » Brettspiele » Revolution!

Revolution!
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 07.07.2010, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2010, Preis: 29,95 €


Manchmal stolpert man zufällig über Spiele, die man ansonsten gar nicht beachtet hätte. So ging es mir mit Revolution!, das ich eigentlich nur gespielt habe, weil ich am ersten Tag der RPC in Köln noch ein kurzes Spiel vor der Abfahrt suchte und kein anderer Tisch frei war.
Heute, einige Runden später, bin ich zum Fan des eigenwilligen Versteigerungs-Spiels geworden, das inzwischen einen Ehrenplatz in meinem Spielschrank gefunden hat.

So viel ist den Spielern klar: es wird eine Revolution! geben, und jeder Teilnehmer möchte im Nachhinein als Gewinner daraus hervorgehen, indem er den größten Einfluss in der Stadt erzielt (sprich, die meisten Unterstützungs-Punkte sammelt).
In mehreren aufeinander folgenden Runden bieten die Spieler auf einer verdeckt liegenden Biettafel um die Gunst von zwölf verschiedenen Personen. Als Gebote stehen dabei Fäuste ("Zwang"), "Erpressungs"-Briefe und "Gold"-Münzen zur Verfügung. Diese kann der Spieler auf bis zu sechs Personen verteilen; die vorhandenen Bietmarken müssen immer komplett eingesetzt werden.
Nachdem alle Spieler ihre Marker verteilt haben, werden die Gebote offengelegt und ausgewertet.
Dabei gelten die folgenden Regeln:

  • "Zwang" schlägt "Erpressung" und "Gold".
  • "Erpressung" schlägt nur "Gold".
  • "Gold" ist die schwächste Bietmarke und kann nur anderes "Gold" schlagen.
  • Treffen gleich starke Bietmarken aufeinander, entscheidet die größere Anzahl (zwei "Gold" schlagen ein "Gold").
  • Bei gleicher Anzahl entscheiden die niederwertigeren Bietmarken über das Ergebnis (ein "Zwang" und zwei "Gold" schlagen einen "Zwang" und ein "Gold").
  • Haben beide Spieler die gleichen Marken eingesetzt, gewinnt niemand das Gebot.
Je nachdem, welche Person man "ersteigert", bekommt man verschiedene Vorteile. Zum Einen erhält man Unterstützungspunkte, zum Anderen aber auch Bietmarker für die kommende Runde.
In der ersten Runde kann jeder Spieler einmal "Zwang", einmal "Erpressung" und drei "Gold" einsetzen. In allen weiteren Runden erhält jeder Spieler zunächst die von ihm ersteigerten Bietmarker. Sollte er weniger als fünf Marker haben, wird bis zu dieser Zahl mit "Gold"-Markern aufgefüllt (ein Spieler, der keine Marken ersteigern konnte, bekommt also fünf "Gold"-Marker).
Das wichtigste Ergebnis einer erfolgreichen Versteigerung dürfte aber sein, dass man bei sieben der zu ersteigernden Personen die eigenen Gefolgsleute auf den Spielplan bringen kann, wo sieben Gebäude darauf warten, mit den kleinen Holzfiguren besetzt zu werden. Wer die Mehrheit in einem Gebäude erzielt und hält, bekommt am Ende des Spiels zwischen 20 und 50 Unterstützungspunkten.
Besonderes Augenmerk verdienen dabei der "Spion" und die "Apothekerin".
Wer den "Spion" ersteigert, darf nämlich einen beliebigen gegnerischen Gefolgsmann vom Spielbrett nehmen und dafür einen eigenen Gefolgsmann einsetzen.
Die "Apothekerin" hingegen vertauscht zwei beliebige Gefolgsleute auf dem Spielfeld.
Beide Personen sorgen bis zum Ende dafür, dass die Gebäude heiß umkämpft bleiben.
Das Spiel endet, sobald alle Gebäude auf dem Spielplan gefüllt sind. Die Auswertung der Gebote wird noch zu Ende geführt, danach kommt es aber zur Endabrechnung.
Wer dann die meisten Unterstützungspunkte gesammelt hat, gewinnt.

Revolution! bietet eine gelungene Mischung aus Taktik und Einschätzung des Gegners, gepaart mit einem nicht alltäglichen Versteigerungsmechanismus.
Man muss eben nicht nur versuchen, das Beste aus den vorhandenen Bietmarkern zu machen, sondern auch den Gegner einschätzen können. Wird dieser versuchen, den Kapitän zu ersteigern, um sich noch in den Hafen zu schmuggeln, oder wird er eher auf den Drucker bieten, um sich die daraus resultierenden Unterstützungspunkte zu sichern?
Setze ich alles auf eine Person, oder streue ich so breit wie möglich, um vielleicht mit einem unerwarteten Gebot einen Überraschungs-Coup zu landen?
Bedenkt man dann noch, dass die anderen Spieler immer wissen, was ich an Bietmarkern einsetzen kann, und dass nicht alle Bietmarker für alle Personen eingesetzt werden können (einem General kann man beispielsweise mit "Zwang" nicht beikommen), dann ergeben sich daraus so viele Möglichkeiten, die Marker "richtig" einzusetzen, dass manche Spieler schier daran verzweifeln. Hier hat sich bisweilen der Einsatz einer Sanduhr rentiert, um allzu grüblerische Zeitgenossen unter Kontrolle zu halten.
Auch die Spieltaktik selbst hat sich als vielseitig erwiesen. Normalerweise bringt es am meisten Punkte, wenn man seine Gefolgsleute direkt in die Gebäude platziert, aber auch andere Taktiken können erfolgversprechend sein. Spion und Apothekerin geben mehr Einflussmöglichkeiten, als man anfangs glaubt, und auch der Drucker mit seinen jeweils zehn Unterstützungspunkten kann durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Fazit:
Gute Spiele zeichnen sich durch einfache und schnell erfassbare Regeln aus, die trotzdem eine Menge Spielspaß und Varianz ermöglichen. Revolution! ist ein Beispiel für diesen Ansatz und unterstützt ihn mit einer witzigen und thematisch passenden Grafik.
Vor allem aber weist es einen hohen Wiederspielwert auf. Auch wenn man gerade erst mit Pauken und Trompeten untergegangen ist, weiß man doch ganz genau, wie man es beim nächsten Mal besser machen will, und das sollte am besten sofort sein, jetzt gleich.
Früher war die Formulierung der Regeln ein bei Pegasus immer wieder anzutreffendes Problem, doch auch dieser Nachteil ist bei Revolution! nicht mehr zu finden. Die Regeln sind klar strukturiert und leicht verständlich. Am Ende finden sich außerdem noch einige besondere Optionen, die jedoch das Spiel teilweise ziemlich auf den Kopf stellen.
Insgesamt gesehen ist das Spiel für jeden Fan außergewöhnlicher Versteigerungsspiele geeignet, aber sicher nicht nur für diese.



LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.