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Stummer Zorn
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 07.01.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Charlaine Harris, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 218, Erschienen: 2010, Preis: 10,95 €


Es gibt Verbrechen, die sind so schlimm, dass die Gesellschaft und sogar die Opfer sie lieber totschweigen. Neben Kindesmissbrauch ist dies auch Vergewaltigung. Beides Verbrechen, auf die viele Menschen wütend reagieren; wütend ob der Tat, aber auch wütend ob der gering erscheinenden Strafen, die auf solche Verbrechen folgen, sofern sie überhaupt zur Anzeige gebracht werden und zu einem Urteil führen.

Charlaine Harris, die hierzulande eher für ihre Vampirgeschichten über eine kellnernde Telepathin bekannt ist, hat sich des Themas literarisch angenommen. "Stummer Zorn", so der Titel des Buches, das in der deutschen Übersetzung bei Feder&Schwert erschienen ist, stammt aus dem Jahr 1984 und ist damiteines ihrer frühen Werke. Dass es lange keine Übersetzung gab, lag vermutlich am Thema, das auch hierzulande viel zu lange totgeschwiegen wurde.

Die Protagonistin von Stummer Zorn ist Nickie Callahan. Nach einer kurzen aber erfolgreichen Karriere als Model zieht es sie zurück in ihre Heimat, ein kleines Collegestädtchen in Tennessee. Nickie will dort studieren und ihre Karriere als Schriftstellerin vorantreiben. Ihre beste Freundin Mimi, die gerade zum zweiten Mal geschieden wurde, hat das viel zu große Haus ihrer Großmutter geerbt und die beiden einigen sich auf ein WG-Leben. Erst später erfährt Nickie, dass ein Serienvergewaltiger in der Stadt sein Unwesen treibt und dass eines der Opfer am College studiert. Nickie lässt sich davon nicht beeindrucken und beginnt ihr Studium der englischen Literatur. Die Vergewaltigungen hören aber nicht auf und als Nickie selbst darin verwickelt wird, nimmt sie die Gerechtigkeit in die eigene Hand und verbündet sich mit einem anderen Opfer. Zusammen können sie den Kreis der Verdächtigen auf wenige einschränken, denn der Täter kannte alle Opfer persönlich. Während Nickie jagt, bleibt natürlich auch der Vergewaltiger nicht untätig und schnell wird es ein Wettlauf gegen die Zeit zur Verhinderung weiterer Vergewaltigungen.

Dieses Buch beweist, dass Charlaine Harris nicht viel Übung brauchte, um gute Bücher zu schreiben. Stummer Zorn ist fesselnd, durchgehend spannend und vor allen Dingen ein Buch, das einen im Innersten aufwühlt, denn die Verbrechen sind einfach menschenverachtend. Die Verhaltensänderungen der Protagonisten sind gelungen, denn sie handeln entsprechend dem, was sie erleben beziehungsweise erleben müssen. Genau das macht "Stimmer Zorn" zu einem Buch, das man einfach lesen muss. Denn sowohl die Scham als auch die Wut, die durch solche Verbrechen beim Opfer ausgelöst werden, aber auch die Unschlüssigkeit, wie man sich als Bekannter, Freund oder Verwandter verhält, wenn man von der Tat erfährt, wird grandios dargestellt und erklärt. Dass der Roman bis zum Ende spannend bleibt, ist auch Harris’ Talent zu verdanken, den Täter nicht vorher zu verraten. Das führt dazu, dass man selbst immer wieder von einer Theorie zur nächsten wandert, gemeinsam mit den Jägerinnen. Leider muss auch diesmal wieder das Lektorat von Feder&Schwert angesprochen werden. Es sind, wieder einmal, zu viele Fehler für ein professionelles Produkt eines professionellen Verlages enthalten.

Fazit: Stummer Zorn von Charlaine Harris ist ein wirklicht gutes Buch, das sich eines Themas annimmt, das zu häufig totgeschwiegen wird. Sie geht dabei so behutsam wir möglich vor und erklärt und beschreibt gekonnt das Verhalten des Opfers und der Personen in dessen Umfeld nach einer Vergewaltigung. Ganz nebenbei schafft Harris es aber auch, die Geschichte äußerst spannend zu halten und den Täter nicht zu früh preiszugeben. Alles in allem ein packender Roman, den man einfach lesen muss, auch wenn Feder&Schwert einige Fehler übersehen hat.




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