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Dead Reign - Zombie Role-Playing Game
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 05.04.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Kevin Siembieda, Josh Hilden und Joshua Sanford, Verlag: Palladium Books Inc., Seiten: 224, Erschienen: 2008, Preis: 19,95 €


Zombies, auch die wandelnden Toten genannt, hatten ihren Ursprung in alten Legenden und wurden mit dem Voodookult auch in der Neuzeit wieder eingeführt. Ab 1968, als der erste Horrorfilm das Licht der Welt erblickte, tauchten die wandelnden Toten als Menschen vernichtende Monster immer häufiger und noch dazu in den verschiedensten Medien auf. Weitere Filme, Bücher und Computerspiele folgten mit großem Erfolg und in den letzten Jahren scheint es fast so, als wäre der Zombie aus apokalyptischen oder postapokalyptischen Filmen - und einigen Komödien - gar nicht mehr wegzudenken.

Diese Einflüsse und das vermehrte Zombieaufkommen der letzten Jahre führten schließlich zu einer Übertragung des Themas auf den Spielesektor. Es gibt Brett- und Kartenspiele, kleine lustige Zombiefiguren aus Plastik und makabere Karten, und da war es nur logisch, dass auch der Rollenspielmarkt auf den Zug aufsprang. Neben Eden Studios, die wohl das bekannteste Zombierollenspiel auf den Mark gebracht haben, hat sich auch Palladium Books, bekannt vor allem durch Rifts, dazu entschlossen ein Zombierollenspiel zu veröffentlichen. Dead Reign – Zombie Role-Playing Game heißt das gute Stück

Wie man die Jungs von Palladium kennt, halten sie sich nicht lange mit Einleitungen oder ähnlichem auf. Auf eine kurze Begrüßung und die Inhaltsangabe, folgt sofort die Frage nach den möglichen Ursachen der Zombieapokalypse. Fünf Möglichkeiten werden vorgestellt, nichts Neues, wenn man mal von erwähnten Firmennamen absieht, aber völlig ausreichend als Hintergrundsgeber für Spieler und Spielleiter. Es folgen einige Seiten Fluff und Regeln. Dies kann man hier nicht so gut trennen und geht eher fließend ineinander über. Jedenfalls wird die Welt beschrieben, die Überlebenden und die Zombies. Die Welt ist überfüllt mit Zombies, es gibt nur eine Hand voll Überlebender und die Zombies sind keineswegs nur lahme, nach Gehirnen gierende, tote Menschen. Das sind sie zwar auch, aber es gibt auch clevere und schnelle Zombies. Schon beim Lesen baute sich bei mir eine Stimmung auf, die ich sonst nur beim Schauen von Zombiefilmen habe, irgendwas haben die Autoren also richtig gemacht.
Nachdem das alles in der erwähnten Mischung aus Fluff und Regeln näher gebracht wurde, kommen einige regeltechnische Infos zu den Zombies, Kräfte, Schwächen, Taktiken, von und gegen Zombies, und Beschreibungen der verschiedenen Zombiearten. Einige will man eigentlich gar nicht beschrieben haben…
Spätestens hier fällt auf, dass Palladium oft mit Abkürzungen arbeitet. Leider werden diese nicht immer gleich erläutert, das passiert erst viel später. Dazu komme ich aber noch, nur schon mal eine kleine Warnung. Nach den Zombies werden menschliche Antagonisten und schließlich auch die Spielercharakterklassen und Berufscharakterklassen vorgestellt. Es gibt die Hundemeister, die apokalyptischen Soldaten, die Schnorrer, die Hirten der Verdammten, die Schnitter (Name einer Motorradgang) und die Überlebenden mit normalen Berufen. Eigentlich kann man diese Klassen, mit Ausnahme der letzten, recht gut mit Fantasybegriffen beschreiben, Tiermeister, Krieger, Dieb, Kleriker und Paladin. So liest sich nämlich auch die Beschreibung. Nach wie vor fehlen viele Erklärungen zu Abkürzungen und so richtig schlau aus den Vorzügen der Berufscharakterklassen wird man nicht. Auf welche Attribute sie jetzt Boni bekommen ist auch eher kryptisch. Im Anschluss an diese Klassen folgen die normale Ausrüstung, Ortsbeschreibungen, damit verbunden auch Gefahren, und das wichtigste, Waffen und Transportmittel.

