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Berlin - Im Herzen der großen Stadt
Von Martin Becker

Rezension erschienen: 04.06.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Wolfgang Schiemichen, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 192, Erschienen: 2002, Preis: 24,80 Eur


Der erste Cthulhu-Quellenband über eine deutsche Region widmet sich der Hauptstadt des damaligen Deutschen Reiches. Dabei fällt der eigentliche Quellenteil mit 30 Seiten doch ziemlich knapp aus - müssen sie doch ausreichen, um eine vier Millionen Einwohner fassende Stadt zu beschreiben. Und so wünscht man sich als historisch genauer Spielleiter bspw. bei den Beschreibungen der einzelnen Bezirke oder den realen Geschehnissen in den 20er Jahren doch etwas detailreichere Ausführungen.
Ein eindeutiger Schwerpunkt wird auf die "Szene" gelegt, mit ihren zahlreichen Theatern, Varietés, Kneipen und Kinos. Dazu werden ein paar typische Berliner Berufsgruppen und - für Cthulhu-Spieler ja nicht gerade unwichtig - Bibliotheken sowie Museen vorgestellt. Der Quellenteil beschränkt sich insgesamt nur auf das reale Berlin der 20er - auf okkulte oder mystische Begebenheiten wird hier gar nicht eingegangen. Wie aber Cthulhu-Abenteuer in der Großstadt aussehen können, zeigen die zwei äußerst ausführlichen Abenteuer, die den Großteil des Berlin-Bandes ausmachen.
"Der Tanzende Faun" von Wolfgang Schiemichen beginnt recht harmlos. Einer der Charaktere verguckt sich in eine Tänzerin und versucht, sie auf sich aufmerksam zu machen. Doch als er endlich Erfolg hat, führen mysteriöse Ereignisse dazu, dass die Polizei ihn des Mordes bezichtigt. Es liegt nun in erster Linie an seinen Freunden, seine Unschuld zu beweisen. Zu Gegnern können neben den Beamten vom Alex auch noch einige Ganoven werden - aber es wäre kein Cthulhu-Abenteuer, wenn bei dem Mord keine übernatürlichen Gewalten und Motive im Spiel wären.
Im Verlauf des Abenteurs zieht es die Charaktere von Berlin ins faschistisch werdende Italien. Ein gefährliches Pflaster, auch ohne das Finale mit einer alten etruskischen Göttin. Sind die Charaktere anfangs noch recht frei in ihren Handlungen, springen sie danach mehr oder weniger von Abschnitt zu Abschnitt, wobei sie aber weiterhin eigene Entscheidungen treffen müssen. Zumindest zu einem Abschnitt aber fehlte mir eine stimmige Überleitung. Auch wenn das Abenteuer manchmal an einen Kneipenbummel erinnert (da die Charaktere so einige Lokale aufsuchen werden), ist "Der Tanzende Faun" dennoch ordentlich ausgearbeitet und bietet neben einigen originellen Ideen auch noch einen kleinen Einblick in die Welt des frühen Filmgeschäfts.
Im zweiten Abenteuer von Jan Christoph Steines wird's heiß - das deutet schon der Titel "Jahrhundertsommer" an. Wie so viele Cthulhu-Abenteuer beginnt auch dieses mit einem ausgedehnten detektivischen Teil, allerdings werden die Charaktere hier schon recht früh mit einigen magischen Wesen, den sogenannten Sandgehern konfrontiert. Zur Story: Ein Freund bittet die Charaktere, eine vermutlich entführte Angestellte von ihm zu suchen. Bei ihren Nachforschungen kommen sie nicht nur dem Aufenthaltsort der Vermissten näher, sie finden auch heraus, dass die drückend heißen Temperaturen in diesem Jahr nicht zufälliger Natur sind.

Das Abenteuer ist recht anspruchsvoll, sowohl für den Spielleiter als auch für die Spieler. Wenn sie ihren Nachforschungen nicht gründlich nachgehen (und da gibt es eine ganze Menge zu ergründen), kann ihnen bspw. leicht das Zwischenspiel an der Ostsee entgehen. Ansonsten verspricht dieses Abenteuer aber einige spannende Abende.
Beide Abenteuer in diesem Band sind aufgrund ihrer detailreichen Ausarbeitung durchaus spielbar, nur zeigen beide, dass Cthulhu-Abenteuer, so nett sie auch durchdacht sein mögen, in Grundzügen sehr häufig gleich sind: Die Charaktere widmen sich einem scheinbar "harmlosen" Verbrechen, müssen am Ende jedoch ein unheiliges Ritual verhindern. Zu beiden Abenteuern gibt es wie gewohnt Handouts sowie Mythosbuchauszüge.
Insgesamt kann ich "Berlin - Herzen der Stadt" aufgrund der Spielspaß versprechenden Abenteuer weiterempfehlen; nur vom zu knappen Quellenteil bin ich ein wenig enttäuscht.




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