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Innsmouth - Küstenstadt am Teufelsriff
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 13.07.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Frank Heller, Christopher Lang et al., Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 209, Erschienen: 2010, Preis: 29,95 €


In seinen Romanen hat Howard Phillips Lovecraft eine lebendige Welt des Verfalls geschildert. Orte wie Arkham, Dunwich oder eben Innsmouth werden wie selbstverständlich existierende Städte beschrieben. Diesen Orten widmet sich die Lovecraft Country-Reihe, die Pegasus Press übersetzt und bearbeitet. Den ersten Band davon stellte Arkham - Hexenstadt am Miskatonic dar, an das sich der Abenteuerband Grauen in Arkham anschloss. Nun ist mit Innsmouth - Küstenstadt am Teufelsriff das dritte Quellenbuch der Serie erschienen.

Den Anfang des Buchs macht ein Kapitel über die Lage der Stadt Innsmouth und wie man sie erreicht. Vor allem aber schildert es die Geschichte der Stadt und wie diese untern den Einfluss der Tiefen Wesen geriet. Wie Kapitän Obed Marsh auf einer Insel im Pazifik erstmals mit diesen Kreaturen des Meeres in Kontakt kam und diese am Ende zurück in seine Heimatstadt Innsmouth brachte, wird knapp aber hilfreich umschrieben. Wie der Esoterische Orden des Dagon gegründet wurde und gewaltsam die Herrschaft über die Küstenstadt erlangte, wird ausgehend von Lovecrafts Roman zusammengefasst.

Das zweite Kapitel geht auf das Leben in Innsmouth ein. Es beginnt mit der halbwegs öffentlichen, weltlichen Seite der Stadt. Das tägliche Leben und die Lebensumstände der Bewohner werden hier beschrieben. Analog zu dem Roman Schatten über Innsmouth und wichtig für die weiter hinten folgenden Abenteuer wird auch darauf eingegangen, was ein Besucher über Innsmouth erfahren kann und wie er von Gerüchten bis zur Gewissheit langsam aber sicher über das Grauen des Fischerortes Kenntnis erlangt.

Im nächsten Kapitel geht es zunehmend ins Eingemachte, sprich: der Esoterische Orden des Dagon und die Herrschaft der Tiefen Wesen werden näher beleuchtet. Die absonderlichen Riten des Ordens und die unmenschlichen Ansichten der Tiefen Wesen ergeben hier gemeinsam das lebhaft vermittelte Zerrbild einer Stadt.

Das letzte Kapitel des Quellenteils bildet ein Stadtführer von Innsmouth, ähnlich dessen, der schon in Arkham - Hexenstadt am Miskatonic vorkam. Auch Innsmouth und seine Umgebung werden hier sehr genau beschrieben und werden mit allen möglichen Mythoshintergründen und -geschehnissen versehen. Mit dem Text hat man die Gesamtheit des unschönen Städtchens Innsmouth für seine Abenteuer zur Verfügung.

Damit endet der Teil des Quellenbandes, der die Stadt im Allgemeinen schildert. Die Darstellung fällt damit sehr viel kürzer aus als das Analogon zu Arkham. Aber Innsmouth ist eine sehr viel kleinere Stadt als Arkham und verfügt auch über keine Universität, der man sich kapitelweise widmen kann. Insofern ist der Quellenteil des Werks nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch quantitativ zufrieden stellend.

Anders sieht das leider beim Abenteuerteil aus. An den Quellenteil schließen sich insgesamt sechs Abenteuer an, die in Innsmouth oder dessen Umgebung spielen. Diese sollen auch auf den Abenteuerband und vierten Teil der Lovecraft Country-Reihe Sturm auf Innsmouth vorbereiten. Die Abenteuer selbst sind sehr gut geschrieben, stimmungsvoll und bieten eine große Bandbreite an Anforderung an Spieler und Spielleiter. Daran gibt es nichts zu monieren.
Aber ihre Zusammenstellung ist sehr ungeschickt. Sie folgen nämlich alle der gleichen Linie: Aus irgendeinem Grund (meistens, weil sie jemand um einen Gefallen bittet) erfahren die Spielercharaktere von der Stadt Innsmouth, reisen dorthin und erfahren nach und nach von einem dunklen, grauenhaften Geheimnis der Stadt. Selbst bei sehr vergesslichen Spielern, die Schatten über Innsmouth nicht gelesen haben (das ja auch dieser Handlung folgt), kann ein Spielleiter höchstens zwei dieser Abenteuer nutzen, bevor die Spieler das buddhistische Konzept des ewigen Zyklus des Leidens, dem man entkommen sollte, wahrhaft nachvollziehen können. Deshalb ärgert sich der Leser am Ende. Während er die Abenteuer liest, wird er um viele interessante Ideen bereichert, von denen er aber die meisten höchstens als Versatzstücke wird nutzen können. Jammerschade, denn abgesehen von diesem Einwand ist das Material in Innsmouth - Küstenstadt am Teufelsriff absolut empfehlenswert. Hier ist das Ganze weniger gut als die Summe seiner Teile.

Text und Gestaltung des Quellenbuchs sind auf dem hohen Niveau, das man von Pegasus gewohnt ist. Die schwarzweißen Illustrationen sind sehr ansehnlich und die Karten übersichtlich.

Fazit:
Ein großartiges Quellenbuch, dass die Fans der Lovecraft Country-Reihe sicher erfreuen wird. Man sei aber gewarnt, die Abenteuer sind zwar ebenfalls gut, lassen aber gemeinsam schnell ein Kennst-du-eines-kennst-du-alle-Gefühl entstehen.




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