Das folgende Kapitel ist für den Spielleiter gedacht und beinhaltet nicht nur 101 Abenteuerideen zum zufälligen Auswürfeln sondern auch noch Zufallsbegegnungstabellen. Jetzt sind wir auf Seite 143 von 220 und endlich kommen die Regeln und die Hoffnung auf die Erklärungen der Abkürzungen wächst. Man wird dann auch nicht enttäuscht. Bei der Charaktererschaffung werden die Attribute und all die anderen Abkürzungen erklärt. Acht Attribute gibt es, nichts Überraschendes. Von Geschick bis Aussehen, von körperlicher bis mentaler Stärke, das übliche eben. Mit welchem Attributswert man startet ermittelt man per Auswürfeln: 3W6 liefern einen Wert von 16 bis 18; darauf kommt noch mal 1W6.
Die Regeln zu Rüstung und Trefferpunkten ist dann wieder etwas speziell, Rüstungsschutz, Strukturelle Schadenskapazität, Schaden und Trefferpunkte, das alles braucht nur für den Schaden. Klingt kompliziert und ist es leider auch, da braucht man seine Zeit um rein zu finden. Es folgen die Gesinnungen, Berufe wurden ja schon viel früher abgehandelt, und schließlich ein System zur Charakterentwicklung mittels Zufallstabelle. Gerade letzteres sieht auf den ersten und auch auf den zweiten Blick recht gelungen aus. In einem Spiel, bei dem die Welt untergegangen ist und man, wenn man nicht aufpasst gefressen wird, darf eine Regelung zu Wahnsinn nicht fehlen, kurze Beschreibungen zu den am häufigsten vorkommenden Störungen und Traumata mit Regeln zur Umsetzung im Spiel. Schlecht ist das nicht, aber es gibt bessere Systeme.
Es folgen die Regeln für den Kampf: 1W20 für den Angriffswurf, 4 oder besser trifft ungerüstete Gegner, ansonsten muss der Rüstungswert überwürfelt werden. Ein Zombie wird nur bei 14+ beschädigt, verwundet wäre hier wohl das falsche Wort. Dazu gibt es dann noch jede Menge Zusatzregeln, Dunkelheit, Kampf gegen mehrere Gegner und so weiter. Zum Abschluss des Buches werden schließlich die Fertigkeiten erklärt und erläutert wie man sie anwendet: Es gilt mit 1W100 unter den Wert würfeln. Regeltechnisch liegt also alles beim Alten. Ganz hinten findet man dann noch den Charakterbogen im Querformat, voller Abkürzungen aber mit viel Platz. Er ist trotzdem recht unansehnlich, da hätte man mehr draus machen können.

Das Buch als solches ist gut mit einer Klebebindung versehen, die aber auch nach mehrfachem Durchblättern noch nicht locker geworden ist - das kennt man von anderen Verlagen auch anders. Das Coverbild ist ansprechend und passend gewählt. Im Buch werden die Bilder grober und teilweise sind sie auch wirklich einfach nur schlecht. Viele Tabellen, oft über mehrere Seiten, erschweren das Lesen und hin und wieder wurden ganze Passagen einfach kopiert, und das nicht nur aus diesem Buch sondern auch aus anderen Publikationen von Palladium Books. Diese Passagen wurden anschließend nur minimal abgeändert oder einfach nur um einige Wörter ergänzt. Kleinere Rechtschreibfehler und einige Stellen, an denen wohl im Nachhinein Sätze verändert, aber nicht immer auch alle Wörter dann gelöscht wurden, sind zwar nervig, kommen aber dann zum Glück nicht all zu häufig vor.

Fazit: Dead Reign – Zombie RPG ist ein solides Rollenspielregelwerk mit Höhen und Tiefen. Althergebrachte aber bewährte Regeln, die an einigen Stellen zwar etwas kompliziert und dementsprechend holprig sind, aber im Ganzen funktionieren. Es gibt gelungene Beschreibungen der apokalyptischen Welt, inklusive Zombies und Überlebende, bei der die wirklich Stimmung aufkommt. Schlechte Bilder, kopierte Passagen, Tabellen und ein paar Fehler runden das Buch leider nicht komplett positiv ab. Spaß kann man damit aber auf jeden Fall haben.




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