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Collector
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 29.07.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): Markus Heitz, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 656, Erschienen: 2010, Preis: 14,95 €


Collector, Sammler, damit kann alles und nichts gemeint sein und doch erwartet man bei einem Buch, auf dem über dem Titel Markus Heitz steht entweder einen Fantasy- oder einen Vampirroman. Letzteres würde ja eigentlich am besten passen, das Thema ist ja aktuell wie eh und je. Doch weit gefehlt, Markus Heitz hat sich mit Collector einem weiteren Genre gewidmet, SciFi steht auf dem Programm und er selbst nennt sein neuestes Werk Space Fiction beziehungsweise eine Space Opera. Auf der Rückseite wird sogar von einem Epos gesprochen, das auf den Leser wartet. Nun, bei Markus Heitz wurde ich bisher noch nicht enttäuscht, also machte ich mich interessiert ans Werk.

Opera, das trifft es wohl am ehesten, wenn das Buch mit einer dreiseitigen Liste der Dramatis Personae startet. Sortiert nach Gemeinsamkeiten wie Konzernzugehörigkeit, Raumschiffbesatzung, Familienbande und Planetenbewohnern. An erster der Stelle die Hauptfigur, Kris Schmidt-Kneen, ein Fahrer und Frachterpilot. Nach der Vorstellung der Personae, wir befinden uns noch im Handbuch des Romans, werden Wesen, Konzerne und die wichtigsten Begriffe vorgestellt beziehungsweise näher gebracht. Allein die Positionierung der Begriffe vor dem Beginn der eigentlichen Geschichte bringt viele Pluspunkte, denn viel zu oft stehen diese notwendigen Begriffe irgendwo versteckt am Ende des Buches.
Nach dem Lesen des Handbuchs tauchen die nächsten Begriffe aus Dramen beziehungsweise aus der Oper auf. Kapitel und Unterkapitel sucht man in diesem Buch vergeblich, dafür gibt es Akte, Szenen und Zwischenspiele und wie es sich gehört starten diese mit einem Datum und einer genauen Lokalisierung des folgenden Geschehens. Das macht das Buch wirklich übersichtlich, gerade, weil wir neben Kris auch noch andere Personae begleiten und diese nicht immer am selben Ort sind.
Dass Kris ein Fahrer und Frachterpilot ist, habe ich weiter oben schon geschrieben und genau mit der ersten Tätigkeit beginnt das Buch. Kris fährt mit einem Antigrav-Truck im Jahr 3042 durch das vertrocknete Venedig. Sein Auftrag, das Transportieren eines geborgenen Gegenstandes für einen europäischen Forschungskonzern. Soviel erstmal zu Kris, jetzt zu den Collectors, bei denen handelt es sich um eine Ahumane Rasse, die Systeme und Planeten erobert und die Menschen in ihre Obhut nimmt. Zu Beginn des Romans hat diese Rasse gerade einen weiteren Planeten in ihre Obhut aufgenommen und unser Protagonist stellt sich wahrscheinlich nicht als einziger die Frage, wie es dazu kommen konnte. Dies führt den Leser ins erste Zwischenspiel, genauer gesagt ins Jahr 3017 und auf einen weit entfernten Planeten. Auf diesem Planeten geht Anatol Lyssander seinem Beruf nach. Anatol ist, nachdem er durch mehrere Sprünge durch so etwas wie Wurmlöcher, verändert wurde, nicht nur leicht verrückt, sondern auch in der Lage telepathisch mit anderen Rassen zu kommunizieren. Dieses Talent macht ihn zu einem gefragten Dolmetscher und Anatol weiß sehr wohl um seine Gabe und auch, dass er sie sehr wohl positiv für sich nutzen kann. Doch Anatol fliegt auf, muss fliehen und dabei seine Familie, inklusive seines Sohnes Kris, zurücklassen. Seine Flucht, ein Sprung, führt ihn in unbekanntes Gebiet und dort trifft er auf eine unbekannte Rasse, mit der er sich, dank seiner Gabe, aber irgendwie verständigen kann, die Collectors. Diese Collectors springen mit ihren Schiffen zu dem Planeten den Anatol vor kurzem Fluchtartig verlassen hat und stellen einen so genannten Ersten Kontakt her, ohne von ihrem Sammeltrieb gleich übermannt zu werden. Zurück zu Kris, die Ausgangssituation muss ja noch vollständig wiedergegeben werden. Kris’ Transportgegenstand ist ein uralter Antrieb für ein Raumschiff und leider hilft auch die strenge Bewachung nicht vor dem Diebstahl des Antriebs durch einen fremden Konzern. Unglücklicherweise wird Kris gleich mitgenommen und das eigentliche Abenteuer beginnt. Familie, Liebe, Verrat, Religion, Ahumane, Androiden, Collectors, Krieg, Mutationen, Drogen, diese Liste kann fast endlos fortgesetzt werden und all das erlebt Kris in dieser Space Opera. Dabei kommen Geheimnisse ans Tageslicht, die man so nie erwartet hätte und Verbündete tauchen auf, die einen wirklich überraschen.
Weder Kris noch dem Leser wird es dabei langweilig, Ereignisse überschlagen sich, Personen tauchen auf und verschwinden oder sterben, auch eher wichtige Personae, und man steht ständig unter Hochspannung. Alle wichtigen Personae sind rund und entwickeln sich, was insbesondere bei jenen offensichtlich ist, die in dem erwähnten Zwischenspiel auftauchen. Die unterschiedlichen Aspekte, die die Welten regieren, religiöse, wirtschaftliche und politische, sind äußerst interessant eingebunden. Christentum und der Glaube an Asen und andere alte Götter trifft auf kommunistische Zaristen und Fleisch verabscheuende Roboter. Mir fehlen eigentlich die Worte für eine solch gelungene Mischung und Erzählung.
Übertroffen wird das eigentlich nur noch durch das Nachwort, in dem Markus Heitz nicht nur ein Rollenspiel zum Collectors Universum im Ulisses Verlag ankündigt – Justifiers, benannt nach den Konzerneinsatztruppen aus dem Roman, soll das gute Stück heiße – sondern auch noch Comics und eine eigene Buchreihe zur Welt. Wir dürfen also gespannt sein, was Markus Heitz, bei seinem Weg zurück zu den Wurzeln alles auf die Beine stellt.

Fazit: Collector ist eine Space Opera wie es sie noch nicht gegeben hat. Eine spannende Geschichte mit runden Personae im Stil einer echten Oper und einem nie endenden Spannungsbogen. Überraschende Wendungen und Tode zwingen den Leser ebenso zum Weiterlesen wie auch die perfekte Mischung aus unterschiedlichsten Lebenseinstellungen und Lebensaspekten. Markus Heitz hat sich selbst übertroffen, wer braucht schon Zwerge, wenn er Collector haben kann. Wer braucht Vampire, wenn es im Himmel doch genug Glitzerndes zum Entdecken gibt?




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